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Ostern alles dicht? Das sagt Weißwasser

Der nächste Lockdown steht fest. Doch er sorgt für viel Ärger und Resignation – bei Unternehmern und Bürgern.

Christina Piche und Sohn Daniel vom Hotel Kristall haben kaum noch Gäste.
Christina Piche und Sohn Daniel vom Hotel Kristall haben kaum noch Gäste. © Archivfoto: Joachim Rehle

Bei Daniel Piche stehen die Telefone nicht mehr still. Verunsicherte Bürger fragen nach , ob sie für Ostern noch Außer-Haus-Essen bestellen können oder ob ihre Bestellung abgesagt wird. Daniel Piche und seine Mitarbeiterin am Empfang vom Hotel Kristall in Weißwasser versuchen, die Kunden zu beruhigen, nehmen weiter Bestellungen an. Auch auf die Gefahr, wieder absagen zu müssen. Denn nach einem Jahr Corona-Pandemie zählt jeder Euro Einnahme. Noch weiß Daniel Piche zwar nicht, wie sich die neuen Regelungen auswirken. „Noch ist für uns unklar, ob das Oster-Taxi überhaupt, und wenn ja, an welchen Tagen, möglich ist. Ich hoffe, dass uns schnell Informationen vorliegen, damit wir und die Gäste planen können.“

Gastronomie vermisst klare Linie

Planen kann der Weißwasseraner Hotelier, ebenso wie Lieferanten, Restaurant- und Hotelgäste, durch Corona eigentlich längst nicht mehr. „Es ist alles so schwierig. Das macht uns Inhaber genauso kaputt wie unsere Mitarbeiter. Die kann ich gar nicht mehr so motivieren, wie es nötig wäre. Viele denken schon über einen Jobwechsel, raus aus der Gastronomie, nach“, erzählt Piche. Das Personalproblem sei, wenn man die Pandemie einigermaßen überstehe, das nächste große Problem der Branche, die – seiner Meinung nach – „leider gar keine Lobby“ habe und daher stark unterm Corona-Zickzack-Kurs leide.

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Besonders im Osten, wo Unternehmer in den letzten Jahrzehnten „jeden Cent in die Firmen investierten“ und so keine Rücklagen für Ereignisse wie die Pandemie hätten. Dadurch seien selbst gesetzliche Vorgaben wie Mitarbeiter-Testpflicht eine immense wirtschaftliche Zusatzbelastung. „Woher soll dafür noch Geld kommen, wenn zeitgleich Einnahmen fehlen?“, fragt der Unternehmer, für den die Aussicht auf geöffnete Außengastronomie ab Mitte April kein Hoffnungsschimmer ist. „Sich für den Biergartenbesuch anmelden, einen aktuellen negativen Covid-Test vorlegen, dann bei Kälte und vielleicht Regen draußen sitzen müssen: das schreckt Gäste ab.“ Er plane daher vorerst nicht mit Außengastronomie. „Viel wichtiger ist aus meiner Sicht, dass die Menschen, auch in Weißwasser, mehr Zusammenhalt zeigen und schätzen und unterstützen, was sie haben, bevor es vieles nicht mehr gibt. Egal, in welcher Branche.“

Menschen sind frustriert

Der neue Corona-Lockdown wirkt sich auch auf die Menschen selbst aus. „Fast täglich höre und merke ich, dass die Menschen entmutigt sind wegen der vielen Einschränkungen, sich nicht aufs Osterfest freuen, weil Kinder oder Enkel nicht zu Besuch kommen und sie sich nicht einmal mit Bekannten treffen dürfen“, erzählt Ljudmilla Köppen. „Abgesehen davon haben viele wirklich Angst, sich anzustecken“, weiß die Inhaberin von Physiotherapien in Weißwasser und Krauschwitz.

Schon seit Wochen komme es aus Angst wieder vermehrt zu Terminabsagen. Nun, mit der österlichen Ruhetag-Verordnung, müssten bestehende Termine und Hausbesuche umverlegt werden. Noch schwieriger werde die Lage, wenn Kindergärten und Schulen erneut schließen müssen. Schon im Februar und März sei eine von insgesamt sechs Mitarbeiterinnen ausgefallen. Nun könnte eine weitere Kollegin treffen. „Wir meistern das alles. Aber generell ist die Pandemie mit ihren Auswirkungen eine sehr traurige Sache und für jeden belastend“, bekennt Ljudmilla Köppen. Ihre Hoffnung sei es, dass die Pandemie-Ereignisse bei den Menschen insofern nachwirken, dass künftig nicht so viel „geschimpft und gemeckert wird, wenn mal irgendwas nicht gleich klappt“.

Neuer Stau bei Frisören

Auf verärgerte Kunden eingestellt hat sich Kerstin Wonde. Die Friseurmeisterin muss nämlich alle für Gründonnerstag und Ostersonnabend gemachten Termine im Haarstudio in Bad Muskau absagen. Rund 40 Kunden betrifft dies. „Es ist umso schlimmer, weil sie durch den letzten Lockdown schon seit Wochen oder Monaten auf einen Friseurbesuch warten.“ Für ihre Mitarbeiterinnen und sie heißt es nun, die Woche nach Ostern, wie schon die letzte Zeit, wieder täglich zehn Stunden arbeiten, um letztlich die „Kunden doch glücklich“ zu machen. Die Überstunden, sagt Kerstin Wonde, würden die Kolleginnen sammeln und abbummeln. „Beim letzten Lockdown waren alle froh über ihre Stundenkonten, da sie dadurch nicht zu lange geringere Verdienste durch Kurzarbeitergeld hatten. Aber ehrlich gesagt, macht es alles keinen Spaß mehr – und wegen des Tragens der Maske schlaucht die Arbeit noch mehr.“

Handwerkskammer fordert Strategie

Unzufrieden auf die neuen Corona-Beschlüsse reagiert ebenfalls Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. Zwar seien die aktuelle Lage für alle herausfordernd und die Beschlüsse die logische Konsequenz aus steigenden Inzidenzwerten und Todeszahlen. Aber es könne nicht sein, dass es „nach solch einer Runde mehr Fragen als Antworten bei den Arbeitnehmern und Arbeitgebern im ostsächsischen Handwerk“ gäbe. Auch, weil nicht klar sei, wie die Ruhetage arbeitsrechtlich geregelt sind. „Allein auf Ostern zu schauen, greift zu kurz. Die Politik bleibt weiterhin eine Strategie schuldig, wie wir in den nächsten Wochen und Monaten mit der Pandemie leben und eine wirtschaftliche Normalität gewährleisten können. Und mit Stand heute haben wir weder ein funktionierendes Impfsystem noch eine klar geregelte Teststrategie“, kritisiert Dittrich.

Apropos Tests und medizinische Versorgung: Unter die sonntagsähnlichen Regelungen für Gründonnerstag fallen selbst Arztpraxen. In Krauschwitz will Karl-Peter Lippold öffnen – wenn er darf –, da danach die Praxis wegen Urlaub geschlossen ist, begründet der Mediziner, der auch in Pflegeheimen impft und in der Praxis Schnell- und Antikörpertests macht. „Ganz ehrlich hoffe ich, dass bald alles wieder besser wird“, gibt der Arzt offen zu.

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