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Die Ängste der Schweinezüchter

Sachsen hat noch keinen Fall von Schweinepest. Aber das Geschehen in Brandenburg sorgt für Unruhe im Landkreis Görlitz.

Blick in eine Schweinezuchtanlage im Kreis Görlitz.
Blick in eine Schweinezuchtanlage im Kreis Görlitz. © Matthias Rietschel

Aus einem infizierten Wildschwein sind 20 geworden. Neun tote Wildschweine stammen aus dem Raum Schenkendöbern im Kreis Spree-Neiße; elf sind bei Neuzelle im Kreis Oder-Spree gefunden worden. Bei allen 20 Tieren ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) nachgewiesen. Schenkendöbern, unmittelbar an der polnischen Grenze, liegt nur eine Autostunde von Bad Muskau entfernt. Anders gesagt: Die Schweinepest ist nur gut 50 Kilometer von der Grenze des Landkreises Görlitz entfernt. Das raubt Schweinezüchtern den Schlaf.

Rico Krause ist Prokurist bei der AGRÖ Frankenthal Gesellschaft, die Bestandteil der Landwirtschaftsbetriebe Gröbner in Sachsen ist. Die AGRÖ beschäftigt sich vorwiegend mit der Schweineaufzucht und -mast. Im Landkreis Görlitz unterhält sie drei Stallanlagen in Horka, Kodersdorf und Kunnersdorf an der Bundesstraße 115. Dort sind bis zu 12.700 Schweine untergebracht.

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Landkreis schickt Zaunmaterial

Schon mit dem Aufkommen der ersten ASP-Fälle an polnischen Wildschweinen wurden die Sicherungsmaßnahmen an den eigenen Stallanlagen verstärkt. „In Kodersdorf ist nicht nur unser Betriebsgelände eingezäunt, sondern jeder Stall noch einmal extra“, nennt Rico Krause ein Beispiel. Als am 10. September das erste mit ASP infizierte Wildschwein in Brandenburg festgestellt wurde, bekam die AGRÖ vier Tage später von der Landkreisverwaltung Zaunmaterial für ihre Anlage in Kodersdorf, um einen weiteren Schutz vom Feld her zu haben. „Bereits im Vorfeld stellten wir an unserem vorhandenen Zaun drei Stellen fest, wo Wildtiere versucht haben, durchzuschlüpfen.“

Auch wenn offen ist, welche Tierarten da am Werke waren, zeigen diese Vorfälle, dass die Gefahr der Übertragung der Schweinepest im Landkreis Görlitz latent ist. Aber ist sie das? Der Landkreis Görlitz ist aktuell von dem Geschehen in Brandenburg nicht direkt betroffen, lässt die Verwaltung auf Nachfrage der SZ mitteilen.

Sie rät aber dazu, dass sich bei geplanten Reisen und Ausflügen in Gebiete der Landkreise Oder-Spree, Spree-Neiße und Dahme-Spree die Bürger vorab informieren, „zum Beispiel über aktuelle Auflagen und Einschränkungen, die auf den Internetseiten der Landkreise zu finden sind“, so Kreis-Sprecherin Julia Bjar.

Für Menschen ist die Schweinepest nicht gefährlich. Deshalb gibt es im Landkreis Görlitz für Pilzsammler und Beerenpflücker keine durch die ASP verursachten Einschränkungen. „Grundsätzlich sind alle Menschen aufgefordert, keinen Müll und keine Speisereste in der freien Natur zurückzulassen“, ergänzt Julia Bjar.

Aber auch die Jäger und Pächter von Waldflächen haben Verantwortung für das, was unter ihren Baumwipfeln passiert. So haben sie die für ganz Sachsen geltende Verpflichtung, tot aufgefundene und krank erlegte Wildschweine dem zuständigen Veterinäramt zu melden.

Jäger: Den Aufwand entschädigen!

In den Landkreisen Bautzen und Görlitz muss seit Frühjahr allen erlegten Schwarzkitteln eine Probe auf ASP entnommen werden. Zudem dürfen keine Wildaufbrüche im Wald liegengelassen oder vergraben werden. Sie sind zu entsorgen.

Dem Landesjagdverband (LJV) Sachsen geht das nicht weit genug. Einerseits bekämen die Jäger und Pächter zusätzliche Auflagen wegen der Schweinepest – aber diese müssten ihnen auch entsprechend bezahlt werden. LJV-Vizepräsident Wilhelm Bernstein bemängelt das Fehlen einer entsprechenden Aufwandsentschädigung, wenn der Waidmann sich auf die Suche nach toten Wildschweinen macht. Ferner müsse endlich der bei den Pächtern von der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft nicht gedeckte Versicherungsschutz im Zusammenhang mit ASP geklärt werden. Nicht zuletzt müssen die Jäger auch in Einrichtungen wie Hochstände investieren. Auch daran sollte sich Sachsen beteiligen.

Hilfe kommt. Vielleicht.

Inzwischen hat der Freistaat reagiert. Er will den Jägern in den Landkreisen Bautzen und Görlitz nicht mehr nur die zehn Euro für die Probenentnahme zahlen. Dazu gibt es 50 Euro für das Erlegen und Versorgen von Wildschweinen. Ist es eine Bache, kommen weitere 40 Euro dazu. Dazu übernimmt das Land die Trichinenuntersuchung und das Entsorgen des Aufbruchs und der Schwarte, sofern angeordnet. „Das alles ist aber noch nicht beschlossen“, heißt es aus dem Sozialministerium. Die Polen, im Osten ihres Landes besonders hart von der Schweinepest betroffen, sind da ein Stück weiter: Sie binden auch die Bevölkerung mit ein. So führte das Marschallamt der Woiwodschaft Lubelskie bereits 2017 eine Belohnung in Höhe von 200 Złoty (knapp 50 Euro) für die Suche nach einem toten Wildschwein ein.

Für Prokurist Rico Krause ist die Intensität der Schweinepest im Preis für Schweinefleisch messbar. Vor dem ASP-Fund in Brandenburg lag der Preis für ein Kilogramm Schweinefleisch bei 1,47 Euro. Zwei Tage später sank der Preis bereits um 20 Cent. Für den Laien mag das nicht viel sein. Aber in Bezug auf ein ausgewachsenes Mastschwein bedeuten 20 Cent weniger, dass der Züchter dem Käufer 20 Kilogramm Schweinefleisch schenkt.

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„Für unser Unternehmen heißt das, dass wir jede Woche einen mittleren fünfstelligen Betrag weniger einnehmen“, bringt es Krause auf den Punkt. Und dabei legt er noch nicht einmal den Kilopreis von zwei Euro zugrunde, der noch vor einem halben Jahr gezahlt wurde.

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