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Keine Entscheidung zu Spielplatzschließungen

In Weißwasser gibt es sechs städtische Spielplätze. Freizeitpark und Südpark sollen zurückgebaut werden. Bürger und Stadträte sind dagegen.

Innerhalb des Stadtrates Weißwasser wurde eine Initiative gegründet, die den Spielplatz am Kohlestauplatz aufwertet, Spenden und andere Finanzmittel zur Aufstellung neuer Geräte ermöglicht. Das brachte schon erste Erfolge wie diese Kletter- und Rutsch
Innerhalb des Stadtrates Weißwasser wurde eine Initiative gegründet, die den Spielplatz am Kohlestauplatz aufwertet, Spenden und andere Finanzmittel zur Aufstellung neuer Geräte ermöglicht. Das brachte schon erste Erfolge wie diese Kletter- und Rutsch © Constanze Knappe

Weißwasser. Die Weißwasseraner lieben ihre Stadt, weil sie viele Park- und Grünanlagen hat, in denen man spazieren gehen, Sport treiben, sich erholen, radfahren oder mit Kindern sicher und ausgelassen spielen kann. All diese Möglichkeiten bietet, wie schon der Name sagt, der Freizeitpark.

Hier gibt es, neben Rad- und Wanderwegen, Wiesen zum Toben, Entdecken, Drachen steigen lassen, Möglichkeiten für Picknick und Familiengrillen sowie einen Spiel- und Bolzplatz. Letzterer ist in die Jahre gekommen. Die meisten Geräte sind defekt und längst abgebaut. Nur zwei Fußballtore und ein Basketballballkorb auf asphaltierter Fläche zeugen noch vom einstigen Spielbereich.

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Die Stadtverwaltung plant daher, und aus Gründen der Kosten für Neuausstattung und Bewirtschaftung, den Spielplatz zurückzubauen und verbliebene Geräte umzusetzen. Dies gilt ebenfalls für den Spielplatz im Südpark, hinter dem Einkaufszentrum Südpassage, in dem es noch eine Skaterrundbahn und zwei Skateranlagen gibt. Weißwasser hätte, kommt es zu den Schließungen, künftig nur noch vier städtische Spielplätze. Dazu gehört beispielsweise der bislang ebenfalls noch unattraktive und mit Hilfe von Spenden und anderen Mitteln im Aufbau befindliche Platz am Kohlestauplatz. Auch im Jahnbad soll im Zuge der Sanierung und Umgestaltung ein neuer attraktiver Spielplatz in Trägerschaft der Stadt entstehen. Für Räte und Bürger sind dies aber keine Gründe, die Plätze Freizeit- und Südpark zu schließen.

Schon vor der Stadtratssitzung regte sich gegen die Pläne Protest in sozialen Netzwerken. So schrieb Sandy Schulz: „Seit Jahren wurden diese Spielplätze nicht mehr instand gesetzt, ließ man sie verrotten. Ich verstehe nicht, weshalb immer neu gebaut wird, statt Vorhandenes zu pflegen. Und viele Menschen in Weißwasser finden es toll, außerhalb des Stadtzentrums einen Ruhepol zu haben, was der Freizeitpark eindeutig ist.“ Auch Anne Maike Steinfurth findet den geplanten Abbau nicht gut, empfindet, dass damit auch „einfach ein Stück einstiger Kindheit und schöner Erlebnisse genommen“ wird. Viele von rund 80 Posts sagen: „Ich bin gegen den Rückbau vom Spielplatz im Freizeitpark.“

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, erklärte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch in der Stadtratsitzung. Doch im innerstädtischen Bereich, im Oberlausitzer Sport- und Freizeitpark, bei der Waldeisenbahn sowie auf Grundstücken von Wohnungsunternehmen in der Stadt gäbe es viele attraktive Spielplätze. Für Stadträtin Kathrin Jung (SPD) war dies keine ausreichende Begründung. „Spielplätze sind Treffpunkte, Plätze für Bewegung und Erlebnisse für Kinder und wichtig für die Stadt“ appellierte sie. Man habe in den Ausschüssen zwar das Thema im Vorfeld besprochen, aber keine wirkliche Diskussion geführt. Auch die Vorlage lasse eine Entscheidung zwischen dem einen oder anderen Platz nicht zu.

Gesamtkonzept wird gefordert

Der Südpark, so Jung, könne sicher bei Geräteumsetzung geschlossen werden. „Aber der Freizeitpark hat bei den Bürgern noch eine große Bedeutung.“ Sie forderte daher die Erarbeitung eines Konzepts zur Aufwertung des Gesamtkomplexes. „Das ist ebenso nötig wie Redebedarf bezüglich der Spielplatzvorlage.“ Denn die, so die SPD-Rätin weiter, zeige weder das Einsparpotenzial noch Kosten auf. Zudem würden die Skaterflächen aus ihrer Sicht pauschal abgewertet. Kathrin Jung beantragte eine Zurückstellung der Vorlage und eine Neuvorlage im nächsten Stadtrat.

Ähnlich sah es Karina Ott von der Wählervereinigung „Wir für Weißwasser“. Auch die Wählervereinigung sei gegen das Zunichtemachen des Freizeitparks. Für Bernd Frommelt (Kinder und Jugend im Kreistag) ging es gleichfalls nicht nur um die Spielgeräte und den Spielplatz. „Generell muss sich um den Freizeitpark konzeptionell Gedanken gemacht werden“, forderte auch er angesichts der vielen dort einst vorhandenen und inzwischen kaputten Angebote wie Erlebnispfad, oder Parkelementen wie Planeten. „Mir ist die Haushaltslage der Stadt bewusst. Doch der Freizeitpark mit Nähe zur neuen WEM-Haltestelle am Tagebaurand und dem Aussichtsturm am Schweren Berg muss weiter in den Blick rücken.“ Dennoch, so OB Pötzsch, müssten die auch oft von Besuchern vollgemüllten Spielplätze und Parks gepflegt und bewirtschaftet werden. „Dazu reicht das Personal nicht, wäre Flächenbewirtschaftung nötig.“ Letztlich wurde die Vorlage zurückgestellt – zur erneuten Diskussion in den Ausschüssen, zur Erarbeitung weiterer Fakten durch die Stadtverwaltung und zur Wiedervorlage im Stadtrat im Oktober.

Im Netz gibt es inzwischen auch Tipps von Bürgern, wie der Freizeitpark insgesamt gepflegt und erhalten werden kann. Die reichen von Gründung eines ehrenamtlichen Vereins über die Nutzung des Strukturwandel-Fonds für Projekte, die Einbeziehung regionaler Unternehmen in die Finanzierung bis hin zu Pflanz- und Säuberungsaktionen. Und es gab den Vorschlag, zu klären, welche Spielplätze gut frequentiert sind und welche nicht. Sozusagen als Entscheidungshilfe für die neue Debatte.

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