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Noch ein Hoyerswerdaer an der Stadtspitze

Kai Petschick leitet jetzt das Referat Ordnung und Soziales in Weißwasser – und er hat auch gleich ordentlich zu tun.

Von Constanze Knappe
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Kai Petschick
Kai Petschick © Constanze Knappe

Offenbar zieht es die Hoyerswerdaer nach Weißwasser: Nach Baureferatsleiterin Dorit Baumeister kommt nunmehr eine weitere Führungskraft der städtischen Verwaltung aus der Konrad-Zuse- in die Glasmacherstadt. Kai Petschick ist seit dem 1. Oktober der neue Referatsleiter für Ordnung und Soziales. Mehr als 20 Jahre war er in der Stadtverwaltung Hoyerswerda beschäftigt. Etwa im Controlling. Und im Büro des dortigen Bürgermeisters war er für kommunale Dienstleistungen zuständig, zuletzt als Fachgruppenleiter für Schulen und Soziales. Alles Themen, die er auch jetzt in Weißwasser zu bearbeiten hat.

Im Austausch mit den Sachgruppenleitern verschaffte sich Kai Petschick einen ersten Überblick. Und schon war er mittendrin in seinem interessanten Arbeitsfeld. Ihm unterstehen 19 Mitarbeiter der Kernverwaltung, dazu die Beschäftigten der städtischen Kitas und Horte. Die Mischung aus erfahrenen Kollegen und jungen Mitarbeitern mit neuen Ideen findet er gut. Mit jedem Einzelnen will der Referatsleiter bis Weihnachten gesprochen haben.Daraus wird er ein Konzept entwickeln, wie das Referat umstrukturiert und für die Zukunft fit gemacht werden könnte. Im Januar wird er seine Ideen in der aus Personalrat und Stadträten bestehenden Arbeitsgruppe Personal vorstellen. Mehrere Mitarbeiter scheiden altersbedingt aus. „Es ist wichtig, rechtzeitig Nachfolger einzuarbeiten, damit der Wissenstransfer funktioniert“, sagt Kai Petschick und hat sich das zu einer vordringlichen Aufgabe gemacht. Als Schwerpunkte bei der Neuausrichtung des Referats bezeichnet er neben der Demografie ebenso auch Strukturwandel und Digitalisierung.

Der gelernte Verwaltungsfachangestellte hat viermal studiert. Er ist Betriebswirt der Volkswirtschaft, Betriebswirt in der Informatik, hat einen Bachelorabschluss in Betriebswirtschaftslehre und den Masterabschluss in Public Governance, was so viel bedeutet wie öffentliches Regieren. Zuletzt war er ein Jahr Dozent für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule für Verwaltung in Meißen. Dort vermittelte er seinen 165 Studenten Kenntnisse der Betriebs- und der Volkswirtschaftslehre sowie des Rechnungswesens – stets auch mit dem Augenmerk auf die Digitalisierung. Davon könne er jetzt profitieren, sagt Kai Petschick. Die Digitalisierung sei ein ganz großes Thema; in der Verwaltung selbst wie auch in Kitas und Schulen. Mit den anderen Referatsleitern sei er dabei, eine Grundstruktur zu erarbeiten, wie durch den Einsatz digitaler Technik Mitarbeiter entlastet und zudem die Stadtverwaltung Weißwasser durch Online-Angebote bürgerfreundlicher werden könnte. Auch sieht er sich quasi „als Vermittler zwischen den Verwaltungsmenschen und den IT-Spezialisten“.

Aus der Lehre wieder in die Praxis

An der Hochschule in Meißen war er auf die Ausschreibung der Stadt Weißwasser gestoßen, die eine Referatsleiterstelle besetzen wollte. „Es ist zwar ein krasser Schritt, diese Umstellung von der Lehrtätigkeit und der wissenschaftlichen Arbeit auf die Arbeit in einer Kommunalverwaltung, aber ich sehe mich doch eher als Praktiker“, findet Petschick. Auch sei er „in einem Alter, in dem man noch etwas bewegen möchte“. Seine Lehrtätigkeit in Meißen wird er behalten und seine Studenten als Gastdozent weiter begleiten. Er sehe das als seine Verantwortung, damit der Schnitt für die Studierenden nicht zu heftig ist.

„So ein Angebot wie das der Stadt Weißwasser gibt es ja nicht andauernd. Hier stimmt das Gesamtpaket“, sagt der 44-Jährige, der verheiratet und Vater zweier Kinder ist. Dass er Dorit Baumeister schon vorher in Hoyerswerda privat kannte, habe seine Entscheidung zur Bewerbung nicht beeinflusst. Mit ihr gesprochen habe er jedoch sehr wohl. Einfach, um zu erfahren, wie sie hier angekommen ist, wie sie die Zusammenarbeit erlebt – in der Verwaltung selbst, aber auch nach außen hin. Und er hat sich „natürlich in der Stadtgesellschaft umgehört, wie die Stadt so tickt“ und wo die großen Schwerpunkte sind. Allen voran der Strukturwandel. Das Thema beschäftigte ihn schon in Meißen. „Die Hochschule sollte die Landkreise unterstützen und mit geeigneten Gemeinden Konzepte aufstellen“, erzählt er. Bewusst war ihm das Thema auch, weil Hoyerswerda ja ebenfalls betroffen ist. „Ich habe in den 90ern den großen Umbruch erlebt. Jetzt bietet sich die Chance, mich aktiv einzubringen“, sagt er. Mit den Kollegen an der Hochschule steht er dazu im engen Austausch. „Das Netzwerk macht sich bemerkbar – und vielleicht hilft es ja dabei, den in Weißwasser fehlenden Nachwuchs in Meißen zu gewinnen“, gibt er zu bedenken.

In den nächsten Wochen verschafft sich Kai Petschick einen Überblick über alle Projekte, die mit Fördermitteln finanziert werden. Er wird sich bei freien Trägern vorstellen, die dazu beitragen, das soziale Leben in der Stadt zu sichern. Erste Gespräche mit dem Landkreis betrafen dessen neues Bürgerbüro in Weißwasser und die Frage, wie beide Verwaltungen im Sinne der Bürger zusammenarbeiten könnten, aber auch die Obdachlosenunterkunft in der Stadt.In seinem ersten Bürgergespräch ging es um die Erreichbarkeit von Grundstücken während der teilweisen Sperrung der Berliner Straße. Im Kontakt steht Kai Petschick mit Organisatoren des Weihnachtsmarktes. Als Entscheidungshilfe für künftige Veranstalter gebe es jetzt eine Checkliste, was man mit welchem Formular wo beantragt. Damit soll es für Vereine leichter werden, an Genehmigungen zu kommen. Der Weihnachtsmarkt ist die erste Veranstaltung mit vereinfachter Antragstellung.Sein Steckenpferd ist das Controlling. Zur Steuerung kommunaler Haushalte hat Kai Petschick seine Bachelorarbeit geschrieben. Wie Stadt und kommunale Betriebe voneinander profitieren – auch das wird ihn in Weißwasser beschäftigen.

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