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Schaufenster-Aktion soll zum Stadtbummel einladen

In Weißwasser sind 30 Prozent der Geschäfte und Ladenfenster leer. Das soll sich ändern. Nicht nur im Advent.

Schaufenster und Verkaufsraum des „Weihnachtsladens“, in dem Margit Bensch und Diana Heinschker (hi.) verkaufen, zeigen sich als Hingucker.
Schaufenster und Verkaufsraum des „Weihnachtsladens“, in dem Margit Bensch und Diana Heinschker (hi.) verkaufen, zeigen sich als Hingucker. © Sabine Larbig

Bündel mit Tannengrün, Beutel und Kartons voller Weihnachtsdeko, darunter eine große Pyramide und viele Engelsfiguren, liegen im Flur und einstigen Ladengeschäft in der Bodelschwinghstraße. All das hat Petra Rotta von Zuhause mitgebracht, um das Schaufenster des verwaisten Ladens zu dekorieren. Seit etwa einem Jahr gestaltet die gebürtige Weißwasseranerin und heute in Weißkeißel Lebende das Schaufenster je nach Jahreszeit oder Festen in Eigeninitiative und Absprache mit der Vermieterin. Noch vor ein paar Tagen fanden sich hier Ausstellungsstücke zu Indien – Zeugnisse eines Familienurlaubs.

Aktion gegen „leere Augen“ der Stadt

Urlaub ist auch das Stichwort, weshalb Petra Rotta sich als „Dekorateurin“ engagiert. „Wir waren 2019 in einer Kleinstadt in der Slowakei. Da waren alle Schaufenster, auch die von leerstehenden Läden, individuell mit Bildern, Skulpturen und Kunsthandwerk oder einfach saisonal gestaltet, so dass der Bummel durch die Innenstadt richtig Spaß machte“, erzählt Petra Rotta.Da auch in Weißwasser viele Läden leer stehen, kam sie auf die Idee der Dekoration, sprach ihre Freundin an, die sofort offen dafür war. Und sie setzte sich im Frühjahr 2020 mit City-Manager Frank Lublow in Verbindung, damit viel mehr „leere Augen der Stadt“ gestaltet werden. „Es gibt doch in der Stadt und Region so viele kreative Menschen, Künstler, Handwerker sowie Kitas und Schulen, die ständig irgendwas basteln. Warum sollten ihre Werke nicht die Schaufenster zieren und die Stadt damit schöner machen?“ begründet Rotta.

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Bei Frank Lublow stieß sie mit dem Vorschlag offene Türen ein. „In Weißwasser stehen aktuell rund 30 Prozent aller Ladengeschäfte leer, auch in der Innenstadt. Sie so zu gestalten, dass ein Stadtbummel zur Entdeckertour für Einheimische und Besucher wird, ist eine tolle Sache“, so Lublow.

Suche nach ganzjährigen Helfern

Nicht nur zur Adventszeit sei die Gelegenheit günstig. Ob Modelleisenbahnen, Puppensammlungen, altes Spielzeug, bemalte Fensterscheiben – vieles sei ganzjährig möglich, sagt der City-Manager. Er weiß, dass der Gedanke der Schaufenstergestaltung nicht neu ist. In manchem Ex-Laden finden sich bereits Dekorationen einheimischer Künstler, Vereine, Unternehmen oder Handwerker. „Ein gestaltetes Schaufenster bietet ja eine charmantere Form der Bewerbung als nur Schilder mit Telefonnummern oder dem Vermietungskontakt, weshalb jede Idee die Innenstadt attraktiver macht als leere Schaufenster.“ Lublow ist deshalb stetig auf der Suche nach Eigentümern, die dafür offen sind. „Schließlich ist es mein Job; sie, Ideengeber, und Akteure zusammenzubringen für ein liebens- und lebenswerteres Weißwasser“, begründet Lublow.

Was sich einfach anhört, ist schwierig. Theoretisch stehen alle Schaufenster zur Verfügung. Praktisch sind nicht alle Eigentümer zu gewinnen. „Es braucht permanente Überzeugungsarbeit, um ganzjährig Schaufenstergestaltungen hinzubekommen“, weiß der City-Manager, der deshalb die Idee auch über seine Facebook-Plattform „Glasturbine“ bewirbt.

Petra Rotta engagiert sich seit einem Jahr als freiwillige Schaufensterdekorateurin. Mit ihrer Aktion will sie etwas gegen die „leeren Augen“ in Weißwasser tun und sie hofft auf weitere Mitstreiter und Unterstützer.
Petra Rotta engagiert sich seit einem Jahr als freiwillige Schaufensterdekorateurin. Mit ihrer Aktion will sie etwas gegen die „leeren Augen“ in Weißwasser tun und sie hofft auf weitere Mitstreiter und Unterstützer. © Sabine Larbig

Aktuell hat er zwei Immobilieninhaber in der Bahnhofstraße überzeugen können, ihre Schaufenster zu gestalten. „Mein Wunsch wäre es, dass vor allem an den Hauptstraßen wie Bautzener und Muskauer Straße, die direkt im Sichtfeld der Einwohner, Kunden und Besucher sind, viele Ex-Ladenfenster dekoriert werden.“ Ein gelungenes Beispiel und Vorzeigeobjekt, wenn auch nur bis Mitte Dezember, sei der „Weihnachtsladen“ der Ausbildungsgesellschaft Rodig in der Muskauer Straße 76.

Vor dem Laden und in den großen Schaufenstern vermitteln Kugelpyramiden, lustige Schneemänner, Türme aus Geschenkkartons, beleuchtete große und kleine Weihnachtsdeko beim Stadtbummel festliche Stimmung und Weihnachtsflair. Auch im Inneren des Ladens setzt sich dies fort. Insgesamt 440 und seit Frühjahr von den Teilnehmern der Kreativ-, Dekorations- und Floristikbereiche unter Anleitung der Ausbilderinnen Marit Bensch und Diana Heinschker gefertigte Erzeugnisse warten auf Betrachter und Käufer.

Modell „Ladengeschäft auf Zeit“

Es ist das erste Mal, dass die Ausbildungsgesellschaft ein temporäres Ladengeschäft hat. „Im vorigen Jahr waren wir erstmals beim Weihnachtsmarkt in der Telux dabei. Die Resonanz auf unsere Waren war so groß, dass wir dieses Jahr wieder dabei sein wollten. Weil wegen Corona der Markt abgesagt werden musste, suchten wir nach Alternativen und kamen auf die Idee eines Weihnachtsladens“, erzählt Geschäftsführerin Roswitha Rodig. Auf der Suche nach geeigneten Räumen nahm sie Kontakt mit dem City-Manager und der Stadt auf, kam so mit dem Vermieter Wohnungsbaugesellschaft zusammen. „Der Laden hat uns wegen der idealen innerstädtischen Lage und seiner Größe gleich zugesagt.“

Wegen des Aufwands beim Schmücken, Auf- und Abbau wurde das Geschäft für vier Wochen gemietet, obgleich nur bis 5. Dezember verkauft wird. „Wir hoffen, Laden und Schaufenster erfreuen die Weißwasseraner und locken an“, bekennt Ros-witha Rodig. Mit dem Verkaufserlös unterstützt die Ausbildungsgesellschaft die Arbeit des Stadtvereins. So wird Material für Weiterbildungsangebote wie Floristikkurse möglich. „Nicht alles wird von Arbeitsagentur oder Jobbörse finanziert, und wir hoffen ja, bald wieder die coronabedingt abgesagten Kurse anzubieten“, sagt Rodig.Mehr und ganzjährig temporäre Läden in Weißwasser – City-Manager Lublow sieht auch darin Chancen zur Innenstadtbelebung. Wenn Vermieter mitziehen.

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