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Schuhe vorm Rathaus symbolisieren Kindersorgen

Weißwassers Oberbürgermeister reagiert überraschend auf den Corona-Maßnahmen-Protest der Kinder und Eltern.

Eltern machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder. Mit Schuhen und Plakaten machten sie vor dem Rathaus in Weißwasser und in anderen Gemeinden darauf aufmerksam.
Eltern machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder. Mit Schuhen und Plakaten machten sie vor dem Rathaus in Weißwasser und in anderen Gemeinden darauf aufmerksam. © Joachim Rehle

Weißwasser/Krauschwitz/Bad Muskau. Die Aktion ist ein stiller Protest. Forderungen und Äußerungen spiegeln den Aktionshintergrund wider: Hilferufe, Ängste und Sorgen in Corona-Zeiten.

In Weißwasser reagierte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch mit Süßigkeiten und einer Botschaft an die Initiatoren. Darin heißt es, dass er die Sorgen, Ängste, Nöte sehr gut verstehen könne, da durch die Corona-Pandemie nichts mehr sei, wie es war. „Ihr habt als Hilferuf an die Politik Schilder und Blätter mit euren Botschaften an der Rathaustür in Weißwasser abgelegt. Das ist ein stiller Protest. Und er macht auf die Belange von Familien in unserer Stadt aufmerksam. Ich habe veranlasst, dass ihr, liebe Kinder und Jugendliche, in euren Schuhen eine kleine Überraschung findet. Auch das ist nur ein kleines Zeichen, verbunden mit der Hoffnung, dass wir diese schlimme Zeit gemeinsam durchstehen und es möglichst bald wieder besser wird. Die Schuhe sind getrocknet und an die Seite des Rathauszugangs geräumt, weil die Tür ein Notausgang ist und als beschränkter Zugang für Formularausgaben genutzt wird, der freigehalten werden soll und muss. Und sagt euren Eltern bitte, dass sie die Schuhe vorm nächsten Regen oder Schnee abholen“, so Pötzsch.

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Süßigkeiten und Gesprächsangebote

An die Eltern appelliert er, „keine falschen Behauptungen oder politische Aktionen mit zivilgesellschaftlichen Engagement zu vermischen“. Und er bietet Eltern an, sich gemeinsam über die Thematik der Folgen von Schul-, Kita-Schließungen sowie Notbetreuung bis in die Familien hinein zu unterhalten. „Auch ich selbst habe ja zwei kleine Kinder und kann alles hautnah nachvollziehen“, sagt Pötzsch. Aber die Stadtverwaltung sei nicht befugt, Änderungen bei der Corona-Schutzverordnung und den Regelungen der Gesundheitsämter des Landkreises vorzunehmen. „Und die Infektionszahlen sowie die sehr ernsten Infektionsverläufe, auch bei uns in Weißwasser, zeigen, dass wir uns, unsere Lieben und die Gemeinschaft schützen müssen. Bei diesem Punkt gehe ich keine Kompromisse ein. Es geht eben auch um Leben und Tod“, erklärt Weißwassers Oberbürgermeister.

Aktion auch in Krauschwitz und Bad Muskau

Auch in Krauschwitz wurden am Sonntag viele Schuhe vorm Gemeindeamt abgestellt und Plakate an den Türen angebracht, mit denen Kinder und Eltern gegen die aus ihrer Sicht ungerechtfertigten und überzogenen Coronaschutzmaßnahmen protestieren. In Krauschwitz bittet Bürgermeister Tristan Mühl ebenfalls, dass sich Vertreter der Aktion bezüglich einer Kontaktaufnahme und Gesprächsrunde bei ihm melden. Zudem will er auf der Internetseite der Gemeinde und bei Facebook auf die Aktion reagieren. Was die Schuhe betrifft, so könnten sie bis Donnerstag gegen Voranmeldung in der Verwaltung abgeholt werden. „Wir planen ansonsten, mit ihnen die Schuhspendenaktion des Fördervereins der Kita Spatzennest zu unterstützen.“

Die Schuhaktion fand ebenfalls Unterstützer in Bad Muskau. „Ich habe selbst eine 12-jährige Tochter und weiß, wie belastend sich die Pandemie auf Kinder, Familien, Homeschooling auswirkt. Als Stadt tun wir, was möglich ist, haben aber keinen Einfluss auf Bundes- und Landesgesetze“, bekennt Bürgermeister Thomas Krahl. Wie er weiter sagt, plane man in Bad Muskau die Schuhe für gemeinnützige Zwecke zu spenden. „Wer sie zurückhaben möchte, sollte sich also schnell bei mir melden“, appelliert Krahl, der ebenfalls für Gespräche mit Initiatoren der Aktion offen ist.

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