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Sie bringen Heiligabend die SZ ins Haus

Taxi Mäder aus Weißwasser gibt es seit 30 Jahren. Corona hat das Unternehmen schwer getroffen. Eine Überraschung für die Mitarbeiter gibt es trotzdem.

Norbert Dlabola ist einer der Fahrer, die dafür sorgen, dass die Sächsische Zeitung pünktlich bei ihren Lesern ist. Auch Weihnachten.
Norbert Dlabola ist einer der Fahrer, die dafür sorgen, dass die Sächsische Zeitung pünktlich bei ihren Lesern ist. Auch Weihnachten. © Sabine Larbig

Für Norbert Dlabola ist es normal, mitten in der Nacht aufzustehen und um zwei Uhr morgens schon an der Arbeit zu sein. Selbst an Heiligabend. Schließlich muss die Sächsische Zeitung (SZ) bis sechs Uhr morgens in den Briefkästen stecken. Egal, wie das Wetter ist oder ob Feiertage sind. Damit das klappt, arbeitet Taxi-Fahrer Norbert Dlabola schon, während andere noch tief schlafen.

Bevor der Weißwasseraner gegen 3 Uhr seine rund 90 Kilometer lange Auslieferungstour für die Zustellung der SZ und der Post Modern-Briefe der Media Logistik GmbH – ein Unternehmen des Dresdner Druck- und Verlagshauses und einer Logistik-Firma – zwischen Weißwasser, Boxberg, Nochten, Sprey und Rietschen antritt und seine Ladung an die Zusteller in den einzelnen Orten verteilt, muss er alles akribisch sortieren und packen. Selbst ein paar Zusatzexemplare der SZ werden immer eingepackt. So, wie bei den Fahrern der weiteren drei Touren zu den insgesamt 65 Zustellern. „Es dürfen ja keine Zeitungen fehlen. Das wäre für alle ärgerlich. Und wenn doch mal eine Nachlieferung nötig ist, habe ich den Ersatz griffbereit an Bord.“ Nachts, selbst an Feiertagen, zu arbeiten ist für den Mitarbeiter von Taxi Mäder kein Problem. Dafür sei er ja zur besten Frühstückszeit wieder zu Hause, könne dann in aller Ruhe Kaffee trinken, ein frisches Brötchen vom Bäcker essen und die Zeitung lesen. „Das passt schon.“

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In den letzten Jahren hatte der 57-Jährige an Weihnachten nicht frei. „Da haben die Kollegen mit Kindern schichtfrei. Das ist okay. Außerdem ist Arbeit eben Arbeit, es muss gemacht werden, was zu tun ist. Egal zu welcher Zeit und an welchem Tag“, bekennt Norbert Dlabola. Auch dieses Weihnachtsfest hatte er sich auf den Frühdienst eingerichtet. Doch er hat frei.

Hoffest im Sommer 2021 geplant

Weil durch den erneuten Corona-Lockdown in diesem Jahr Weihnachtsfeiern in Hotels, große Familientreffen zum Fest, Partys wie Christmas-City in Weißwasser oder Culture Beat in Bad Muskau ausfallen und auch Pensionen und Gaststätten geschlossen bleiben, sind nur ein Teil der 100 Beschäftigten und 15 Autos im Einsatz. Noch steht Norbert Dlabola für den Spätdienst am 25. und 26. Dezember im Schichtplan. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass er fahren müsse, sei nicht sehr hoch, sagt er. „Ich gehe von einem ruhigen Weihnachtsfest zu Hause aus.“

Ein Geschenk hat er übrigens schon. Das von seiner Firma. Denn trotz Corona und den wirtschaftlichen Folgen für Taxi Mäder hielt Geschäftsführer René Zach auch dieses Jahr an der Tradition fest, alle Mitarbeiter mit einer Gabentüte mit Gutscheinen oder Erzeugnissen regionaler Unternehmen zu überraschen. Noch dazu, wo Taxi Mäder in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert. Eine Selbstverständlichkeit sind die Geschenke und ein im Sommer 2021 geplantes Hoffest für alle Mitarbeiter dennoch nicht. Denn die Firma, die auch für Krankenfahrten, als Ruftaxi und zur Personenbeförderung in Krankenhäuser zuständig ist, hat durch Corona mit erheblichem Auftragsrückgang zu kämpfen.

Geschäftsführer René Zach hat auch im Corona-Jahr 2020 seine Mitarbeiter mit Geschenken bedacht.
Geschäftsführer René Zach hat auch im Corona-Jahr 2020 seine Mitarbeiter mit Geschenken bedacht. © Sabine Larbig

„Das Jubiläumsjahr hatten wir uns anders vorgestellt und geplant, wurde aber so speziell, dass man es kaum in Worte fassen kann“, erzählt René Zach. Zwar sei das Geschäft zwischen den Lockdowns gut gelaufen. Doch auch da habe es Tage gegeben, an denen alles super lief oder alles wegbrach. „Eigentlich kann man keinen Tag mehr planen.“ Ein Zustand, der auch die Personalplanung alles andere als leicht macht. „Was machst Du, wenn nach drei Stunden die Arbeit erledigt ist?“, sagt Zach. Im Frühjahr sei Kurzarbeit nicht zu vermeiden gewesen. Nun soll es möglichst vermieden werden, in dem die Mitarbeiter Urlaub und Überstunden nehmen und bereit für geteilte Dienste sind. Momentan läuft das auch so, weshalb Norbert Dlabola auch mal nicht in den frühen Morgenstunden an Heiligabend umherfahren muss.

Für 2021, bekennt der Geschäftsführer, müsse man daher überlegen, wie es unter welchen Bedingungen weiter gehen kann und soll. Seit 20 Jahren ist René Zach selbst im Unternehmen, seit sechs Jahren der Chef. „Solche Tiefen wie dieses Jahr kenne ich jedoch nicht. Bislang gab es für das Unternehmen stets Weiterentwicklung. Nun aber macht sich jeder Mitarbeiter Gedanken über seine Zukunft, es schwingen Existenzängste mit. Denn selbst bei Kurzarbeitergeld reicht es in manchen Familien nicht mehr.“

Neuer Service im Angebot

Wie hart es letztlich noch werden kann, vermag der Geschäftsführer noch nicht zu sagen. „Wir sind schon ein Stück abhängig von Aufträgen wie Krankenfahrten zu Operationen, die aktuell meist abgesagt sind. Doch anders als Gaststätten und Einzelhandel, die den Verlust nicht nachholen können, wo der Umsatz einfach weg ist, können wir mit der Nachholung der Aufträge rechnen.“ Außerdem bietet Taxi Mäder nun auch Service- und Einkaufsfahrten an. Ein Angebot insbesondere für Alleinstehende, Leute ohne Auto oder ältere Menschen ohne Familie in der Nähe. „Die Bestellungen werden telefonisch aufgegeben und ein Fahrer bringt die Ware nach Hause zu den Leuten“, umschreibt Zach das System. Berechnet werde nur die reine Fahrt, nicht die Standzeit während des Einkaufs. „So wollen wir dazu beitragen, die älteren Menschen vor Ansteckung zu schützen.“

Überhaupt sei der Schutz im Taxi groß. Neben Maskenpflicht für Fahrer und Insassen werden meist Großraumtaxen eingesetzt, um den Abstand zu wahren.Nur den Abstand zu Vereinen und öffentlichen Einrichtungen in Weißwasser wahrt das Unternehmen nicht. Im Jubiläumsjahr wurden, trotz und wegen Corona, 3.000 Euro Spenden verteilt. Unter anderem an den Tierpark.

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