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Sind Vandalismus und Diebstahl schon Volkssport?

Mutwillige Sachbeschädigungen nehmen zu. Eine Herausforderung für Kommunen, Einrichtungen und Polizei.

Die Pflanzvasen an der Bad Muskauer Exedra-Bank fielen auch Vandalismus zum Opfer.
Die Pflanzvasen an der Bad Muskauer Exedra-Bank fielen auch Vandalismus zum Opfer. © Sabine Larbig

Fast täglich werden Bushäuschen beschmiert, Sitzbänke und Spielgeräte zerstört, touristische Tafeln demoliert, Fassaden beschmiert, öffentliche Bücherzellen vermüllt, Papierkörbe abgerissen. Selbst Bohlen am Sportbootanleger am Bärwalder See wurden gestohlen. Und es gibt weitere Fälle von Diebstahl und Vandalismus an öffentlichem und aus Steuer- oder Spendengeldern finanziertem Eigentum.

So wurden jüngst drei Bänke entlang von Themenradwegen im Geopark Muskauer Faltenbogen geklaut. „Bänke und Tische heißen Urlauber, Einheimische und Gäste willkommen, stehen für Gastfreundschaft und Tourismusqualität. Wir würden es begrüßen, wenn die Möbel umgehend ihren Weg zurückfänden“, appelliert Nancy Sauer von der Geopark-Geschäftsstelle. „Aufladen und abtransportieren braucht Zeit und Kraft. Wir bitten alle Einheimischen, künftig die Augen offen zu halten.“

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Randaliert und zerstört wurde auch im Badepark Bad Muskau. Erst waren Mitte April sieben historische Amphoren dran, später die Pflanzvasen der Exedra-Bank. Die 2018 nach historischem Vorbild aufgestellte Bank samt Vasen wurde mit staatlichen Geldern finanziert. Rund 90.000 Euro kostete alles, wobei der Förderverein „Fürst-Pückler-Park“ Geld sammelte und 35.000 Euro mit Spenden abdeckte.Laut Sophie Geisler, Sprecherin der Fürst-Pückler-Stiftung, sei man „geschockt, enttäuscht und entsetzt“ von den Taten. Dennoch plane die Stiftung, die Keramikvasen der Exedra-Bank wieder anfertigen zu lassen. Kosten: rund 5.000 Euro. Bis dahin ersetzen sie Vasen aus Kunststoff.

Während beim Geopark noch unklar ist, wer die Bänke klaute, wurden im Fall von Bad Muskau schon Tatverdächtige ermittelt. „Durch die Ermittlungen rund um den Volkshaus-Brand in Weißwasser konnten weitere Straftaten aufgeklärt werden, unter anderem mehrere Sachbeschädigungen und Vandalismus im Pückler-Park“, so der Sprecher der Polizeidirektion Görlitz, Kai Siebenäuger, gegenüber TAGEBLATT. Bei den Tatverdächtigen handele es sich um mehrere Personen zwischen 11 und 15 Jahren, die aber nicht die Tatverdächtigen der Brandstiftung in Weißwasser seien.

Sachbeschädigungen steigen an

Laut Siebenäuger weise die polizeiliche Kriminalstatistik hinsichtlich aller gemeinschädlichen Sachbeschädigungen gemäß § 304 Strafgesetzbuch im Jahr 2020 für das Gebiet der Polizeidirektion Görlitz 173 Fälle von Sachbeschädigungen aus. Darunter 35 durch Graffiti, vier durch Feuer und 134 sonstige Sachbeschädigungen. Die Zahlen und Beispiele belegen, dass derartige Vorkommnisse keine Eintagsfliegen oder Kavaliersdelikte sind. Öffentliche Orte, so der Polizeisprecher, würden daher regelmäßig bestreift. Ergänzend würden die Polizeireviere anhand ihrer Kriminalitätsschwerpunkte mit gezielten Streifen reagieren.Bei der Pückler-Stiftung setzt man indes im Park auf einen privaten Sicherheitsdienst, um Vandalismus vorzubeugen. Dagegen strebt die Stadt Bad Muskau Videoüberwachung an. „Wir sind Weltkulturerbe, Touristen-, Kur- und Grenzstadt und müssen etwas tun. Auch, damit sich Kriminalität nicht über uns verlagert“, argumentiert Bürgermeister Thomas Krahl.

Noch ist es ein Wunsch. Doch schon jetzt werden im Kreis Görlitz Videoüberwachungskameras von der Polizeidirektion Görlitz zu präventiven Zwecken betrieben. Vorerst drei in der Görlitzer Altstadt. Doch das Projekt macht Schule. Als Nächstes soll Zittau wegen der extrem gestiegenen Diebstahlquoten bei Eigentum und Fahrzeugen Kameras bekommen. Denn Banden aus dem Norden Polens fallen ein, ziehen sich schnell wieder ins Landesinnere zurück, agieren von der Oberlausitz bis zum Westen der Republik. Und Ministerpräsident Micheal Kretschmer kündigte Mitte April bereits an, weiter in die innere Sicherheit in Sachsen investieren zu wollen, personell und mit Technik. Dies solle auch Grenzregionen zugutekommen und mehr Personal und (Überwachungs-)Technik umfassen.

Kameras und Streifen im Einsatz

Im fürstlichen Park von Bad Muskau wird es Videoüberwachung aber nicht geben. „Das ist weder geplant noch gewollt“, so Sophie Geisler von der Stiftung.

Anders sieht es in Krauschwitz aus. Hier hat der Förderverein „Krauschwitzer Neißeland“ als Pächter des öffentlichen Spielplatzes Abenteuer Gletscherwelt eine Videoüberwachung installiert. Aus Sicherheitsgründen, um Diebstahl, Vandalismus, Zerstörung entgegenzuwirken. Denn in der Gemeinde und auf dem Platz kam es öfter zu all dem. Außerdem wird der Stadionbeauftragte, Ferenc Toth, nicht für voll genommen, wenn er über Spielgeräte, Hügel und Treppenanlagen rasende Mountainbiker oder feiernde Jugendliche ertappt und darauf verweist, dass dies laut Stadionordnung ebenso untersagt ist wie Wegwerfen von Müll im Gelände oder Werfen leerer Flaschen gegen Gerätschaften. Erst recht, wenn Kinder in der Nähe spielen. „Ich werde als Flaschensammler angepöbelt, beleidigt, bekomme Mittelfinger und Baseballschläger gezeigt. All das beweisen auch Videoaufnahmen. Und ich habe schon die Polizei geholt“, informierte Toth jüngst im Gemeinderat. Dort forderte er zur Abschreckung den Aushang von Täterbildern im Verbindung mit Stadionverboten.

Letztere, erklärte Bürgermeister Tristan Mühl, seien rechtlich möglich. Fotos nicht. Beleidigungen seien bei der Polizei anzuzeigen.„Ich rufe alle Bürger auf, ein wachsames Auge auf Stadion und Gemeindegebiet zu haben“, so Ratsmann Daniel Mosmann. Mario Mackowiak bekannte, dass man bisher Vorkommnisse „nicht ernst genug genommen“ habe. Bürgermeister Mühl will nun mit Ordnungsamt, Bürgerpolizist und betreffenden Jugendlichen reden und Lösungen suchen. Denn Vandalismus und Diebstahl drohen in Krauschwitz und anderswo ohne Freizeitangebote, Aufgaben, drastische Maßnahmen zum Volkssport dies- und jenseits der Neiße zu werden.

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