merken
PLUS Weißwasser

So schneidet der Profi die Gehölze

Jens Hofmann aus Bad Muskau gibt sein Wissen an Interessierte und Ratsuchende weiter – auf Anfrage und kostenlos.

Jens Hofmann ist gelernter Baumschulgärtner und Gartenbauingenieur, leitete bis 2014 den Ostdeutschen Rosengarten Forst und bietet nun Gehölzschnitte nach den Gesetzen der Natur in Theorie und Praxis an. Das Angebot ist kostenlos, erfolgt wegen der Pand
Jens Hofmann ist gelernter Baumschulgärtner und Gartenbauingenieur, leitete bis 2014 den Ostdeutschen Rosengarten Forst und bietet nun Gehölzschnitte nach den Gesetzen der Natur in Theorie und Praxis an. Das Angebot ist kostenlos, erfolgt wegen der Pand © Sabine Larbig

Wenn er unterwegs ist und dabei Menschen sieht, die in Gärten oder auf Wiesen ihre Bäume beschneiden, schaut er ganz genau hin. Nicht selten geht Jens Hofmann sogar gezielt auf Leute zu. So wie neulich, als ein Paar in Krauschwitz alten Obstbäumen auf seinem neu erworbenen Grundstück an die Äste wollte. „Macht das besser nicht, was ihr da vorhabt“, rief ihnen Jens Hofmann schon auf dem Weg ins Grundstück zu.

Dort angekommen, erklärte und zeigte er dem Paar, wie sie ihre Bäume in Form bekommen.„Leider wird aus Unkenntnis viel falsch gemacht, und dann wundern sich die Leute, wenn sie keine Früchte mehr haben, weil sie das Fruchtholz weggeschnitten haben. Das ist übrigens der größte Fehler, den man machen kann, und leider kommt er oft vor“, begründet Jens Hofmann seine Aktionen wie die beschriebene. Allerdings mischt er sich nicht ein, um sich zu profilieren. Vielmehr schmerzt ihn, zu sehen, dass Bäumen und anderen Gehölzen durch falsches Hand-Anlegen geschadet statt geholfen wird. „Man muss schon wissen, was man macht und warum und welchen Baum man vor sich hat. Danach richtet sich der Gehölzschnitt“, erklärt Hofmann.

Anzeige
Organisationstalent? Dann gleich bewerben
Organisationstalent? Dann gleich bewerben

Zur Verstärkung ihres Teams sucht die A4RES Gruppe Bautzen eine neue Teamassistenz im Backoffice (m/w/d).

Der Tipp für Obstbäume ist ganz einfach

Was das Wissen um Gehölzschnitte nach den Gesetzen der Natur in Theorie und Praxis angeht, so ist er Experte. Immerhin lernte der 59-Jährige einst den Beruf des Baumschulgärtners, gefolgt vom Gartenbauingenieur-Studium in Erfurt, Fachrichtung Obstbau/Baumschulen, bevor er von 1991 bis 2014 als Leiter des Ostdeutschen Rosengartens in Forst arbeitete. Den Job musste er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Die Liebe zur Gartenarbeit im engen und weiten Sinn blieb. So, wie das Wissen rund um Gehölze jeder Art. Und so entschloss sich der Bad Muskauer, seine Erfahrungen an andere weiterzugeben. Kostenlos, aber nur auf Anfrage.

Oder wenn es ihn mal wieder packt, weil er beobachtet, wie Gartenbesitzer gerade im Begriff sind, Fehler zu machen. Etwa wenn sie Birnen keine pyramidale Kronenform geben oder bei Äpfeln die seitlichen Äste abschneiden. „Man muss sich einfach nur die Form der Früchte vorstellen, schon ist das Kronenbild klar“, so sein einfacher Tipp. „Ganz wichtig sind zudem saubere Schnitte, für man scharfe Scheren benötigt, verstellbare Astsägen, eine Leiter ... Eben ordentliches Werkzeug.“ Nach dem Schnitt rät Jens Hofmann zum Auftragen eines Baumbalsams zur Förderung der Wundheilung. „Den gibt es in jedem Baumarkt.“

Tipps von ihm rund ums Grün sind gefragt. So berät er die Stadt Bad Muskau als berufener Bürger im Technischen Ausschuss, außerdem Gartensparten und Privatleute. Im Frühjahr kommen besonders oft Anfragen. Wie die einer jungen Familie aus Weißkeißel, die den vom Opa gepflanzten Obstbaum im Garten als zu groß empfand und um Hilfe bat. „Solche Anrufe mehren sich, da sich die meisten Menschen scheuen; große, alte Bäume zu beschneiden, ihnen Erhaltungs- und Verjüngungsschnitte zu verpassen. Oft wird lieber gleich der ganze Baum abgesägt.“ Für den Gartenbauingenieur, dessen persönliche Favoriten alte Sorten wie „Kaiser Wilhelm“ (Apfel) oder „Klapp’s Liebling“ (Birne) sind, ist genau das eine Horrorvorstellung.

Einsatz für alte Obstsorten

„So verschwinden leider unwiederbringlich immer mehr alte Obstsorten aus unseren Gärten.“ Bei Anrufen wie aus Weißkeißel kommt Jens Hofmann deshalb meist sofort zu den Hilfesuchenden, um zu zeigen, wie der Baumschnitt richtig gemacht wird. „Das Tolle dabei ist, dass – sobald es um alte und große Obstbäume geht – gleich Nachbarn neugierig beim Schneiden zuschauen und dabei alle miteinander ins Reden kommen. Das reicht von mit Bäumen verbundenen Erinnerungen aus der Kinderzeit über Tipps zur Haltbarmachung der Früchte bis hin zum Bier über’n Gartenzaun. Baumpflege bringt also selbst Nachbarn zusammen.

Wer sich nun fragt, ob und wann er schneiden kann, dem sei gesagt: Noch ist Zeit, um Schere & Co. bei Obstbäumen anzulegen! „Bis zur Blütezeit ist die Wundverheilung am besten“, sagt der Experte und fügt hinzu: „Für die Sauerkirsche ist übrigens jetzt der ideale Zeitpunkt für einen Gesundungsschnitt.“ Praktisch bedeute es, schon vorhandene Krankheiten durch gezielte Astschnitte zu entnehmen.

Experte kommt in die Gärten

„Bei Pflaumen sollte man vorsichtig herangehen und nur Totholz oder Astbruch entnehmen, weil sie sonst explosiv wachsen.“ Gemäß der Eselsbrücke „Ast mit Frucht abschneiden und unten pflücken“, so Hofmann, würden Süßkirschen zur Ernte geschnitten. Pfirsichen hingegen dürfte erst nach der Blüte und dem Fruchtansatz ein Schnitt verpasst werden. Und, so der Rat von Jens Hofmann, selbst im Sommer müssten Schere und Säge zum Einsatz kommen: beim Freischneiden, damit Obst besser belichtet wird und reifen kann.

Normalerweise gibt der Obstbau-Experte solches Wissen gerne in saisonalen Seminaren und Lehrgängen weiter. Doch Corona bremste dies aus. Weil sich aber viele Menschen nicht sicher sind, wie sie mit ihren Bäumen oder Rosen umgehen sollen, ist der Rat eines Fachmannes auch in Pandemiezeiten gefragt. Jens Hofmann kommt deshalb nun direkt in die Gärten der Ratsuchenden. Natürlich unter Beachtung der Corona-Regelungen. Wer aber glaubt, dass Hofmann im Garten alles auf Vordermann bringt, irrt. „Ich kein Dienstleister. Ich zeige und erkläre, ohne etwas dafür zu verlangen, weil ich Wissen weitergeben möchte. Hand anlegen, um aus dem eigenen Tun zu lernen, müssen die Gartenbesitzer selbst.“ Was Rosenfreunde betrifft, so gibt der Experte ihnen den Rat, jetzt ebenfalls mit dem Schneiden zu beginnen.

Kontakt: Telefon 0163 9837915 oder Email: [email protected]

Mehr zum Thema Weißwasser