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„Spinde“-Haus schwindet aus Stadtbild

Einst gab es große Pläne für das Gebäude in der Berliner Straße in Bad Muskau. Die klappten nicht, weshalb es zur Ruine und einem Schandfleck wurde.

Von Sabine Larbig
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Das Haus in der Berliner Straße 35 in Bad Muskau ist ein Hingucker. Nicht nur wegen seiner „Fensterkunst“, sondern weil es eine Ruine mitten im Stadtkern ist.
Das Haus in der Berliner Straße 35 in Bad Muskau ist ein Hingucker. Nicht nur wegen seiner „Fensterkunst“, sondern weil es eine Ruine mitten im Stadtkern ist. © Sabine Larbig

Fenster sind die Augen eines Gebäudes, geben ihm Charakter. Die Fenster in der Berliner Straße 35, zumindest im Untergeschoss, verleihen dem Haus durch künstlerische Gestaltung etwas Freundliches. Obgleich die Fenster längst nicht mehr aus Glas, sondern als Schutz vor Vandalismus, aus Holz sind und das Haus selbst marode und nicht mehr zu retten ist.

Geplante Sanierung scheiterte

Das Objekt, in dem einmal ein Bäcker mit Geschäft war und zuletzt ein Ofenbaumeister aus Kreba-Neudorf eine Zweigniederlassung hatte, steht seit Mitte der 1990er-Jahre leer. Im einstigen Garten steht inzwischen ein Miniwald. Der Erker an der Rückfront ist windschief und fast eingefallen. Die Dachfläche ist undicht, löchrig, verliert immer wieder Ziegel. Im Inneren sind Moder, Nässe, Schimmel eingezogen.

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Dabei war für das Haus gegenüber von Maßmannplatz und Alter Brauerei mal eine Sanierung von einem in den 2000er-Jahren in Bad Muskau aktivem Investor geplant. Der wollte Brauerei und Niederländischen Hof zum 5-Sterne-Gesundheitsressort samt Sole-Anwendungen umfunktionieren und in der Berliner Straße 35 die Verwaltung ansiedeln. Aus den Millionen schweren Plänen, die auch Stadtverwaltung und Räte von Bad Muskau über Jahre beschäftigten, wurde nichts. Der Investor hatte zwar die Grundstücke erworben. Zum Investieren aber fehlte ihm das Geld, und andere Geldgeber fanden sich ebenfalls nicht. Letztlich endete das Projekt in der Insolvenz. Was blieb, waren Brachen.

Während das Brauerei-Gelände vom Land Sachsen gekauft wurde und inzwischen durch die Pückler-Stiftung mit Freistaat-Geldern saniert wird, um Areal und Gebäude neu zu nutzen und zu beleben, blieb das „Spinde“-Haus weiter dem Verfall überlassen, herrschte Stille ums Objekt. Zumindest, wenn nicht gerade wieder Beschwerden von Bürgern oder Touristen wegen herabgefallener Ziegel oder unbefugten Betretens bei der Stadtverwaltung landeten. Denn – auch das war eine Begleiterscheinung der Insolvenz des einstigen Investors – um die Verkehrssicherungspflicht kümmerte sich niemand wirklich. Es wurde lediglich versucht, das Objekt zu verkaufen. Bis 2018 blieben die Bemühungen erfolglos. Erst, als in der Stadtverwaltung Bad Muskau ein Notar anfragte, ob seitens der Kommune ein Vorkaufsrecht in Anspruch genommen werde, wurde bekannt, dass es Kaufinteressenten gibt.

„Der Stadtrat beschloss daher, die Karte der Option des Vorkaufsrechtes zu ziehen“, erläutert Hauptamtsleiter Dirk Eidtner. Hintergrund des Beschlusses sei gewesen, dass man im Zusammenhang mit der Brauerei-Sanierung das Grundstück als wichtigen Bestandteil für die künftige touristische und kurörtliche Entwicklung in und um die Brauerei und für Bad Muskau sah. „So jedenfalls war der Gedankenansatz. Da der Preis bekannt und erschwinglich war, wurde der Ratsbeschluss schnell gefasst“, unterstreicht Eidtner.

Grundschüler gestalteten Brache

Passiert ist seither dennoch wenig. Um zumindest bei den Fenstern die Gefahr von Verletzungen, Einbrüchen, Vandalismus zu verhindern, wurden sie mit Holzplatten verschlossen. Ein unschöner Anblick, weshalb die Idee der Gestaltung aufkam. „Mit der wandte ich mich an die Schulleiterin der Grundschule, die sofort zusagte“, erinnert sich Bürgermeister Thomas Krahl. Im Rahmen eines Kunstprojektes der Schule sei so „aus der Bruchbude im Stadtzentrum“ letztlich „ein gewisser Hingucker“ geworden. Mehr habe man nicht machen können, so Krahl.

Dies bestätigt auch Dirk Eidtner. Mit Beschlüssen und Umsetzungen dauere es aufgrund von Vorgaben und Bürokratie schon mal länger, bis ein rechtssicheres Konstrukt stehe, begründet er. Besonders, wenn es, wie bei der Immobilie Berliner Straße, mehrere Beteiligte gibt. „Erschwerend kam hinzu, dass in diese Zeit der Klärung auch die Corona-Pandemie fiel, wodurch sich Prozesse weiter verzögerten.“

Kürzlich, fünf Jahre nach dem Ratsbeschluss zum Vorkaufsrecht, wurde die Stadt Bad Muskau offizieller Besitzer der Immobilie „Spinde“-Haus. Als solcher kümmerte sie sich zuerst um die Verkehrssicherung des Objekts, weshalb nun Bauzäune als Gehweg-Absperrung sowie Hinweisschilder stehen. Auch ein Fördermittelantrag beim Programm zum Rückbau nicht mehr genutzter Wohngebäude ist bereits gestellt worden. Ziel sei es, so der städtische Hauptamtsleiter, möglichst im Winter 2022/23 das Gebäude abzureißen und die Fläche zu planieren. Mit 50 Euro pro Quadratmeter Fördergeld sei das Vorhaben, sollte es genehmigt werden, finanziell aber „sehr sportlich“ unter den gegebenen Preisentwicklungen.

Abriss und Suche nach Nutzungsidee

Was perspektivisch mit der Grundstücksfläche wird, dazu kann und will die Stadtverwaltung noch keine Aussagen machen. Dies hänge, laut Eidtner, letztlich vom Förderprogramm mit ab. Es könne nämlich sein, dass durch sogenannte Fördermittelbindung eine Zeitspanne festgelegt werde, „in der alles nur grüne Wiese“ sein dürfe. Das wäre aber nicht, was Stadt, Stiftung und Freistaat – der schon Flächen im Umfeld erwarb und bepflanzte – wollen. Unter dem Titel „Köbelner Tor“ soll nämlich die generelle Eingangssituation zur Innenstadt städtebaulich, gestalterisch und architektonisch verbessert werden. Gestaltete Freiflächen gehören dabei ebenso zum Konzept wie Brauereisanierung, die bereits erfolgte Maßmann-Platz-Gestaltung und die Einbeziehung des Geländes der Berliner Straße 35 ins Konzept. Laut Eidtner sei die Stadt daher schon mit der Stiftung im Gespräch zwecks „langfristig sinnvoller und machbarer Lösungen“, was jedoch nicht ausschließe, dass das beräumte Gelände während der Arbeiten an Brauerei und Niederländischer Hof möglicherweise kurzzeitig als Lagerplatz dienen könnte.

Fakt ist, dass die Berliner Straße 35 das letzte Ruinengrundstück im Stadtkern ist. „Daher ist alles besser als ein Gebäudezusammenbruch mit Schäden im Umfeld, bei Anwohnern, Einwohnern oder Gästen der Stadt“, meint Bürgermeister Krahl.

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