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Katharina Schwabe hofft auf ihr Comeback

So ist es dem Volleyballstar aus Krauschwitz nach dem Wechsel von Dresden nach Nantes ergangenen.

Dass Katharina Schwabe (3. v. l.) auch in Nantes für den Teamgeist steht, zeigt dieses Foto gut.
Dass Katharina Schwabe (3. v. l.) auch in Nantes für den Teamgeist steht, zeigt dieses Foto gut. © Mikael Ropars

Katharina Schwabe hätte allen Grund, Trübsal zu blasen: Als Volleyballprofi war sie vor anderthalb Jahren vom Dresdner SC nach Frankreich gewechselt, zum FC Nantes, fast an die Atlantikküste, 1.500 Kilometer von ihrem Heimatort Krauschwitz entfernt. Volleyballspielen geht nach einer schweren Verletzung vor fünf Monaten immer noch nicht, und Corona ist ja auch noch. Aber „Schwabi“, wie die 27-Jährige gleich angesprochen will, strahlt trotz allem Optimismus und Lebensfreude aus. „Bereut habe ich diesen Wechsel auf keinen Fall“, sagt sie.

Dabei war sie damals, im Juli 2019, ein hohes Risiko gegangen. Die Außenangreiferin, die die ersten Volleyballschritte bei der TSG KW Boxberg/Weißwasser machte und dann den Weg an die Dresdner Sportschule fand, hatte acht überaus erfolgreiche Jahre beim Dresdner SC hinter sich, war mit dem Team dreimal deutsche Meisterin und zweimal Pokalsiegerin geworden, war als emotionale Führungsspielerin auch eine der Publikumslieblinge. Das alles gab sie auf, für eine im ersten Moment ungewisse Zukunft.

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Abschied aus Dresden war großes Risiko

„Ich habe mich damals gefragt, ob ich mit dem, was ich mache, wirklich noch glücklich bin. Als meine innere Antwort nicht sofort ,Ja!‘ war, wusste ich, dass ein weiter so in Dresden nicht das Richtige wäre“, erzählt sie rückblickend. Etwas anderes erleben, ein neuer Trainer, ein neues Umfeld, neuer Input und auch die Frage, ob athletisch noch mehr geht, das alles lockte – und wann, wenn nicht jetzt, dachte Katharina Schwabe damals. Sie bat um Vertragsauflösung, ohne zu wissen, wo es für sie mit Profivolleyball weitergehen könnte, und überrumpelte damit auch ihre Eltern und Großeltern, die schließlich ganz schnell eine komplette Wohnungseinrichtung unterbringen mussten und nun nicht mehr mit ihr in Dresden mitfiebern konnten. „Mein Agent hat mir dann ein tolles Angebot aus Nantes besorgt. Ich hatte da auch etwas Glück, weil sich die eigentlich geplante Verpflichtung verletzt hatte. Also bin ich dann mit zwei Taschen Gepäck in den Flieger gestiegen“, erinnert sie sich.

Angst, so allein weit entfernt der Heimat keinen Anschluss zu finden oder wenig zu verstehen (Katharina Schwabe spricht kein Französisch) hatte sie nicht: „Ich war eine von sieben Ausländerinnen, die der Club alle in einem Appartment-Hotel unterbringt. Wir sind uns schnell nahegekommen. Die Stadt ist schön, der Atlantik nur 30 Minuten entfernt. Und im Volleyball ist weltweit Englisch die dominierende Sprache, beim Training, bei Spielen oder auch bei der Videoauswertung. Das war auch schon in Dresden so, und ist für mich auch in Nantes kein Problem“.

Schnell den Stammplatz erobert

Natürlich gibt es Konkurrenzkampf. Nantes hatte damals zwei einheimische Spielerinnen und neben Katharina Schwabe eine Amerikanerin für die zwei Außenangreifer-Positionen in der Stammsechs. Die Krauschwitzerin bekam in den ersten Pflichtspielen gleich ihre Chance und gab den Platz nicht mehr her. „Ich habe dann die Saison meines Lebens gespielt, der Trainer setzte voll auf mich und forderte auch, dass ich die anderen emotional puschen soll, wie in Dresden“, blickt sie zurück. Die bis zu 4.000 Zuschauer bei Topspielen schlossen sie schnell ins Herz, die Gesänge zur Unterstützung der Mannschaft, die gemalten Kinderbilder von den kleinsten Fans, das alles ruft noch heute Gänsehaut hervor. Nantes stand auf dem zweiten Tabellenplatz der französischen Top-Liga, einen Punkt hinter dem Spitzenreiter, und war in der Champions League unter den Top 8, als Corona kam.

Dem Titel nahe – vor der Corona-Absage

„Am Anfang hieß es, es gibt eine kleine Unterbrechung. Darüber haben wir uns noch nicht so viele Gedanken gemacht. Aber dann wurde die Liga auf Eis gelegt, es gab kein Training mehr. Die Franzosen und auch wir durften uns nur noch in einem Ein-Kilometer-Radius um die Wohnung bewegen. Am Supermarkt stand Security, die aufpasste, dass nicht zu viele rein gingen. Da haben sich draußen Schlangen gebildet“, erzählt Katharina Schwabe. Die Volleyballsaison wurde in Frankreich als letztes abgesagt, nach Fußball, Handball und Eishockey. „Schade, es wäre spannend zu sehen gewesen, was wir hätten erreichen können, sagt Katharina Schwabe, die dem Verein dankbar ist, dass es keine finanziellen Einbußen für sie gab. Als sie aus Nantes abreiste, hatte sie noch keinen Vertrag für die neue Saison. Der Markt gab wenig her, am Ende stand die Entscheidung, ein weiteres Jahr in Nantes zu spielen.

Das war vor ihrer schweren Verletzung: Katharina Schwabe voll konzentriert bei der Ballannahme. Jetzt hofft die Krauschwitzerin, bald wieder in Pflichtspielen auf dem Feld stehen zu können.
Das war vor ihrer schweren Verletzung: Katharina Schwabe voll konzentriert bei der Ballannahme. Jetzt hofft die Krauschwitzerin, bald wieder in Pflichtspielen auf dem Feld stehen zu können. © Mikael Ropars

Der Schock folgte im ersten Spiel Anfang September. „Bei einem Schritt rückwärts dachte ich, ich sei auf Mikael Roparsetwas aufgelaufen, aber da war nichts. Ich lag geschockt am Boden und hatte gleich den Verdacht, dass das jetzt die Achillessehne ist“, erzählt Katharina Schwabe. Der Verein kümmerte sich rührend um sie, eine Operation bei einem Spezialisten („In Jeans, Nikes und Polohemd – da hatte ich gleich Vertrauen!“) folgte. Seitdem ist Reha, erst mit „Astronautenschuh, nach und nach mit immer mehr Physiotherapie und Übungen. Katharina Schwabe hatte ja schon die Verletzungserfahrung eines Kreuzbandrisses, freute sich über jeden kleinen Fortschritt und kämpfte sich nach und nach wieder heran. Was anfangs weit weg war, ein Comeback noch in dieser Saison, scheint jetzt wieder machbar. „Ich darf jetzt schon wieder am Mannschaftstraining teilnehmen, muss aber noch vorsichtig sein“, sagt sie.

Rückkehr zum DSC steht nicht auf dem Plan

So lassen sich die französischen Corona-Einschränkungen auch leichter ertragen. Nur vor Weihnachten war mal zwei Wochen alles zu. „Da hatte ich schon Bedenken, dass es mit den Weihnachtsgeschenken eng wird. Aber dann waren die Geschäfte wieder rechtzeitig auf. Und jetzt ist fast alles wieder geöffnet, aber nur bis 18 Uhr, dann müssen alle zu Hause bleiben, wenn es keinen triftigen Grund gibt.“ Ein Gutes hatte Corona: Die technische Ausstattung auch bei den Großeltern hat sich verbessert. Videotelefonate sind möglich. Die Familie verfolgt die Spiele des Clubs per Livestream.

Dass aber Katharina Schwabe schnell zurückkommt, außer zu Besuchen, ist im Moment zumindest nicht der Plan, auch wenn noch nicht sicher ist, wie es nach dieser Saison weitergeht: „Es gibt eine Chance, dass ich ein weiteres Jahr hier bleibe. Zwar ist meine Verhandlungsposition nach dieser Verletzung sicher nicht optimal, aber ich weiß ja, was ich kann. Und der Verein hat sich ja sicher auch nicht umsonst so um mich bemüht. Aber auch alles andere ist möglich. Ich will noch ein paar Jahre Profi-Volleyball spielen“, sagt Katharina Schwabe. Nur den Dresden-Fans macht sie aktuell wenig Hoffnung.

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