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Weißwasser

Überragendes Auswärtsspiel der Füchse

Weißwasser stellt die Reihen komplett um – und gewinnt beim Tabellenzweiten durch ein Unterzahltor.

Der Tölzer Max French zieht ab, aber Mac Carruth im Füchsetor packt hier sicher zu.
Der Tölzer Max French zieht ab, aber Mac Carruth im Füchsetor packt hier sicher zu. © Titus Fischer

Bad Tölz/Weißwasser. Dass die Lausitzer Füchse bei den Tölzer Löwen etwas holen würden, haben vor dem Spiel wohl die Wenigsten geglaubt. Zu klar war der Abstand in der Tabelle – und zu ernüchternd zuletzt die Auftritte der Lausitzer. Zumal lag die letzte und klare Niederlage in Kaufbeuren nur 24 Stunden zurück, und entsprechend müde würden sie sein – doch mitnichten. Am Ende drehte Weißwasser eine sehr sehenswerte Partie durch ein Tor in Unterzahl mit 4:5. Diese Schwäche blieb den Füchsen bei aller Freude: Unnötige Strafzeiten.

Auch in Bad Tölz fehlten den Füchsen zahlreiche Berliner Förderlizenzspieler, trotzdem war der Kader gegenüber dem der Gastgeber um vier Spieler größer. Klarer Favorit waren dennoch die Löwen, die neun Punkten aus den letzten drei Spielen geholt hatten, zuletzt am Dienstag 1:0 in Dresden gewannen.

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Füchse-Coach Chris Straube hatte nach der enttäuschenden Niederlage am Donnerstag die Reihen kräftig durcheinandergewirbelt. So probierte er es mit den jungen Nino Kinder und Ludwig Nirschl an der Seite von Kale Kerbashian, der am Vortag in Kaufbeuren in der vermeintlichen Paradereihe eine schwache Leistung gezeigt hatte.
Zeit, sich auf dem Tölzer Eis einzuspielen, hatten die Weißwasseraner nicht. Sie waren in Kaufbeuren im Hotel geblieben und erst am Freitagnachmittag in Bad Tölz eingetroffen. Immerhin den Stadionnamen Wee-Arena kannten sie bestens von zu Hause.
Und auch der Start in das Spiel kam ihnen wohl leider vertraut vor – wieder gab es einen unnötigen schnellen Rückstand. Dass die ersten Minuten wichtig sein würden, um stabil ins Spiel zu kommen, hatte Straube seinen Jungs vorher noch mit auf den Weg gegeben. Ob es die entsprechend hohe Motivation war, die Brad Ross zu seinem Foul nach 26 Sekunden veranlasste? Klug war es jedenfalls nicht.

Bad Tölz fand in Überzahl mit einer schönen Stafette den schnellen Weg ins Tor, am Ende stand Reid Gardiner blank und vollendete eiskalt zum 1:0. Aber die Füchse waren nicht schockiert, sondern nahmen den Kampf gut an. Die Chance zum Ausgleich bot sich gleich mehrfach, doch im gegnerischen Tor stand mit Ex-Fuchs Maximilian Franzreb auch ein richtig Guter. Bennet Roßmy bereitete mit starkem Antritt dann eine Doppelchance für Tomas Andres vor, aber auch das klappte noch nicht. Es war schließlich der am Vortag gescholtene Kerbashian, der goldrichtig stand – aber auch völlig alleingelassen war – und zum 1:1 aus nächster Nähe einschoss.

Überhaupt hatten die Abwehrreihen am Freitagabend ihre Mühe mit den schnellen Stürmern der gegnerischen Seite. Der Mann, der das auf Seiten der Löwen planmäßig bestrafte, war Gardiner. In der 18. Minute wurde er wieder freigespielt, wieder netzte er eiskalt ein.

Keine Spur von Müdigkeit

Und Gardiner machte so weiter. Mit seinem dritten Schuss erzielte er nach 22 Minuten das dritte Tor – er nahm genau Maß und traf den linken Innenpfosten. Jedoch blieben die Füchse im Spiel. Es sah zu keinem Zeitpunkt aus wie eine Partie Zweiter gegen Vorletzter.
Dazu gehört auch, dass Bad Tölz nicht wie ein Tabellenzweiter verteidigte. Das Zuspiel von Andrew Clark auf Jonathon Martin war gut, aber Weißwassers kanadischer Sturmtank stand erneut völlig frei dicht am Tor. Sein Flachschuss brachte das 2:3. Eine unnötige Strafe, Andres hatte sich wohl provozieren lassen, führte zum 4:2. In Überzahl zog French schnell ins Füchsedrittel und traf aus spitzem Winkel. Weißwasser fand an dem Abend die passenden Antworten. Richtig gut sah der Spielzug aus, der das 4:3 brachte. Brad Ross verzögerte und fand dann Stephane Döring vorm Tor, der perfekt unter die Latte abfälschte.

Dass die letzte Partie für die Füchse erst 24 Stunden her war, war nicht zu sehen. Zunehmend war es ein Spiel zweier gleichwertiger Mannschaften, und nach 44 Minuten spiegelte sich das auch auf der Anzeigentafel wieder. Clark spielte scharf vor das Tor, Clark hielt den Schläger hin und die Scheibe schlug erneut ein – 4:4. Eine Co-Produktion von zwei Spielern, die deutlich stärker auftraten als zuletzt und andeuteten, warum sie als Kontingentspieler geholt wurden.

Und dann klappt auch das: Zwar hatten die Füchse wieder eine unnötige Strafe kassiert (Clark wegen Stockschlags), aber Thomas Reichel focht das nicht an. Nach einem Scheibengewinn fuhr er den Konter über die rechte Seite und ließ einen platzierten Schuss los. Die Scheibe schlug neben Franzreb ein, und die Gäste führten überraschend durch ein Unterzahltor.

Weißwasser macht hinten die Schotten dicht. Beeindruckend aber war, wie die Mannschaft von Chris Straube es jetzt schaffte, die Gastgeber in deren eigenem Drittel zu beschäftigen. Körperlich überlegen und entschlossener, nahmen sie Sekunde um Sekunde von der Uhr, ohne dass die Löwen wirklich gefährlich wurden. Auch die hektischen Schlusssekunden wurden überstanden, und der Auswärtssieg war perfekt. Grundlage waren eine große Laufbereitschaft und viel Biss – aber auch tolle individuelle Aktionen, die zu den Toren für die Füchse führten.

Mitarbeit: Titus Fischer

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