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Sturmtief Ignatz macht seinem Namen alle Ehre

... mit abgedeckten Dächern und umgestürzten Bäumen. Weißwasser und das Umland kamen aber noch glimpflich davon.

Von Constanze Knappe
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Zur Gefahrenabwehr wurde gestern Nachmittag vorsichtshalber die Berliner Straße in Weißwasser am Abzweig Carl-Friedrich-Gauß-Straße für den Fahrzeugverkehr gesperrt.
Zur Gefahrenabwehr wurde gestern Nachmittag vorsichtshalber die Berliner Straße in Weißwasser am Abzweig Carl-Friedrich-Gauß-Straße für den Fahrzeugverkehr gesperrt. © Constanze Knappe

Schwere Sturmböen fegten am gestrigen Donnerstag über die Lausitz hinweg. Tief Ignatz machte auch in Weißwasser und dem Umland seinem gnatzigen Namen alle Ehre. Der Wetterdienst hatte vor Sturm, Regen und Gewitter gewarnt. Doch ehe es in Weißwasser nass wurde, fegte am Vormittag erst einmal ein heftiger Sandsturm durch die Stadt. Vom Turm am Schweren Berg aus war über den Tagebau Nochten hinweg nicht einmal mehr das Kraftwerk Boxberg zu sehen. Und in der Stadt selbst trübte sich der Himmel bedenklich ein. Überall wirbelten Sand, Staub und Dreck durch die Straßen.Bis zum Donnerstagnachmittag gab es im Landkreis Görlitz rund 100 Feuerwehreinsätze. In Schleife und Trebendorf wurden Stromausfälle gemeldet, auch in Weißwasser fiel in mehreren Straßenzügen der Strom aus. Die Feuerwehren der Region wurden zu umgestürzten Bäumen gerufen.

Vernunft war gefragt

In Weißwasser deckte der Sturm bei einem Gebäude in der Berliner/Ecke Carl-Friedrich-Gauß-Straße einen Teil des Daches ab, welches dadurch schweren Schaden nahm. Auf den Straßen und Gehwegen lagen vielfach Äste, zum Teil auch richtig große, herum. Mülltonnen wurden umgeweht. Der Inhalt, insbesondere aus den Blauen Tonnen, verteilte sich durch den starken Wind überall. Wie in der Heinrich-Heine-Straße stürzten sogar Verkehrsbaken und mobile Ampeln um und behinderten somit zusätzlich den Verkehr.Wegen des Sturms und der damit verbundenen allgemeinen Gefahrenlage sagte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) alle Nachmittagstermine ab, um sich persönlich ein Bild von der Lage – insbesondere beim Feuerwehreinsatz an der Berliner Straße – zu verschaffen. „Bei solchen Naturereignissen ist Vernunft gefragt. Wer nicht wirklich etwas erledigen muss, sollte dann im Haus bleiben. Ich bin froh, dass wir bislang noch keine Meldungen von Verletzten auf Grund des Sturms haben“, erklärte er und verwies auf Dachziegel und Äste, die auf Wege und Straßen gefallen waren. Offenbar war jedoch nicht allen Weißwasseranern der Ernst der Lage bewusst. „Ich habe wenig Verständnis dafür, wenn manche mittags ihre Mülltonnen zur Abholung rausstellen. Da muss man doch damit rechnen, dass diese durch den Wind umstürzen und sich der Müll in den Straßen verteilt“, betonte der OB.

Er bedankte sich bei den Mitarbeitern der Stadtwerke Weißwasser GmbH und den Kameraden der Feuerwehr, „die gut vorbereitet schnell vor Ort waren“.Den Sandsturm am Vormittag hat Weißwassers Feuerwehrchef Marcel Nestler „als Privatmann erlebt“ – mit schlechter Sicht und jeder Menge Sand in den Augen. Für die Feuerwehr sei so etwas an sich kein Thema, höchstens die Folgeerscheinungen wie Unfälle. „Aber die sind zum Glück ausgeblieben“, sagte er auf Nachfrage.Um 12.27 Uhr rief Vollalarm die Kameraden in Weißwasser zum Einsatz. „Als Ortsfeste Landfunkstelle haben wir die Bereiche Krauschwitz und Weißkeißel mit übernommen“, so Marcel Nestler. Meldungen kamen sowohl von der zentralen Leitstelle als auch direkt von Bürgern. Aus den drei Kommunen waren 45 Kameraden mit sieben Fahrzeugen beteiligt.

Zur Gefahrenabwehr: Straße dicht!

Wegen des Dachschadens in der Berliner Straße wurde diese zur Gefahrenabwehr vorsichtshalber für den Fahrzeugverkehr voll gesperrt. Dabei blieb es zunächst. „Mit der Drehleiter auf Erkundung zu gehen, wäre bei dem Sturm gar nicht möglich gewesen“, sagte der Feuerwehrchef. Auch an der Hans-Fallada-Schule gab es Schäden am Dach; da hing Dachpappe herunter. „Auch dort konnten wir auf Grund des Sturms aber vorerst nur Sicherungsmaßnahmen einleiten“, so Marcel Nestler. Bis 17 Uhr verzeichnete die Feuerwehr Weißwasser 22 Einsätze. Da war das Ende jedoch noch nicht absehbar. Zumeist mussten umgestürzte Bäume weggeräumt werden wie beispielsweise in der Martin-Schulz-Straße in Weißwasser. In den Neißedörfern waren Bäume in Oberleitungen gekracht. Auch dort hatten die Kameraden alle Hände voll zu tun.

In Boxberg ging die erste Alarmierung um 11.30 Uhr ein. Bis zum späten Nachmittag standen 32 Einsätze zu Buche, waren weitere vier noch abzuarbeiten; so war von Gemeindewehrleiter Martin Zieschang zu erfahren. So hatte es in Nochten und Klitten Dächer abgedeckt, waren wie beispielsweise in den Ortschaften Mönau und Rauden an mehreren Stellen Bäume in die Telefonleitungen gestürzt. 45 Einsatzkräfte waren auch am Nachmittag unterwegs – und ein Ende noch längst nicht in Sicht. „Der Sturm beginnt zwar abzuflauen, aber es gehen immer noch Meldungen von Bürgern ein“, so der Gemeindewehrleiter gegen 16.40 Uhr. Vom Sandsturm aus dem Tagebau Nochten am Vormittag hatte man in Boxberg nicht viel mitbekommen, denn der war ja nach Weißwasser gezogen.

Obwohl sich Sturmtief Ignatz auch im Norden des Kreises mit voller Wucht zeigte, ist man in Weißwasser und dem Umland offenbar noch glimpflich davongekommen. Bis zum späten Nachmittag gab es keinerlei Meldungen über Verletzte.Auf Grund der Gefährdung für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer hatten wegen des Sturmtiefs die zuständigen Ämter und Behörden empfohlen, nur dringend nötige Wege im Freien zu unternehmen und, wenn möglich, nicht die Häuser zu verlassen. In weiten Teilen Sachsens gab es ein Betretungsverbot für Wälder wegen der Gefahr umstürzender Bäume und herabstürzender Äste.

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