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Tierpark Weißwasser braucht Spenden

Der Förderverein hat bereits einen Aufruf gestartet. Viele Menschen und Firmen beteiligen sich. Denn die Lage ist ernst.

Vor wenigen Tagen übergaben Antonia Mertsching (re.) und Marko Schmidt (li.) an Gerd Emmrich eine Spende für den Tierpark Weißwasser. Der sucht weitere Unterstützer.
Vor wenigen Tagen übergaben Antonia Mertsching (re.) und Marko Schmidt (li.) an Gerd Emmrich eine Spende für den Tierpark Weißwasser. Der sucht weitere Unterstützer. © Joachim Rehle

Kurz vor Weihnachten sind im Zoo-Shop normalerweise die Regale und Kisten, in denen sich Spielzeug, große und kleine tierische Plüschfiguren, Bücher, T-Shirts oder Schirme befinden, fast leer. Auch vorbereitete Leckereitüten, die Besucher gerne zum Anlocken und Füttern der Tiere im Streichelgehege kaufen, stapeln sich.„Da wir seit 2. November wieder keinen Besucherverkehr mehr haben dürfen, sind die Kisten noch voll. Wir hatten im Zoo-Shop, der trotzdem weiter geöffnet war, zwar auf etwas Abverkauf gehofft. Aber das war chancenlos“, erzählt Tierpark-Leiter Gerd Emmrich traurig.

Die durch Corona bedingten Zwangsschließungen im Frühjahr und nun wieder bringen dem Tierpark rund 40.000 Euro Minus ein. „Wir hoffen, dass der Antrag auf Novemberhilfe genehmigt wird. Alle anderen bisher existierenden staatlichen Unterstützungsprogramme wie Überbrückungsgeld oder Kurzarbeitergeld sind für uns ja irrrelevant“, so Emmrich.

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Durchhalten ist die Parole

Noch sei man „nicht am Sterben“, bekennt der Tierpark-Chef. Neben den Zuschüssen durch die Stadt Weißwasser und den Kulturraum liege dies vor allem an der großen Spendenbereitschaft der Menschen, die im laufenden Jahr schon 17.000 Euro für den kleinen und beliebten Zoo brachten. Nun, wegen der erneuten Zwangsschließung, startete der Tierpark-Förderverein wieder einen offiziellen Spendenaufruf. Denn die Kosten für Futter, Tierarzt, Energie, Wasser, Müllentsorgung und vieles mehr fallen weiter an, müssen bezahlt werden.

Auch bei den Mitarbeitern kann nicht gespart werden, ist Kurzarbeit unmöglich, da die Tiere täglich versorgt und betreut werden müssen und die Bewirtschaftung der Einrichtung weitergehen muss. Besonders schmerzt es Gerd Emmrich, dass es im Tierpark auch rund um die Weihnachtsfeiertage still sein wird, weil Besucher und Spaziergänger nicht rein dürfen.

„Um die Feiertage herrscht sonst reger Betrieb. Es ist wirklich schade, dass wir nicht öffnen dürfen, weil sich bei uns ja alles draußen abspielt, wir keine geschlossenen Tierhäuser haben, kaum Ansteckungsgefahr besteht.“

Deutsche Tierparks hoffen auf Hilfe

Da dies für alle kleinen Tierparks, im Gegensatz zu den großen Zoos, in Deutschland zutrifft, hatte sich die Deutsche Tierparkgesellschaft im November mit Briefen an alle Ministerpräsidenten und die Bundesregierung gewandt. „Wir wollten einerseits eine Offenhaltung der kleinen Tierparks erreichen und haben andererseits darum gebeten, die Einrichtungen mit Solo-Selbstständigen gleichzustellen, um Anspruch auf Unterstützung in der Corona-Pandemie zu haben. Denn bei uns laufen die Kosten ungebremst weiter“, begründet Gerd Emmrich, Präsident der Deutschen Tierparkgesellschaft, den Vorstoß, der bislang erfolglos blieb.

Was den Tierpark in Weißwasser betrifft, so erwirtschaftet er normalerweise allein durch Eigeneinnahmen wie Eintritte und Zoo-Shop rund 35 Prozent der Gesamteinnahmen. In diesem Jahr ist daran nicht zu denken, bleibt nur die Hoffnung, dass die große Bereitschaft der Bürger und regionalen Unternehmen, Geld zu spenden oder Tierpatenschaften zu übernehmen, ungebrochen bleibt. „So eine Tierpatenschaft ist übrigens ein tolles Weihnachtsgeschenk, das gleichzeitig Gutes tut“, appelliert Emmrich angesichts der Tatsache, dass täglich 13.000 Euro nötig sind, um den Tierpark Weißwasser am Laufen zu halten.

Spender und Tierpaten gesucht

Wegen der vielen Schwierigkeiten im Corona-Jahr ist der Tierpark auf Unterstützungen jeder Art angewiesen. Egal, ob es Futterabgaben am Tierpark-Eingang sind, Anträge auf Patenschaften, Spenden überwiesen oder Schecks übergeben werden. Einen Scheck brachten kürzlich auch die Landtagsabgeordnete Antonia Mertsching (Die Linke) und ihr Assistent Marko Schmidt als Privatpersonen. Insgesamt 200 Euro geben sie dem Tierpark. „Die Schließung ist auch mir sehr unverständlich, da alles draußen ist. Schaffen Sie es, zu überstehen? Bis März oder April kommenden Jahres werden ja sicher nicht viele Lockerungen passieren“, äußerte die Weißwasseranerin Antonia Mertsching gegenüber dem Tierparkchef. Der zeigte sich vorsichtig optimistisch. „Ich denke ja, aber es wird sehr eng. Doch dann müssen unbedingt Besucher und Einnahmen kommen.“

Mit einem erhöhten Eintrittspreis müsse in Weißwasser jedoch nicht gerechnet werden. Erst im Vorjahr, so Gerd Emmrich, habe man die Preise angehoben, die für einen Erwachsenen nun bei 5,90 Euro Tageseintritt liegen. „Mehr und schon wieder erhöhen geht nicht. Und wir liegen damit im Vergleich auch im guten Mittelfeld.“

Bis zur Wiedereröffnung wird und muss auf weitere Spenden gesetzt werden. Laut Emmrich seien noch dieses Jahr welche von der Leag, von Taxi Mäder, den Stadtwerken Weißwasser und vom Rotary-Club Weißwasser angekündigt. Sie sollen, wie bereits 10.000 Euro aus dem Sächsischen Mitfachfonds sowie 3.000 Euro von der Sparkasse, vorrangig in den neuen Abenteuerspielplatz mit Entspannungsecke fließen. Die Bauarbeiten dafür sind in der Vorwoche angelaufen. Geld nötig ist zudem für die Neuanschaffung eines Luchses. Den achtjährigen Kater gibt der Zoologisch-botanische Garten Mulhouse in Frankreich innerhalb eines Austauschprogramms zwar kostenlos ab. Denn ausgesucht wurde er von Experten nach dem Europäischen Zuchtbuch für Luchse, weil der Weißwasseraner Kater noch eine Partnerin erhält und auf Nachwuchs gehofft wird.

Corona bringt auch einen Vorteil

Gert Emmrich hat sich für einen Karpatenluchs entschieden. Das Gehege im Tierpark Weißwasser ist schon vorbereitet. Dennoch kann Emmrich nicht sagen, wann der Luchs einzieht. Denn abgesehen davon, dass es in Corona-Zeiten zu Einschränkungen bei Tiertransporten kommen kann, sind diese auch logistisch aufwendig und dadurch ebenfalls teuer. „Wir suchen noch immer nach einem Spezialtransport, den wir uns leisten können“, erklärt Gerd Emmrich, der den Neuzugang unter anderen Umständen schon längst in Weißwasser präsentieren würde.

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Informationen und Kontakte zu Förderverein, Tier-Patenschaften und Spenden für den Tierpark Weißwasser gibt es unter: Telefon 03576 208366 oder hier.

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