merken
PLUS Weißwasser

Viele Herzen schlagen für den Tierpark

TAGEBLATT zeigt die große Spendenbereitschaft für den Tierpark Weißwasser – und wie die Spender selber durch die Corona-Krise kommen.

Die große Spendenbereitschaft hilft dem Tierpark Weißwasser, ohne Einnahmen die lange Schließung zu überstehen, so dessen Leiter Gert Emmrich dankbar. Geld kam jetzt auch von René Zach (Taxi Mäder/o.),
Die große Spendenbereitschaft hilft dem Tierpark Weißwasser, ohne Einnahmen die lange Schließung zu überstehen, so dessen Leiter Gert Emmrich dankbar. Geld kam jetzt auch von René Zach (Taxi Mäder/o.), © Constanze Knappe

Mit reichlich Geldsegen wird der Tierpark in Weißwasser auch weiterhin bedacht. „Es scheint, als würde jeder Bericht über eine Spendenübergabe neue Spender auf den Plan rufen“, freut sich Tierparkleiter Gert Emmrich. Das ist auch gut so. Denn jeder Euro wird dringend gebraucht. Bis jetzt erhielt der Tierpark Weißwasser nur ein einziges Mal staatliche Unterstützung vom Bund – als Abschlag der Novemberhilfen. Ganze 800 Euro. „Das reicht für einen halben Tag“, sagt er.

Schon während der langen Schließung im Frühjahr 2020 hatte der Tierpark-Förderverein zu Spenden aufgerufen. Notwendig wurde das abermals, als die Zoos am 2. November erneut zumachen mussten. Die Resonanz ist riesig und zeigt, welche Bedeutung der Tierpark für die Menschen in Weißwasser und Umgebung hat. „Wir sind über jede Spende sehr glücklich“, betont der Tierparkchef. Nur so habe man die Zeit bisher überhaupt überstehen können.

Anzeige
BIKEpoint Wiesner startet neu durch
BIKEpoint Wiesner startet neu durch

BIKEpoint Wiesner startet in Hoyerswerda neu durch und ist auch während des Lockdowns für seine Kunden erreichbar.

Firmenjubiläum als Anlass

Die Funk-Taxi-Mäder GmbH Weißwasser spendet oft in der Region. Das wollte man auch aus Anlass des 30. Geburtstages der Firma. Wie Geschäftsführer René Zach erzählt, habe man auf der Firmenfeier sogar zusätzliche Spender aktivieren wollen, doch wegen der Pandemie ging das mit dem Feiern nicht. Dennoch unterstützt das Unternehmen den Tierpark mit 1.500 Euro. Während die vielen anderen Spenden dem Zoo in seinem Tagesgeschäft helfen, ist dieses Geld ausdrücklich für die Errichtung des Abenteuerspielplatzes gedacht.

Taxi Mäder bekam die Auswirkungen von Corona selber deutlich zu spüren. Im Frühjahr 2020 brach das Geschäft nahezu völlig ein, weil Krankentransporte, die einen Großteil der Fahrten ausmachten, wegen ausgefallener OPs nicht nötig waren. Aufwand und Kosten zur Umsetzung des Hygienekonzepts, etwa mit dem Einbau von Schutzscheiben zwischen Fahrer und Beifahrer, waren hoch und sind es noch. So sind die Fahrzeuge täglich zu desinfizieren.René Zach leistete 1996/97 seinen Zivildienst im Zoo in Weißwasser. Schon damals habe er gemerkt, „dass es für den Tierpark ein ewiger Kampf ist“, erinnert er sich. Deshalb war für ihn klar, die Einrichtung in Corona-Zeiten zu unterstützen.

Kalenderaktion mit toller Resonanz

Mit 525 Euro hilft die Apotheke am Eisstadion in Weißwasser. Früher hat sie ihre Kalender verschenkt, seit langem gibt man die aber mittlerweile für symbolische 50 Cent ab – um mit dem Erlös der Aktion Gutes zu tun. In Corona-Zeiten habe man an den Zoo gedacht. „Auch ohne Einnahmen brauchen die Tiere Futter“, begründet Apotheken-Inhaber Dr. Martin Schüßler. Das habe man auch den Kunden so erklärt, etliche hätten daraufhin ihr Wechselgeld in die Spendenbox gesteckt.Für die Apotheke am Eisstadion war 2020 ein schwieriges Jahr. Er sei in den Strudel eines Rezepte-Abrechners geraten und habe dabei viel Geld verloren, erzählt der Chef. Froh ist er, dass sein Team bis auf den Ausfall einer Kollegin zum Jahreswechsel, die in Quarantäne musste, von Corona „halbwegs verschont geblieben“ ist. Viel Ärger gab es hingegen bei der Verteilung der FFP2-Masken. Nachdem der Bundesgesundheitsminister darüber informierte, hätten die Kunden der Apotheke quasi „die Bude eingerannt“. Nur, Masken hatten sie bis dahin noch nicht. Inzwischen wurden viele ausgegeben und verkauft. „Aber ich habe keine Ahnung, wo die ganzen Masken abgeblieben sind. Im Gesicht sehe ich sie jedenfalls nicht“, so der Apotheker.

Dr. Martin Schüßler von der Apotheke am Eisstadion übergab Geld aus einem Kalenderverkauf.
Dr. Martin Schüßler von der Apotheke am Eisstadion übergab Geld aus einem Kalenderverkauf. © Constanze Knappe

Martin Schüßler beschäftigt zehn Mitarbeiter. Gern würde er noch mehr einstellen, denn der Beratungsbedarf in der Apotheke sei hoch. Nur leider habe er mit der Suche nach pharmazeutischem Fachpersonal noch immer keinen Erfolg. Mit gemischten Gefühlen sieht er in die Zukunft. Ab Januar 2022 soll das elektronische Rezept zur Pflicht werden. Bisher sei nicht mal bekannt, wie das funktionieren soll, geschweige denn, welche technischen Voraussetzungen er schaffen müsse. Für die Erweiterung der Computeranlage in der Apotheke warte er schon seit einem Vierteljahr auf den Kostenvoranschlag.

Kita vermisst Zoobesuch

Kinderzeichnungen und 350 Euro überbrachte Ulrike Vogt aus der Awo-Kita Waldwichtel in Weißwasser. Die Einrichtung habe selber immer wieder Spenden erhalten und damit Einiges schaffen können, erzählt die Kita-Leiterin. So sei es dem Team ein Bedürfnis geworden, in einer Spendenbox übers Jahr zu sammeln. Diesmal soll das Geld dem Tierpark zugutekommen. „Weil wir mit unseren Kindern gerne hier sind. Das fehlt uns und den Kindern“, begründet Ulrike Vogt. Dann fügt sie hinzu: „Wir müssen optimistisch bleiben.“

Ulrike Vogt überbrachte eine Spende von der Kita Waldwichtel.
Ulrike Vogt überbrachte eine Spende von der Kita Waldwichtel. © Constanze Knappe

Die Awo-Kita Waldwichtel hat eine Kapazität von 175 Plätzen, normalerweise wären 151 belegt. Betreut werden die Kinder von 35 Mitarbeitern, darunter 24 Erzieherinnen und auch einige ehrenamtliche Helfer. Aktuell sind 45 Kinder in der Notbetreuung angemeldet, aber nach Aussage der Kita-Leiterin nicht alle da.Wenn der Zoo wieder offen ist, dürfen die Waldwichtel-Kinder so oft kommen, wie sie mögen, sagt Gert Emmrich. Und nicht nur sie. Denn der Eintritt ist für Kitas aus Weißwasser und Umgebung kostenlos.

Auch kleine Spenden helfen

Helfen kann man ebenso mit einer Tierpatenschaft, wie sie zu Weihnachten zuhauf verschenkt wurden. Und auch kleine Spenden sind nützlich, wie die jener Frau, die ihrer Futterspende sogar zehn Euro beilegte. Dank der großen Spendenbereitschaft werde man den Februar überstehen. „Aber ohne das Ostergeschäft wird es eng“, sagt der Tierparkchef. Zwei Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, weil weniger zu tun ist. „Aber ab März brauchen wir wieder alle Leute“, betont Gert Emmrich, der auch Präsident der Deutschen Tierpark-Gesellschaft ist. Vom Bund sei nichts zu erwarten, zumal in Berlin und Sachsen-Anhalt die Zoos geöffnet sind. Deshalb will sich die DTG an die sächsische Landesregierung wenden: „Der Freistaat muss Farbe bekennen.“

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser