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Was Eltern von Förderschülern jetzt von den Schulen fordern

In Weißwasser kommt Familie Lehmann an ihre Grenzen. Und unterbreitet Vorschläge.

Tochter Sarah Jane lernt am liebsten, wenn schon nicht in der Schule, am Computer. Vor allem mehr Videokonferenzen könnte es geben, findet die Förderschülerin.
Tochter Sarah Jane lernt am liebsten, wenn schon nicht in der Schule, am Computer. Vor allem mehr Videokonferenzen könnte es geben, findet die Förderschülerin. © Steffen Bistrosch

Heute geht es wieder los – das Homeschooling für einen überwiegenden Teil aller Schüler. Die eine Ferienwoche war schnell vorbei. Es ist kein Geheimnis, dass es für Familien mit Förderschülern besonders schwierig ist.

„Die Kinder besuchen eine Förderschule, weil sie Hilfe beim Lernen brauchen“, sagt Torsten Lehmann, Elternratsvorsitzender der Brüder-Grimm Schule in Weißwasser. Und er meint, „für alle Eltern ist es derzeit schwierig“. Neben den beruflichen und häuslichen Pflichten und den unterschiedlichsten Auswirkungen von Corona auf das private Umfeld kommt die zusätzliche Herausforderung, die eigenen Kinder in den eigenen vier Wänden zu unterrichten.Die wenigsten können das und die meisten haben Probleme damit. Eine „Katastrophe“ nennt seine Frau Silvana den derzeitigen Zustand. Zumal, wenn beide Elternteile berufstätig sind. Tochter Sarah Jane ist 13 Jahre und besucht „sehr gern“ die siebente Klasse der Gebrüder Grimm Schule und „am liebsten“ den Sportunterricht. „Am meisten vermisse ich meine Freunde“, sagt sie traurig. „In der Schule kann ich besser lernen“, fügt sie noch hinzu.

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Davon ist auch Ilona Schindler, die Leiterin der Weißwasseraner Einrichtung überzeugt. Sie und ihr knapp 20-köpfiges Team in Schule und Hort geben den 120 Förderschülern die Zuwendung und Unterstützung, die sie brauchen, konkret die „Sonderpädagogik, um später ein selbstbestimmtes Leben in Gesellschaft und Arbeitsprozess führen zu können“. Seit fast vier Jahrzehnten ist Schindler an der Schule tätig, davon mehr als 30 Jahre als Direktorin. Frühzeitig habe die Schule auf den Umgang mit dem PC gesetzt. Seit 1994 wird hier Informatik unterrichtet, ab der fünften Klasse lernen die Schüler den Umgang mit dem PC. Der von der Bundesregierung bzw. dem Staatsministerium angestrebten Digitalisierung trägt der Lehrplan u.a. mit „Medienerziehung und Nachhaltigkeit“ Rechnung. Zwei Computerkabinette, Laptops und interaktive Tafeln gehören zur schulischen Ausstattung.

Leider kann die Infrastruktur des Schulgebäudes hier nicht mithalten. Auf die Frage: Schnelles Internet?“ lautet die Antwort „Error“, also Fehlanzeige. Häusliches Lernen ist davon allerdings unbeeinflusst. Die Aufgaben werden den Schülern derzeit per Post, Email, WhatsApp oder dem Internetportal „Anton“ erteilt. Hilfestellung leisten traditionelle Arbeitsblätter, Lehrbücher oder Lernvideos auf Youtube. Die Klassen- bzw. Fachlehrer sind telefonisch erreichbar, persönlichen Kontakt hält Schindler für unerlässlich.

Lernbereiche werden eingedampft

„Lernsax“ ist kein Thema an ihrer Schule, zumal nicht alle Eltern die Voraussetzungen dafür haben. Zudem gäbe es in Gemeinden wie Zimpel, Tauer oder Klein Priebus nach wie vor kein schnelles Internet. Die Schüler nutzen natürlich ihre Handys oder Rechner für die Kommunikation untereinander. In der Zeit des Lockdowns habe man dazu gelernt, meint die erfahrene Schulleiterin. Zum Beispiel, „dass man nicht alles schaffen kann“. Deshalb wurden die Lernbereiche „zentriert“, also die Auflagenkomplexe auf das Wesentlichste konzentriert.

Sie lobt die Zusammenarbeit mit den Elternsprechern, durch die es möglich wurde, Videokonferenzen zum gemeinsamen Lernen zu veranstalten. Den Anstoß gab Sarah`s Vater. Der ist in seiner knappen Freizeit leidenschaftlicher Modellflieger und als aktives Präsidiumsmitglied des Deutschen Modellfliegerverbandes sind Videochats faktisch tägliche Übung für ihn. „Warum so etwas nicht zum Lernen nutzen?“, fragte er sich. Für die Lehrer, Eltern und Schüler eine praktikable Möglichkeit, in der Gruppe aktiv miteinander zu kommunizieren. Lehmann findet das „ideal, aber leider machen nicht alle mit“.

Das hat unterschiedlichste Gründe von „nicht wollen“ bis hin zu „nicht können“. Er beobachtet, während der Videokonferenz „arbeiten alle Kinder konzentriert und effektiv mit“ und findet es sei „mehr als nur eine Alternative zu Arbeitsblättern“. Froh ist er, dass die Schule hier mitzieht und die Eltern nicht allein mit den Problemen lässt. Denn die Belastungsgrenze sei erreicht, die Schüler sind schwer zu motivieren, bei Eltern liegen oft die Nerven blank. Lehmann meint auch, „Nur Schimpfen bringt nichts“, stattdessen habe er seine Hilfe angeboten, denn „von allein passiere nichts“. Tochter Sarah meint, „Videokonferenzen sind genauso wie Unterricht“ und „Eltern sind anders.“

Deshalb empfindet sie „das Lernen ist schwierig. Die Eltern können nicht so gut erklären“. Und sie wünscht sich längere Videokonferenzen, „möglichst in allen Fächern, nicht nur in Deutsch bei Frau Nicko“. Familie Lehmann hat erkannt, wie schwierig der Job eines Lehrers ist. Vater Torsten wünscht sich, dass die Schule bald beginnt und mit möglichst wenig Ausfall in kleinen Klassengruppen stattfindet. Und dass möglichst viele begreifen mögen, dass Digitalisierung durchaus Vorteile bringen kann. Wenn es richtig angepackt wird und die Beteiligten es wirklich wollen. Und können.

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