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Was tun gegen die Schweinepest?

Um Krauschwitz gilt eine Restriktionszone. Die Regeln für das gefährdete Gebiet haben Folgen für den Truppenübungsplatz und Bürger.

Der mobile Elektrozaun an der Grenze zu Polen soll durch einen festen Schutzzaun ersetzt werden.
Der mobile Elektrozaun an der Grenze zu Polen soll durch einen festen Schutzzaun ersetzt werden. © Bernd Settnik/dpa

Was sich am Mittwoch auf dem Bundeswehr-Truppenübungsplatz (TÜP) Oberlausitz abspielte, hätte Teil einer fiktiven Nuklear- oder Chemieunfall-Übung sein können. Soldaten in voller Schutzausrüstung und mit Handspritzen ausgestattet, dekontaminierten Fahrzeuge, Ausrüstungsgegenstände, Truppenmaterial.

TÜP arbeitet eingeschränkt

Das Szenario war keine Übung, sondern eine Desinfektionsaktion, damit heimreisende Truppen an ihrer Technik nicht den Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) übertragen. Immerhin war das am 27. Oktober bei Pechern erlegte und mit ASP infizierte Wildschwein am TÜP-Gelände geschossen worden. „Auf dem Übungsplatz wurden daraufhin, in Abstimmung mit Krisenstab des Sozialministeriums und Landestierseuchenbekämpfungszentrum, ostwärts der B 115 alle Übungstätigkeiten sowie der Schießbetrieb unterbrochen und die Prophylaxe durchgeführt. Außerdem gilt für den Platz eingeschränkter Übungsbetrieb bis er komplett eingezäunt ist“, erklärte Eric Gusenburger, Bundeswehr-Sprecher in Dresden, gegenüber TAGEBLATT.

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Die Maßnahmen auf dem TÜP stehen im Zusammenhang mit der seit gestern geltenden Allgemeinverfügung des Freistaates Sachsen im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest. Im Rahmen der Verfügung wurde die Region rund um Krauschwitz auch als Restriktionszone festgelegt, in der ab sofort für Jäger, Schweinehalter, TÜP und Bürger Sonderregelungen gelten. „Wir wollen so eine weitere Ausbreitung des Virus verhindern“, begründet Sachsens Sozialministerin Petra Köpping.

Die wohl wichtigste und umfangreichste Festlegung ist der Ersatz des rund 130 Kilometer langen mobilen Elektrozauns zwischen Bad Muskau und Zittau, der sogenannten Wildschweinbarriere, durch einen festen Schutzzaun. „Die Verstärkung der Zaunanlage erfolgt ab Pechern in Richtung Görlitz. Dafür ist Material vorhanden. Für die restliche Strecke ist es bestellt“, erklärt Andreas Friedrich, Sprecher des sächsischen Sozialministeriums. Laut seiner Aussage werde und müsse der Zaunbau „sehr zeitnah“ durch das beauftragte Technische Hilfswerk unter Mitwirkung von Landestalsperrenverwaltung und, falls nötig, Hilfe von Landkreis und TÜP starten und beendet werden.

Kaum Besorgnis bei Bürgern

Überregionale Zusammenarbeit und schnelle Umsetzung von Maßnahmen sind unverzichtbar, da sich das gefährdete Gebiet ab Badepark Bad Muskau (ehemalige Eisenbahnbrücke) in südliche Richtung entlang der Landesgrenze zu Polen bis Mündung Welschgraben in die Neiße sowie nördlich von Steinbach entlang des Welschgrabens Richtung südöstliche Grenze des TÜP an der S127 erstreckt. Von dort verläuft es weiter an der TÜP-Südgrenze bis zur B115 und dann entlang der B115 in nördlicher Richtung über Weißkeißel und Krauschwitz bis zur Fußgängerbrücke Badepark. Überall dort gilt ab sofort und bis auf Widerruf ein Jagdverbot für alle Tierarten. Denn Schüsse vertreiben Wildschweinrotten, die dann einzeln oder in Gruppen in alle Richtungen ziehen würden. Bis zu 40 Kilometer, weiß Tierarzt und Jäger Torsten Kasporick aus Krauschwitz, wandern sie. Ein Problem angesichts der Afrikanischen Schweinepest.

Erschwerend kommt hinzu, dass gerade Rauschzeit ist, also liebestolle Keiler nach Bachen suchen, sowie Erntezeit. Beides bereitet den Tieren Stress, wodurch sie aktuell besonders viel wandern. „Angst bei Bürgern und Tierhaltern wegen des Virus habe ich bisher aber noch nicht erlebt. Weder in direkten Gesprächen noch erhielt ich besorgte Anrufe“, so Tierarzt Kasporick. Trotzdem bedeutet die Tatsache, das ASP in der Region und somit erstmals in Sachsen aufgetreten ist, durchaus Grund zur Sorge. Denn ASP ist eine immense Gefahr für Wild- und Hausschwein-Populationen, weil das Virus für sie tödlich ist und sich schnell verbreitet. Die Folge: Schutzmaßnahmen müssen auch schnell umgesetzt werden.

Für Jäger in der Restriktionszone bedeutet es intensive Suchen nach verendeten Wildschweinen (verstärkte Fallwildsuche) und verpflichtende Anzeigen unter Fundort-Angabe beim Veterinäramt des Kreises. Nur so kann ein Überblick über die tatsächliche ASP-Ausbreitung erhalten oder der Nachweis erbracht werden, dass es nicht zur Ausbreitung kommt. Letzteres ist das große Ziel, weshalb der Freistaat im gefährdeten Gebiet wildschweinsichere Umzäunungen baut. Selbst der Truppenübungsplatz wird eingezäunt.

Zaunbau und Leinenpflicht

„Wir bauen ab kommender Woche mit zivilen Mitarbeitern vom Dienstleistungszentrum den Zaun auf, den die Bundeswehr bereitstellt“, weiß Sprecher Gusenburger. „Da der Bundesforst als Zaunbeispiel schon ein Teilstück im TÜP setzte, ist auch klar, dass unser Zaun passt.“

Und es gibt weitere Mittel und Methoden, um den Kampf gegen die Tierkrankheit zu gewinnen oder sie einzudämmen. So zahlt der Freistaat als Anreiz für Anzeigen oder Mitwirkung der Jäger bei Bergung und Beseitigung toter Wildschweine 30 Euro Aufwandsentschädigung je Tier. Dem gegenüber ist Schweinehaltern im gefährdeten Gebiet der Auslauf- und die Freilandhaltung der Tiere verboten. Außerdem gilt für alle Hunde im Gebiet ein Leinenzwang. Nicht zuletzt kann, laut Allgemeinverfügung, im Einzelfall die Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Flächen durch den Freistaat untersagt werden. Noch gibt es keinen Fall. „Glücklicherweise. So können wir weiterarbeiten, Ernte einfahren und Felder bestellen. Wir hoffen, es bleibt so“, meint Hendrikus van Brenk, Geschäftsführer der Agrargesellschaft Pechern.

Krauschwitz informiert Bürger

Um harte Einschnitte möglichst zu vermeiden, seien laut Sozialministerin, alle nötigen Maßnahmen „mit Augenmaß und in enger Abstimmung mit den beteiligten Interessengruppen“ vorbereitet worden. Inwiefern weitere positive Falltierfunde oder Abschüsse mit Positivtest inner- und außerhalb der Zone zu neuen Regeln und Schutzzonen führen, bleibt abzuwarten.

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Indes hofft nicht nur der Krauschwitzer Bürgermeister Tristan Mühl, dass sich ASP nicht weiter ausdehnt, keine Ausweisung von Kern- oder Pufferzonen mit härteren Bandagen nötig werden. „Noch, das ist meine persönliche Meinung, sind wir mit den Maßnahmen gut bedient. Und wir werden als Gemeinde helfen, wo es geht, selbst bei der Fallwildsuche. Außerdem informieren wir die Bürger im Gemeindeboten ausführlich, sensibilisieren sie und weisen auf Regeln wie Leinenzwang für Hunde hin.“

Hier gibt es die Allgemeinverfügung als Notbekanntmachung.

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