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Wasserwerk Boxberg geht erst später ans Netz

Corona und Liefer-Engpässe brachten unerwartete Herausforderungen – und den Neubau in Verzug. Bis September.

Beim Blick in die Maschinenhalle würden die Augen blitzen, das sei eine ganz andere Welt, hatte Projektleiter Marco Hülse den Bürgermeistern der WZV-Mitgliedsgemeinden erklärt. Wegen Corona konnten sie das noch nicht selbst in Augenschein nehmen.
Beim Blick in die Maschinenhalle würden die Augen blitzen, das sei eine ganz andere Welt, hatte Projektleiter Marco Hülse den Bürgermeistern der WZV-Mitgliedsgemeinden erklärt. Wegen Corona konnten sie das noch nicht selbst in Augenschein nehmen. © Joachim Rehle

Der erste Tropfen Wasser aus dem Bärwalder See ist im neuen Wasserwerk in Boxberg angekommen. „Seit heute läuft das Wasser durch die neue Rohwasserleitung“, verkündete Marco Hülse am Donnerstag in der Verbandsversammlung des Wasserzweckverbands (WZV) Mittlere Neiße – Schöps. Doch für einen Probebetrieb seien die Mengen noch zu gering, so der Projektleiter bei den Stadtwerken Weißwasser GmbH (SWW).Der ursprünglich anvisierte Termin der Inbetriebnahme ist nicht zu halten. Eine der Baufirmen war wegen Corona für zwei Wochen ausgefallen. Jetzt gibt es Materialprobleme. Ein Träger, der gegossen werden muss, kann nicht geliefert werden. Das bringt weitere fünf Wochen Verzug. Man habe einen Puffer eingebaut – einen BER erwarte er nicht, so Marco Hülse zu den Bürgermeistern der acht WZV-Mitgliedsgemeinden. „Wenn Anfang September zur offiziellen Einweihung der große Besuch kommt, läuft das Wasser ins neue Werk, die endgültige Freigabe wird sich noch bis Mitte September hinziehen“, sagte er.

Das Projekt ist ehrgeizig. Aus dem neuen Wasserwerk Boxberg sollen 35.000 Menschen zuverlässig mit Trinkwasser in hoher Qualität und zu bezahlbaren Preisen versorgt werden. Seit 2007 ist man mit der Neustrukturierung der Trinkwasserversorgung für Weißwasser und die Umlandgemeinden beschäftigt, erste Bemühungen reichen sogar bis in die 90er-Jahre zurück. Im Januar 2018 ging die neue, 22 Kilometer lange Hauptleitung von Boxberg nach Weißwasser in Betrieb. Die geplante Fertigstellung des neuen Wasserwerks in Boxberg im Juli 2021 war eine überaus sportliche Ambition. Doch als der enge Zeitplan festgezurrt wurde, konnte niemand ahnen, dass eine Pandemie den feierlichen symbolischen Spatenstich im April 2020 verhindern und auch sonst im Bauablauf für allerlei Kopfzerbrechen sorgen würde.

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Neue Maschinenhalle glänzt

Am 19. Juni 2020 hatten der Boxberger Bürgermeister Achim Junker als WZV-Vorsitzender und Ministerpräsident Michael Kretschmer (beide CDU) zum Spaten gegriffen, um bei der Grundsteinlegung eine Hülse (in der auch ein Weißwasseraner Tageblatt steckt) für die Nachwelt zu versenken. Zwar regnet es im Nordkreis viel seltener als anderswo in der Oberlausitz, doch ausgerechnet an jenem Nachmittag schüttete es wie aus Eimern. Ein gutes Omen.

Nach dem Abriss des alten Sanitärgebäudes waren zu jener Zeit bereits die Fundamente für die neue Maschinenhalle gesetzt. Im Juli 2020 wurden die sechs neuen Filterkessel geliefert, und drum herum die Maschinenhalle in Leichtbauweise errichtet. Im November wurden die Trafos geliefert. „Wenn man in die Halle reinkommt, blitzen die Augen. Was das Material betrifft, das ist eine ganz andere Welt“, schwärmte Marco Hülse.

Unterirdisches Wasser aus dem See

Parallel dazu wurde die Wasserfassung am Bärwalder See gebaut und eine zwei Kilometer lange Rohwasserleitung verlegt, die das neue Wasserwerk kontinuierlich aus dem See speist. Dabei hatten hohe Umweltauflagen für Verzögerung gesorgt. So mussten etwa entlang der Trasse Lurche per Hand abgesammelt werden.

Aus dem See werden jährlich 500.000 Kubikmeter Wasser entnommen, dazu weitere 1,5 Millionen Kubikmeter aus dem unterirdischen Abstrom – was nur einen Bruchteil der unterirdischen Wassermenge ausmacht. Wie jetzt in der WZV-Versammlung zu erfahren war, sollte die Wasserfassung schon vor 14 Tagen in Betrieb gehen. Nach Aussage von Marco Hülse klappte das wegen diverser Abstimmungsprobleme der 20 Zulieferfirmen untereinander nicht so ganz. Jetzt aber sei alles bis auf Kleinigkeiten geklärt und ein größeres Problem in dieser Hinsicht nicht mehr zu erwarten.

Herausforderungen gibt es dafür an anderer Stelle: So traten bei der Sanierung des ersten Trinkwasserbehälters Leckstellen auf. Er bleibt jedoch in Betrieb, bis der zweite, jetzt in Sanierung befindliche Behälter wieder nutzbar ist. Auch seien Betonproben nicht ganz schlüssig gewesen, so der SWW-Projektleiter. Daran werde gearbeitet. Und in einem der Brunnen war ein geringer Eisen-Eintrag festgestellt worden, der ganz knapp über der Trinkwasserqualität liege. Dazu würden geologische Untersuchungen erfolgen. Mehrere Gutachter arbeiten zudem an der Ausweisung von Schutzzonen. In der wasserrechtlichen Genehmigung ist die Entnahme aus dem See geregelt. Dazu erging die Auflage, einen Monitoring-Bericht zu erstellen.

Anfang Oktober findet ein Dauerpumpversuch über 14 Tage statt. Dabei werden das neue Wasserwerk und die Hauptleitung nach Weißwasser unter Maximalbedingungen getestet. Das alte Wasserwerk in Boxberg arbeitet, bis das neue fertig ist, und wird dann abgerissen.

Mehrkosten von 300.000 Euro

„Eine Baubesichtigung wäre gut“, fand SWW-Geschäftsführerin Katrin Bartsch. Nach der Änderung der Corona-Regeln könne man das ja mal ins Auge fassen, schlug sie vor. In der Verbandsversammlung am Donnerstag mussten sich die Bürgermeister aus den bekannten Gründen mit „ein paar bunten Bildchen“ begnügen.

Alles in allem sind für das Vorhaben 9,5 Millionen Euro veranschlagt. Davon entfallen allein 6,4 Millionen Euro auf den Neubau von Wasserfassung und Wasserwerk. Dafür fließen 3,38 Millionen Euro aus Fördertöpfen. Der Bergbausanierer LMBV beteiligt sich mit einer Million Euro. Und diese ist nach Aussage von Katrin Bartsch in der Vorwoche auf dem Konto eingegangen. Baubegleitend sei „ein unwahrscheinlicher Wust in der Beauftragung“ zu bewältigen. Die Leistungspositionen jeder Firma müssten genau geprüft werden; da seien tausende abzugleichen, so Hülse. Er sagt, es sei mit Mehrkosten von 300.000 Euro zu rechnen. Wobei allein die Sanierung der Reinwasserbehälter einen erheblichen Nachtrag erfordert. Er lobte die LMBV wie auch alle beteiligten Behörden für die sehr gute Zusammenarbeit.

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