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„Weißwasser hat ein tolles Potenzial“

Als neue Chefin des Baureferats erwarten Dorit Baumeister nicht nur große Themen. Auch die kleinen haben es in sich.

Dorit Baumeister leitet seit Montag das Baureferat der Stadt Weißwasser. Eine Herausforderung – so ganz nach ihrem Geschmack.
Dorit Baumeister leitet seit Montag das Baureferat der Stadt Weißwasser. Eine Herausforderung – so ganz nach ihrem Geschmack. © Constanze Knappe

Ein paar sehr gute Handgriffe getan hat man in Weißwasser. Das jedenfalls ist die Einschätzung von Dorit Baumeister. Seit Montag steht die 57-Jährige dem Baureferat der Stadtverwaltung vor. Wie sich eine Stadt von ehemals 38.000 Einwohnern auf 16.000 reduziert und dennoch weiterentwickelt – das werde an keiner Uni gelehrt, sagt sie. Es war Niemandsland für die Kommunen, als sie den Aderlass des ersten Strukturwandels über sich ergehen lassen mussten. Zu dieser Zeit habe man in den Rathäusern kein Licht am Ende des Tunnels gesehen und war der Situation vielfach hilflos ausgeliefert. „Weißwasser hat nicht den Fehler der Entdichtung gemacht, sondern sich konsequent von außen nach innen verkleinert, obwohl das schmerzlich war“, betont Dorit Baumeister. Die studierte Architektin weiß diese Leistung sehr wohl einzuschätzen. Deutschlandweit vernetzt, kennt sie Probleme und Chancen schrumpfender Städte – nicht zuletzt aus ihrer Heimatstadt Hoyerswerda.

Handlungsbedarf in der Innenstadt

Weißwasser bescheinigt sie „ein tolles Potenzial“. Sie freut sich auf die Herausforderungen der Stadtentwicklung. Wo will Weißwasser 2035 stehen? – Das ist für die neue Baureferatsleiterin eine Kernfrage. Nicht nur, weil das Ende des Strukturwandels dann nicht mehr weit ist, sondern mit dem Jubiläum „100 Jahre Stadtrecht“ ein wichtiges Datum ansteht. Dorit Baumeister ist gespannt darauf, die Stadtakteure kennenzulernen. „Ich darf diesen Prozess von Punkt Null an aufbauen“, sagt sie und benennt als einen ihrer Schwerpunkte den Stadtumbau Innenstadt. „Da besteht enormer Handlungsbedarf“, sagt sie. Und dass es ohne Fördermittel nicht gehen wird. Sie könne sich darauf umso mehr konzentrieren, da ihr Vorgänger „fast die gesamte Infrastruktur auf die Reihe gekriegt hat“.

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Eigentlich hätte Dorit Baumeister bereits am 1. Februar ihren Job im Rathaus Weißwasser antreten sollen. Das verzögerte sich aber wegen eines Einspruchs gegen ihre Einstellung, der sich nach rechtlicher Prüfung jedoch als unbegründet erwies. Somit blieben ihrem Vorgänger Thomas Böse vor dem Wechsel in den Ruhestand ganze drei Tage zur Übergabe. Damit die neue Chefin trotzdem recht schnell Einblicke in die Aufgaben bekommt, passiert das nun mit Mitarbeitern der einzelnen Bereiche.

Einige Dinge hat ihr Thomas Böse aber doch noch ausdrücklich ans Herz gelegt. Er selber hätte sich gewünscht, dem leidigen Thema Garagen eine Zielrichtung geben zu können. „Das ist eine Baustelle, die unbedingt einer Klärung bedarf“, begründete er. Zu DDR-Zeiten waren in Weißwasser 3.000 Garagen gebaut worden, und das „auf zum Teil abenteuerlichen Plätzen“. Zwar wurden inzwischen einige abgerissen, doch die Sache an sich hängt der Stadt bis heute an. Etwa 1.300 Leute seien mit dem derzeitigen Zustand nicht zufrieden. Die Garagen sind 50 Jahre alt und zunehmend nicht mehr vermietbar. Früher hätten sich Garagengemeinschaften um das jeweilige Gelände gekümmert. Heute kenne man dort aber nicht mal mehr den Nachbarn.

Kleingärten in den Fokus rücken

Wenn das Schloss defekt ist oder sonst ein Problem besteht, wenden sich die Nutzer der Garagen ans Baureferat der Stadt. Diese sei zwar auf dem Papier der Vermieter, aber nicht wirklich einer. Dafür würden Personal und Mittel fehlen. Auch deshalb sollte das dringend geändert werden, so die Empfehlung des ausgeschiedenen Baureferatsleiters an seine Nachfolgerin. Ohnehin ist die Rechtslage eindeutig: Auf Grundlage des Schuldrechtsanpassungsgesetzes von 1994 galt für die zu DDR-Zeiten errichteten Garagen oder Bungalows auf fremdem Grund nur bis 1999 Bestandsschutz. Demnach könnte die Stadt von heute auf morgen sämtliche Mietverträge für Garagen kündigen. Seit 2007 müsste sie dafür auch keine Entschädigung mehr zahlen.Ebenso bräuchte es ein Konzept für die 1.600 Kleingärten in Weißwasser. Bei 16.000 Einwohnern bestehe der Bedarf dafür einfach nicht mehr.

Bei den seit der Wende neu entstandenen Eigenheimen habe ohnehin jeder seinen Garten am Haus. Angesichts der großen Aufgaben wie Sanierung oder Neubau von Schulen, Kitas und Straßen standen die Garagen oder Kleingärten bisher nicht so sehr im Mittelpunkt. Auch da baut sich aus Sicht von Dorit Baumeister ein Stadtentwicklungsthema auf. Und es steht die Aufgabe, den Oberlausitzer Sportpark mit Schwimmhalle, Eisstadion, einem (nach der Sanierung) schicken Stadion der Kraftwerker, Skateranlage, großzügigen Spielanlagen für Kinder (an der neuen Kita Regenbogen), Vereinsheim mit Kegelbahn und anderem mehr zu erhalten. Für die weitere Entwicklung dieser einmaligen Situation habe die Kraft gefehlt, so Thomas Böse. Und an seine Nachfolgerin gewandt: „Der Sportpark sollte besser vermarktet werden.“

Interdisziplinär auch im Rathaus

Zuständig ist Dorit Baumeister für ein sehr großes Referat mit 15 Mitarbeitern in zwei Hauptbereichen, die sich wiederum in zehn Sachbereiche gliedern, als da wären: Hoch- und Tiefbau, Bauplanung, die Beantragung von Fördermitteln und Begleitung der Projekte, aber auch die Bewirtschaftung von Immobilien sowohl in städtischem Besitz als auch für Fremde, die Abrechnung zu Beiträgen und Gebühren für Abwasser, Garagen oder beim Straßenausbau – um nur einige Beispiele zu nennen. Die Liste der Aufgaben ist noch sehr viel länger.

Damit ist das Baureferat eines der größten in der Stadtverwaltung; mit strategischen Aufgaben ebenso betraut wie mit dem aktuellen Tagesgeschäft.Es gebe bereits viele Konzepte in der Stadt, so viel weiß die Baureferatsleiterin nach einer Woche im Amt. „Wir müssen lernen, interdisziplinär zu arbeiten und die Konzepte zusammenzubringen. Das hört sich sehr einfach an, ist aber ganz schwer zu machen“, betont sie. Und es bedeute auch, dass das Rathaus sich wandeln muss.

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