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Weißwasser will mehr für Radfahrer tun

Innerstädtisch besteht großer Handlungsbedarf. Die Stadt wird das Thema jetzt verstärkt angehen. Dabei soll ein Verein inhaltlich und finanziell helfen.

Von Constanze Knappe
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Statt Hektik im innerstädtischen Verkehr Idylle für Radfahrer und Fußgänger. Der grüne Radweg führt über etwa 1,2 Kilometer von der Waldeisenbahn vorbei am Jahnbad bis zur Pestalozzistraße. Im April 2021 war der Weg durch die wiederbelebte Parklan
Statt Hektik im innerstädtischen Verkehr Idylle für Radfahrer und Fußgänger. Der grüne Radweg führt über etwa 1,2 Kilometer von der Waldeisenbahn vorbei am Jahnbad bis zur Pestalozzistraße. Im April 2021 war der Weg durch die wiederbelebte Parklan © Joachim Rehle

Seit zehn Jahren gewinnt der Radverkehr in Deutschland immer größere Bedeutung. Nicht zuletzt, weil Elektro-Bikes, Kinderfahrradanhänger, Lastenräder, kommerzielle Leihsysteme und dergleichen mehr heute wesentlich mehr Nutzer ansprechen. Und das sowohl zahlenmäßig als auch in verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Das macht sich auch in Weißwasser bemerkbar. Deshalb möchte die Stadt Radfahrer-freundlicher werden. „Weißwasser ist zwar überregional gut angebunden, innerstädtisch gibt es aber viel Handlungsbedarf“, erklärte Baureferatsleiterin Dorit Baumeister in der jüngsten Sitzung des Stadtrates. Das Thema werde bei der Erarbeitung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (Insek) eine große Rolle spielen. „Denn es wirkt sich insgesamt auf die Lebensqualität aus“, sagte sie.

Um das Thema voranzutreiben, möchte die Stadt Mitglied der Arbeitsgemeinschaft sächsischer Kommunen zur Förderung des Rad- und Fußverkehrs werden. Einstimmig hat der Stadtrat jetzt beschlossen, den Beitritt zeitnah zu vollziehen. „Es geht ja nicht darum, das Fahrrad neu zu erfinden. Der Verein berät bei der Aufstellung neuer Radwegekonzepte und dabei, wie man am besten an Fördermittel rankommt, denn dabei kann man schnell den Überblick verlieren“, begründete Dorit Baumeister. Nicht zu unterschätzen sei das Angebot an Fortbildung für Mitarbeiter der städtischen Verwaltung. Bei Bedarf könnten da sicher auch Stadträte einbezogen werden, antwortete sie auf Anfragen aus den Reihen der Räte, ob eine solche Mitgliedschaft für Weißwasser überhaupt Sinn haben würde. „Mit dem Insek planen wir eine attraktive Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger in Weißwasser. Dazu wäre es gut, in dem Verein das Wissen abzugreifen“, sagte Dorit Baumeister. Sie verwies auf das „Vorzeigebeispiel Kopenhagen“, beispielgebende Ansätze von dort würden in der Arbeitsgemeinschaft diskutiert.

In anderen Bundesländern gibt es solche Zusammenschlüsse von Kommunen zur Förderung des Rad- und Fußverkehrs schon länger. Die Arbeitsgemeinschaft in Sachsen war als Verein im März 2019 von acht Städten in Bautzen gegründet worden, darunter Niesky und Zittau aus dem Landkreis Görlitz. Vorsitzender ist der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD), zweite Stellvertreterin seine Nieskyer Amtskollegin Beate Hoffmann. Die mit Unterstützung des Freistaats eingerichtete Geschäftsstelle hat ihren Sitz in Dresden.Ideen für Stadtverkehr gesuchtEinig ist man sich darin, dass der innerstädtische Radverkehr zur Luftreinhaltung und zur Eindämmung des Verkehrslärms beiträgt. Er biete nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft „gute Ansätze zur Lösung aktueller Herausforderungen des Stadtverkehrs“. Auch würden Kommunen zunehmend an Konzepten für mehr Fußverkehr arbeiten – vor dem Hintergrund sicherer Schulwege, der Erreichbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel, einer Verkehrsberuhigung sowie der Gestaltung öffentlicher Plätze, von Flaniermeilen und Spazierrouten. Im Hinblick auf diese Ziele stehen Städte und Gemeinden vor ähnlichen planerischen und technischen Herausforderungen, die Bau und Unterhaltung einer bedarfsgerechten und attraktiven Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger mit sich bringen. Deshalb ist auch an einen fachlichen Austausch zwischen Planern der Mitgliedsgemeinden gedacht, unter anderem in Form von Fachexkursionen und Workshops.

Die sächsische AG wird sich mit den Gremien in anderen Bundesländern vernetzen. Man möchte Standardlösungen zum Beispiel zum Fahrradparken entwickeln. Gemeinsam lassen sich die Interessen von Radfahrern und Fußgängern gegenüber Behörden des Freistaats oder des Bundes besser vertreten. Es sollen Forschungsprojekte initiiert werden, etwa hinsichtlich einer Grünen Welle für Radfahrer, der Steigerung der Radnutzung auf dem Arbeitsweg oder zur Verkehrssicherheit für Fußgänger. Und nicht zuletzt sind öffentlichkeitswirksame Aktionen vorgesehen, um beispielsweise für die Sicherheit von Schulkindern auf dem Fahrrad oder für den Schulterblick beim Rechtsabbiegen zu sensibilisieren.

Im September 2021 traf man sich erstmals seit der Gründung, um wichtige Beschlüsse zu fassen, etwa zur Bildung eines sechsköpfigen wissenschaftlichen Beirates. Dem Verein, der vor vier Wochen seinen Namen in Wegebund geändert hat, gehören mittlerweile 19 Kommunen mit 1,8 Millionen Einwohnern an. In der Oberlausitz sind das neben Bautzen ebenso Görlitz, Niesky, Zittau und nach dem jetzt gefassten Stadtratsbeschluss auch bald Weißwasser. Der Mitgliedsbeitrag richtet sich nach Größe der jeweiligen Kommune und beträgt für Weißwasser mit 17.000 Einwohnern 1.000 Euro pro Jahr.

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