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Weißwassers Jahnbad ist endlich offen

Die Hitze trieb am Sonntag viele Badelustige an und ins Wasser. Auch Neugierige kamen. Das Strandbar-Café aber lässt noch eine Weile auf sich warten.

Von Constanze Knappe
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Liam und sein Papa waren unter den ersten Badegästen, die bei der Wiedereröffnung des Jahnbads am Sonntag das Wasser testeten.
Liam und sein Papa waren unter den ersten Badegästen, die bei der Wiedereröffnung des Jahnbads am Sonntag das Wasser testeten. © Joachim Rehle

Steffen Laube freut sich tierisch, was da am Sonntag im Jahnbad Weißwasser abging. Mehr als 350 Leute waren zur Wiedereröffnung des Naturbads gekommen. Es sei sein schönstes Geburtstagsgeschenk gewesen, sagt der neue Betreiber am Tag darauf.

Dabei stand die Eröffnung unter keinem guten Stern. Die Stadt Weißwasser hatte noch einmal ordentlich Geld in die Hand genommen, um das im Jahr seines 90-jährigen Bestehens 2020 umfassend sanierte Naturbad mit einem Kiosk zu ergänzen, der zugleich den Kassenbereich enthält. Eigentlich wollte Steffen Laube das Bad im Juni bereits an den Wochenenden und ab Juli ganz öffnen. Allerdings verzögerte sich die Fertigstellung. So wurde die Eröffnung auf den Beginn der Sommerferien verschoben. Aber auch das klappte nicht so ganz. Am Sonntag nun durften die Badegäste endlich rein – bei freiem Eintritt.

Ein Kraftakt der Stadt

Mitte voriger Woche habe es noch nicht nach Fertigstellung ausgesehen, erzählt Steffen Laube. Dass die Pflasterer deshalb schon zwei Stunden eher mit ihrer Arbeit begannen und auch in der Mittagspause durchzogen, rechnet er ihnen hoch an. Das hätten sie von sich aus gemacht. Die Weißwasseraner würden ihr Bad lieben, deshalb hätten viele Menschen die Eröffnung ermöglicht, sagt der 48-Jährige. „Was jetzt noch fehlt, sind Kleinigkeiten und kein Vergleich zu dem, was bisher gewuppt wurde“, bekräftigt Steffen Laube. „Es ist ein beachtlicher Kraftakt der Stadt, dass sie sich so für das Bad ins Zeug gelegt hat. Das muss man anerkennen“, fügt er hinzu und auch, dass beispielsweise das Strandbad in Berlin-Grünau zubleiben muss, weil man es dort eben nicht geschafft habe.

Geboren ist Laube in Cottbus. Später zogen seine Eltern nach Skerbersdorf. Als Jugendlicher habe er da auf keinen Fall hingewollt. Er machte stattdessen eine Ausbildung in Berlin – und blieb. 30 Jahre sind daraus geworden. Davon war er 20 Jahre selbstständig, entwickelte Getränkemarken. Der Neustart seiner Agentur nach Corona war kräftezehrend. Für ihn stellte sich deshalb die Frage, warum die Energie nicht gleich in ein neues Leben investieren. Genau das konnte er sich in der Lausitz bestens vorstellen. Im Gespräch mit TAGEBLATT bezeichnet er es als „Flucht vor der Lautstärke, dem Gestank und den Temperaturen in der Großstadt, über der eine Dunstglocke schwebt.“ All das wollte er nicht mehr, seit Töchterchen Käthe auf der Welt ist. In der Lausitz gebe es hinter jeder Kurve einen Badesee. Das sei eine weitaus bessere Lebensqualität für die Dreijährige. Eigentlich wollte die Familie erst vor Käthes Schuleingang in drei bis vier Jahren hierherziehen, doch es kam alles anders.

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Noch fehlt das Eingangstor. Deshalb rückte der neue Betreiber Steffen Laube den Bauzaun für die Gäste beiseite, als das Jahnbad am Sonntag öffnete – bei freiem Eintritt.
Noch fehlt das Eingangstor. Deshalb rückte der neue Betreiber Steffen Laube den Bauzaun für die Gäste beiseite, als das Jahnbad am Sonntag öffnete – bei freiem Eintritt. © Joachim Rehle

Noch einen Koffer in Berlin

Gewissermaßen als Vorhut ist er hier, Frau und Tochter leben noch in der Hauptstadt. Er selber hat noch einen Koffer in Berlin, ist aber bereits ein Krauschwitzer. Zusammen mit seiner Schwester kaufte er dort einen Hof, an der Grenze zu Bad Muskau. Ein Jahr lang wollte er sich Zeit nehmen, um Land und Leute kennenzulernen. „Mit dem Jahnbad wird das viel schneller gehen“, das hat er am Sonntag gemerkt. Jedenfalls habe er von Anfang an das Bild vor Augen gehabt, dass seine Tochter aus der Schule kommt, ins Strandbad möchte, wo es Eis und Pizza gibt, so Steffen Laube schmunzelnd.

„Wir sind über das Bad in Weißwasser gestolpert“, erzählt seine Schwester Jana Haradinaj, die über 15 Jahre im Kundenservice eines großen Unternehmens tätig war und nach langer Zeit im Homeoffice nun für eine neue Herausforderung offen ist.

Steffen Laube bewarb sich um die Betreibung des Jahnbades und konnte den Stadtrat überzeugen. Er bekam den Zuschlag – und das keineswegs nur, weil er der einzige Bewerber war. Im Rathaus verspricht man sich viel von seinem Konzept.

Mokka-Milch-Eisbar erst 2023

Jetzt ist er erst mal froh, dass es endlich losgeht. Am Sonnabendnachmittag lud er die Nachbarn ins Bad ein, damit man sich bei Kuchen und Schmalzstullen kennenlernt. Am Sonntag war dann bei freiem Eintritt für jedermann offen. Da seien neben den badelustigen Familien auch viele Neugierige gekommen, darunter etliche, die zu DDR-Zeiten oder nach der Wende in dem Bad gearbeitet haben und nun wissen wollten, was daraus geworden ist.

Erst am Freitag waren die Arbeitsverträge mit den beiden Bademeistern unterzeichnet und am Sonnabend der Staub vom Trockenbau weggeputzt worden. Die Eröffnung am Sonntag sei deshalb „schon ganz schön sportlich“ gewesen.

Am Badkiosk gibt es abgepacktes Eis und Getränke. Mit der von Laube angekündigten Mokka-Milch-Eisbar wird es 2022 aber nichts. Die Bademeister arbeiten ab 1. September wieder in der Schwimmhalle. Und nur für den August mache der große Aufwand für das Strandbad-Café, etwa was die Genehmigung beim Gesundheitsamt angeht, wenig Sinn. Auch wäre es wenig sinnvoll, sich jetzt neue Technik hinzustellen, die in nur einem Monat recht wenig zu nutzen ist, für die aber dann zu Beginn der nächsten Saison schon ein Großteil der Garantiezeit abgelaufen wäre.

Im nächsten Jahr wird es die Mokka-Milch-Eisbar aber auf jeden Fall geben. Das verspricht Steffen Laube. Erwarten dürfen die Badegäste dann diverse Eisbecher und ebenso Salate, gesunde Snacks, Pizza – und natürlich auch Pommes, die zu einem Badbesuch einfach dazugehören. Ein zusätzlicher Ansporn dürfte da das Geschenk eines Badegastes sein. Dieser hatte den Jahnbad-Betreiber am Sonntag mit einer Schallplatte überrascht – mit dem Titel „Mokka-Milch-Eisbar“ von Thomas Natschinski. „Der Song läuft bei uns rauf und runter“, gesteht Laubes Schwester Jana Haradinaj.

Nächstes Jahr durchstarten

Der Betreibervertrag mit Steffen Laube gilt 2022 quasi auf Probe – mit der Option zur Verlängerung bis 2025. Er selber sieht diese Saison als Lernzeit und freut sich darauf, im nächsten Jahr durchstarten zu können. Ein Manko sei der Wasserstand. Der lasse sich aber nicht ohne weiteres ändern. Für Familien sei das Jahnbad bestens geeignet, da es flach ins Wasser geht. Einen hinteren Bereich könnte man für Jugendliche erschließen, vielleicht mit Pontons. Da sei er bereits mit der Verwaltung im Gespräch. Die Unterstützung der Stadt und den Zuspruch der Nachbarschaft hat Steffen Laube schon mal. Und auch sonst ist er überzeugt, dass das mit dem Jahnbad was wird.

Jahnbad Weißwasser, Teichstraße. Geöffnet täglich ab 10 Uhr. Eintritt: Erwachsene 2,50, Kinder 1,50 Euro.

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