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Wie ein Mittelständler durch die Krise segelt

Kreisel Umwelttechnik in Krauschwitz agiert weltweit und investiert trotz Pandemie – nicht nur in neue Technik.

René Neumann beim Schleifen von Teilen für Luftfilter. Er ist einer von 120 Mitarbeitern und neun Auszubildenden bei Kreisel, wo aktuell Kurzarbeit gilt.
René Neumann beim Schleifen von Teilen für Luftfilter. Er ist einer von 120 Mitarbeitern und neun Auszubildenden bei Kreisel, wo aktuell Kurzarbeit gilt. © Sabine Larbig

Es ist ruhiger als sonst in den Werkhallen. Normalerweise pressen, stanzen, fräsen, hämmern, schweißen hier Dutzende Mitarbeiter oder arbeiten an großen Maschinen, mit denen noch größere Anlagen und Teile wie Trichter oder Zellenradschleusen gebaut werden. Die Produkte des auf Umwelt- und Schüttguttechnik spezialisierten Unternehmens aus Krauschwitz benötigen Chemie-, Kohle- und Zementindustrie in der ganzen Welt. Seit der Corona-Pandemie ist die Nachfrage jedoch verhalten, läuft die Produktion eingeschränkt.

„Wir blicken auf ein Jahr zurück, in dem auch bei uns Dinge wie Kurzarbeit, Home-Office oder Videokonferenzen zum Thema wurden und Messen, Versammlungen und Feiern ausfallen mussten“, bekennt Geschäftsführer Wolfram Kreisel. Zudem habe die 1912 als Familienunternehmen gegründete Firma zwei staatliche Kredite zur wirtschaftlichen Stabilisierung in Anspruch nehmen müssen. „Ich bin jedoch sehr froh, dass wir das Geschäftsjahr ohne schweren Unfall, Massenentlassungen oder Teilschließung beenden konnten. Selbst der Krankenstand lag unter Vorjahresniveau.“

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Produktentwicklung in der Krise

Wolfram Kreisel, Geschäftsführer des 1912 gegründeten Familienunternehmens, hält an Forschung und Entwicklung fest.
Wolfram Kreisel, Geschäftsführer des 1912 gegründeten Familienunternehmens, hält an Forschung und Entwicklung fest. © Tine Jurtz

Wegen der Auftragslage geht der Geschäftsführer davon aus, dass das erste Halbjahr 2021 weiter von Kurzarbeit geprägt sein wird. „Aber wir haben im Januar einen Superstart durch größere Aufträge aus dem Senegal, Österreich und dem Baltikum. Im besten Fall können wir ab zweitem Quartal wieder mit voller Auslastung produzieren und planen.“

Und: Trotz der Einschnitte, Unsicherheiten und schwierigen Rahmenbedingungen konnte die Firma 2020 einen Umsatz rund zwölf Millionen Euro erwirtschaften. Dies sind zwar 15 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch ermöglichte das Ergebnis weitere Kredittilgungen und sogar Investitionen. Dass dies dem exportorientierten Unternehmen trotz Pandemie gelang, sei laut Geschäftsführer, nur „mit der Belegschaft und kühlem Kopf“ sowie mehreren Tätigkeitsfeldern und Marktgebieten – dazu zählen auch Wartung, Reparatur, Service – und neuen Produkten möglich geworden.

Neuheit für Mexiko

Gebaut und geliefert haben die Krauschwitzer in der Krise beispielsweise die erste Keramik-Zellenradschleuse für einen Auftraggeber in Mexiko. „Die Schleuse ersetzt energiefressende Feststoffpumpen in einem Zementwerk und sorgt bereits für weltweite Nachfrage“, so Wolfram Kreisel. Überhaupt sieht er innovative Produkte durch Forschung und Entwicklung im eigenen Haus und in Zusammenarbeit mit Universitäten, Hoch- und Fachschulen als unverzichtbar für die Zukunft des Unternehmens an. „Allein die entwickelte Keramik-Zellenradschleuse könnte theoretisch weltweit alle Pumpen ersetzen und unsere Auftragsbücher auf Jahre füllen.“

Noch ist dies ein Wunschgedanke, noch muss wegen Corona weiter um Aufträge gekämpft werden. Denn Messen, direkte Kontakte zu Kunden und Investitionsentscheidungen bei ihnen lassen auf sich warten. Trotzdem hält das Traditionsunternehmen am Ziel fest, 2021 wieder das Umsatzniveau von 2019 zu erreichen.

Investitionen als positives Signal

Erst kürzlich wurde nicht zuletzt deshalb eine halbe Million Euro in die Anschaffung einer Fräsmaschine investiert. „Wir powern weiter, sind mutig, stemmen uns gegen den Trend, setzen Signale“, begründet Wolfram Kreisel den Schritt. „Gas gegeben“ worden sei in der Pandemie auch beim Marketing. In Zusammenarbeit mit der BTU Cottbus. Mit ihr gelang dem Unternehmen 2020 der 2. Platz beim Wettbewerb „Lausitzer WissenschaftsTransferpreis“. Durch weitere Investitionen sollen ab 2021 am Hauptsitz Krauschwitz die Fertigungsprozesse und der IT-Bereich modernisiert und optimiert und eine neue Fertigungslinie aufgebaut werden. Zudem liegt das Augenmerk im Unternehmen auf dem Service sowie der Forschung und Entwicklung neuer Verfahren und Produkte.

Zellenradschleusen und Gehäuse können mit der neuen Fräsmaschine (im Hintergrund zu sehen) nun effizienter und schneller bearbeitet werden.
Zellenradschleusen und Gehäuse können mit der neuen Fräsmaschine (im Hintergrund zu sehen) nun effizienter und schneller bearbeitet werden. © Sabine Larbig

Einstellungen trotz Krise

Begonnen hat der Prozess längst. Laut Wolfram Kreisel soll in Krauschwitz zeitnah die Umsetzung der Optimierungspläne erfolgen. Ein Verfahren zur pulsationsarmen Förderung von Schüttgütern ist in der eigenen Forschungsanlage in Erprobung. Außerdem werden trotz Krise Mitarbeiter eingestellt. „Zu Jahresbeginn haben wir die Konstruktionsabteilungen an den Standorten Hamburg und Krauschwitz verstärkt. Ab Sommer bieten wir wieder Ausbildungsplätze für Schlosser und Dreher an. Wir haben Plätze für das duale Studium Maschinenbau und ermöglichen ganzjährig Schüler- und Studenten-Praktika.“Bislang, sagt Kreisel, sei man vergleichsweise gut „durch die Krise gesegelt“ und setzt alles daran, dass es dabei bleibt.

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