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Weißwasser

Wie Jugendliche die Politik vor Ort mitbestimmen wollen

Jugendliche aus zwei Bundesländern entwickeln im Soziokulturellen Zentrum Telux ihre Ideen. Sie wollen vor allem eines: Gehört und einbezogen werden.

Julian Peters, Paul-Max Lampe und Luise Bücklein in einer Pause während des Jugendmeetings am Sonnabendnachmittag vor dem Soziokulturellen Zentrum Telux in Weißwasser.
Julian Peters, Paul-Max Lampe und Luise Bücklein in einer Pause während des Jugendmeetings am Sonnabendnachmittag vor dem Soziokulturellen Zentrum Telux in Weißwasser. © Rolf Ullmann

Man stelle sich einen Stadtrat vor, in dem sich das Durchschnittsalter seiner Mitglieder um die 20 Jahre bewegt, auf dessen Tagesordnung vor allem Probleme der jüngeren Generation stehen und dessen Beschlüsse Lösungsansätze aufzeigen, um diese zu bewältigen. Noch gibt es einen solchen Jugend-Stadtrat nicht in Weißwasser oder der Umgebung.

Doch das könnte sich in der näheren Zukunft ändern. Denn Luise Bücklein, Paul-Max Lampe und Julian Peters entwickelten im Verlauf des Jugendmeetings „Wir suchen deine Ideen für die Lausitz“ am Sonnabend ihre Vorstellungen, wie ein solcher Jugend-Stadtrat funktionieren könnte und welche Ziele er künftig verfolgen sollte. Die 14-jährige Luise Bücklein aus Weißwasser, der 17 Jahre zählende Paul-Max Lampe aus Schleife sowie der 23-jährige Julian Peters, der im brandenburgischen Spree-Neiße-Kreis zu Hause ist, haben sich während der Veranstaltung spontan zusammengefunden und in mehrstündiger gemeinsamer Arbeit ihr Projekt entwickelt. „Mit dem Jugend-Stadtrat sollen die jungen Leute stärker an den demokratischen Prozessen in der Gesellschaft und natürlich hier in Weißwasser teilhaben. Ihre Stimmen sollen gehört und beachtet werden“, umriss Julian Peters die Ziele, an deren Verwirklichung sie noch in diesem Jahr herangehen wollen. Als Partner sehen sie dabei insbesondere die Schüler des Landau-Gymnasiums sowie der Bruno-Bürgel-Oberschule und natürlich Vertreter der Stadtverwaltung Weißwasser.

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Oberbürgermeister Torsten Pötzsch, der das Jugendmeeting am Vormittag besuchte, signalisierte schon jetzt seine Unterstützung für das Vorhaben zu. Auch ein zweites Projekt, nämlich die Einrichtung eines Bauwagens als Anlaufpunkt für Jugendliche, findet seine Zustimmung. Den drei Initiatoren, Ama, Hardy und Benno aus Weißwasser, geht es darum, mit dem Bauwagen einen Ort zu schaffen, in den sich Jugendliche zurückziehen können, um dann dort gemeinsam einen Teil ihrer Freizeit zu verbringen. Das für den Umbau fehlende Baumaterial steht der Realisierung des Vorhabens derzeit noch im Wege. Auch hierfür versprach Torsten Pötzsch, Hilfe zu leisten. Auf bis zu 1.000 Euro schätzen die drei Jugendlichen die anfallenden Kosten.

Viele ganz unterschiedliche Ideen

Neben dem Jugend-Stadtrat und dem Bauwagen stellten die noch drei andere Gruppen ihre Vorstellungen von einer jugendgerechten Kommunikation, der Vernetzung von Angeboten in der Freizeitgestaltung und der Einbeziehung der Jugend in die Prozesse des Strukturwandels in der Lausitz vor. Denn als ein wichtiger Teil der Gesellschaft erwarten die jungen Leute, dass sie aktiv an den Veränderungen in der Gesellschaft teilhaben und ihre Vorstellungen einbringen können. Regelmäßige Treffen mit Jugendlichen aus anderen Regionen, wie dem Raum Leipzig und Gegenden in Nordrhein-Westfalen, die vom Strukturwandel betroffen sind, sollen zum Erfahrungsaustausch genutzt werden. Ein jährliches Festival für Jugendliche soll dieses Projekt krönen.

Ohne Facebook, Tik Tok und Instagram läuft bekanntlich in der Kommunikation zwischen den Heranwachsenden kaum noch etwas. Die technischen Möglichkeiten der sozialen Medien zu bündeln und zielgerichtet für die Freizeitgestaltung zu nutzen, stellen sich Lea Diesner und Leah Katrin Richter zum Ziel. Beide waren zum ersten Mal zu Gast im Soziokulturellen Zentrum Telux. „Ich konnte mir vorher gar nicht vorstellen, dass es so eine tolle Einrichtung überhaupt gibt“, sagte Lea Dießner, die den Weg aus dem heimatlichen Calau nach Weißwasser gefunden hat. Diesen Eindruck bekräftigte Aniko Popella, die das Projekt des Jugendmeetings an der Spitze eines vierköpfigen Teams leitet. „Wir sind dem Zentrum sehr dankbar für seine Unterstützung und für die sehr guten Bedingungen, die wir hier vorfinden“, sagte die junge Frau. Als gebürtige Oberlausitzerin kennt sie aus eigener Erfahrung viele der Probleme und Befindlichkeiten der jungen Leute hierzulande. Deshalb sind sie und ihre Mitstreiter voller Engagement im Rahmen des Programmes „Mission 2038“ tätig. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung initiierte dieses Programm.

Die Stiftung stellt auch die finanziellen Mittel für die Durchführung der Jugendmeetings unter dem Motto „Wir suchen deine Ideen für die Lausitz“ sowie für die Verwirklichung der dabei entwickelten Projekte zur Verfügung. Im Fall von Weißwasser sind es insgesamt 2.400 Euro, die von den Gruppen geplant werden. Aniko Popella bekräftigte abschließend, dass die Unterstützung ihres Teams nicht mit dem Abschluss des Meetings endet. So soll der Kontakt gehalten werden und regelmäßige Treffen mit den Projektgruppen stattfinden. Auf die abschließende Frage nach ihren Eindrücken brachte jeder der 15 Teilnehmer uneingeschränkt zum Ausdruck, dass es ein voller Tag war, der die Möglichkeit bietet, andere zu treffen, sich auszutauschen und gemeinsam etwas für die Jugend in der Region zu bewirken.

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