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Wie sich Digitalprofis übers Analoge freuen

Bei einem Forum in Weißwasser wird über „Digitale Zukunft“ diskutiert – mit überraschenden Einsichten.

Erstmals 2021 fand das Forum als Präsenzveranstaltung statt. Moderator Alexander Thamm (li.) befragte Prof. Dr. Christian Papsdorf von der TU-Chemnitz.
Erstmals 2021 fand das Forum als Präsenzveranstaltung statt. Moderator Alexander Thamm (li.) befragte Prof. Dr. Christian Papsdorf von der TU-Chemnitz. © Andreas Kirschke

Erstmals wieder von Angesicht zu Angesicht statt Videokonferenz: Ausgerechnet das Forum mit dem Thema „Digitale Zukunft“ im Soziokulturellen Zentrum Telux in Weißwasser war jetzt das erste nach Corona in Präsenz. Die Veranstaltung gehört zur Reihe „Kontrovers vor Ort – Fakten, Thesen, Argumente“. Eingeladen hatte die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung. Gemeinsam mit der Volkshochschule Dreiländereck und mit dem Soziokulturellen Zentrum organisierte sie die Diskussion. Und eigentlich alle fanden, dass es schön war, sich in echt gegenüberzusitzen.

„Die Digitalisierung ist ein wichtiger Pfad. Doch sie ist nicht der goldene Weg in die Zukunft. Wir haben durchaus Wahlmöglichkeiten“, unterstrich Soziologe Dr. Christian Papsdorf von der TU Chemnitz. Er forscht an der TU Chemnitz als Juniorprofessor zum Einfluss digitaler Technologien. Zudem berät er Firmen bei der konkreten Umsetzung digitalen Arbeitens.

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Die drei Thesen des Professors

Beim Forum in Weißwasser stellte er drei Thesen zur Diskussion. Die Digitalisierung hat bestehende Grenzen aufgelöst und verschoben. Es waren vermeintliche Grenzen, die sich auflösten, was vorher undenkbar war. „Durch Corona wissen wir jedoch den Wert des Analogen wieder neu wertzuschätzen“, betonte der Wissenschaftler die zweite These. „Menschen zu begegnen, ist durch nichts zu ersetzen. Bauchgefühl, Raumgefühl, Ästhetik, das Schmecken, das Riechen machen viel mehr her als nur ein Bild-Ton-Schnitt.“ Die dritte These ist eine Sinn-These. Digitalisierung ist das, was die Menschen daraus machen. Was gesellschaftlich sinnvoll und möglich ist, das sollte gemacht werden, unterstrich der Wissenschaftler. Er bekräftigte: Wie das Recht auf die Bildung, braucht es für die Jugend auch ein Recht auf Digitalisierung. Sonst verbaut die Gesellschaft einer ganzen Generation die Zukunftschancen. Gerade für Gebiete wie Weißwasser ist Digitalisierung eine wichtige Voraussetzung für eine moderne, sich wandelnde Arbeitswelt im Strukturwandel.

Für den Einstieg ist es nie zu spät

„Veränderung darf nicht als Gefahr, als Bedrohung wahrgenommen werden. Sie muss als Herausforderung gesehen werden“, meinte Sebastian Krüger vom Soziokulturellen Zentrum. Vor acht Jahren, so schilderte er, kehrte er in seine Heimatstadt Weißwasser zurück. Den Schritt hat er nicht bereut.„Weißwasser hat viele junge Menschen verloren. Sie fehlen uns jetzt für die Zukunft“, meinte Rentner Ingo Polzin (70). Mit der Digitalisierung, so findet er, sollte sich jeder inhaltlich auseinandersetzen. Er selbst geht diesen Schritt. In der DDR studierte er an der TU Dresden Informatik. Sein Leben lang arbeitete er später als Informatiker. Tätig war er im Kraftwerk Boxberg, später im Farbglaswerk Weißwasser und zuletzt als Lehrer im Beruflichen Schulzentrum in Weißwasser. Zu Hause hat er heute einen Internet-Anschluss mit mehr als 16.000 Mbit pro Sekunde. „Das reicht für mein Netflix, Internet und für meine E-Mails“, erläuterte der Rentner.

Mit Digitalisierung setzt sich auch die Volkshochschule Dreiländereck auseinander. Das resultiert vor allem aus der Corona-Pandemie. „Seit November 2020 mussten wir viele Kurse absagen. Das betraf vor allem Sprachkurse, Exkursionen, Länderkunde, Gesundheit und Kreatives“, erläuterte Kartin Delitz, Leiter des Bereichs Fremdsprachen, Integration, Politik, Gesellschaft. „Über unsere online-Plattform konnten wir einige Kurse weiterführen, zum Beispiel den Englisch-Kurs.“ Im neuen Semester ab Herbst, so hofft sie, können die Kurse wieder vor Ort stattfinden. Das Thema Digitalisierung wird die Einrichtung aber weiter begleiten.

Nicht alles funktioniert digital

„Ich schätze die heutigen digitalen Möglichkeiten sehr. Vor allem wenn es um Klimaschutz geht und darum, weite Wege einzusparen“, meinte Andreas Heinrich, Leiter des Projekts „Kontrovers vor Ort“ der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. „Für mich selbst sehe ich jedoch kein Gefühl der Entlastung.“

Seit Jahren engagiert er sich mit im Technischen Hilfswerk. Er ist Landessprecher Sachsen und gehört dem Gremium Landes-Ausschuss Sachsen / Thüringen an. Vergangene Woche tagte dieser in Leipzig. 15 Kameraden kamen direkt vor Ort, zehn Kameraden waren digital zugeschaltet. „Wir haben sechs Stunden Argumente ausgetauscht. Wir haben hart miteinander gestritten. Doch das war richtig gut. Ich hätte nie gedacht, wie viel Freude Streiten bereitet. Das kann man digital nicht abbilden.“

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