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Wie Weißwasser auf dem Friedhof investiert

In der Anlage in Weißwasser entstehen neue Wasserstellen und Urnengrabstätten. Auch am Sowjetischen Ehrenmal wird Hand angelegt.

An den neuen Wasserstellen kann man Wasser zapfen, auch die Gießkanne ausspülen.
An den neuen Wasserstellen kann man Wasser zapfen, auch die Gießkanne ausspülen. © Constanze Knappe

Fünf Wasserstellen hat Weißwasser im vorigen Jahr auf dem städtischen Friedhof abreißen lassen und durch neue ersetzt. Diese sind nicht nur größer, sie bieten zudem die Möglichkeit, die Gießkanne auszuspülen. 24.000 Euro, einschließlich kleinerer Erdbaumaßnahmen, hat sich die Stadt das kosten lassen. Und dabei soll es, wie jetzt von Steffen Korn zu erfahren war, nicht bleiben. Denn es ist geplant, 2021 auf dem Friedhof drei zusätzliche Wasserstellen zu errichten. „Damit wir das Gelände weiträumig erschließen können“, begründet der Sachgebietsleiter Gebäudemanagement der Stadtverwaltung Weißwasser.

Übersichtsplan über die Wasserstellen auf dem Friedhof in Weißwasser. Es sollen neue eingerichtet werden, um das Gelände weiter erschließen zu können
Übersichtsplan über die Wasserstellen auf dem Friedhof in Weißwasser. Es sollen neue eingerichtet werden, um das Gelände weiter erschließen zu können © Stadtverwaltung Weißwasser

Mit 30.000 Euro wird das allerdings teurer. „Es sind erhebliche Tiefbaumaßnahmen notwendig, weil an den vorgesehenen Plätzen noch keine Wasserleitung vorhanden ist“, sagt Steffen Korn. Ob das Vorhaben aber tatsächlich 2021 umgesetzt wird, das sei fraglich. Noch hat Weißwasser keinen beschlossenen, geschweige denn genehmigten Haushalt für das laufende Jahr. Zumindest ist die Summe im Entwurf eingestellt. Daher sei er optimistisch, dass die neuen Wasserstellen 2022 gebaut werden.

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Mit dem Vorhaben trägt die Stadt dem Rechnung, dass die Hinterbliebenen doch zumeist schon älter sind. Außerdem sollen die Gräberfelder erweitert werden, zum Beispiel in dem Bereich ab dem Eingang Juri-Gagarin-Straße. „Dort gibt es bisher weit und breit kein Wasser“, so Steffen Korn. Eine andere Wasserstelle ist in Nähe des Eingangs Mühlenstraße vorgesehen – unweit der als Strahl gestalteten Sondergrabanlage, deren neun Arme mit Urnen voll sind. Bei der Anlage gegenüber dem Jüdischen Friedhof handelt es sich um ein Flächendenkmal, welches auch den Bewuchs an Bäumen und Sträuchern einschließt.

Wie Elena Braunagel erklärt, sei die Nachfrage nach halbanonymen Grabstätten stark gestiegen. Die Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung hat auch gleich die Erklärung dafür parat: „Für die meisten Angehörigen, die schon älter sind, ist die Grabpflege beschwerlich, und die Kinder sind weit weg. Deswegen soll es wenig Arbeit machen und trotzdem schön aussehen.“ In Vorbereitung ist eine neue Grabanlage gegenüber des Ehrenhains für die Opfer des Nationalsozialismus für bis zu 22 Urnen. „Damit man es sich besser vorstellen kann, haben wir einige Platten hingelegt“, so Elena Braunagel. Die ersten drei Urnengrabstätten sind bereits reserviert.

Zudem gibt es Urnengrabstätten mit Grabsteinen, auf deren Fuß man eine bepflanzte Schale stellen kann. Die Gestaltung des Steins ist nach Größe und Farbton vorgegeben. Auch das werde gut angenommen, sagt sie. Damit sich Hinterbliebene die unterschiedlichen Grabstätten besser vorstellen können, führt die Friedhofsmitarbeiterin sie übers Gelände.

Reservisten pflegen Gedenkpfad

Eine Besonderheit auf dem Friedhof in Weißwasser ist der Gedenkpfad für die Opfer von Krieg und Gewalt. Er verbindet fünf Gedenkstätten: die Soldatengräber des 1. Weltkriegs sowie die des 2. Weltkriegs, den Ehrenhain für die Opfer des Faschismus, das Sowjetische Ehrenmal und den Jüdischen Friedhof. Der Pfad war auf gemeinsames Betreiben von Stadt und Denkmalkommission angelegt und am 4. Dezember 2010 eingeweiht worden. Als „ein Zeichen der Aussöhnung“ soll er kommenden Generationen helfen, die deutsche Geschichte zu verstehen. Sieben Jahre war an dem Projekt gearbeitet worden. 50.000 Euro kostete die Umsetzung, wofür die Stadt auch Geld vom Freistaat bekam. Begonnen wurde 2003 mit den Grabfeldern für die Gefallenen des 1. Weltkriegs. Von Anfang an beteiligt waren die Reservisten des Schutzbataillons 18 aus Braunschweig.

Und sie sind es noch immer. Im Vorjahr haben die Mitglieder der Reservisten-Arbeitsgemeinschaft (AG) Kriegsgräber mit Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Bepflanzung um die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus erneuert. Für 2021 sind umfangreiche Pflegearbeiten zur Entmoosung am Sowjetischen Ehrenmal auf dem Friedhof geplant. Die Stadt stellt dafür Material und Arbeitsmittel zur Verfügung, die Reservisten ihre Arbeitskraft. Für die Stadt ist der fünftägige Arbeitseinsatz eine wertvolle Hilfe, wie Steffen Korn betont. Allerdings dürfen nur solche Arbeiten verrichtet werden, die den freien Markt nicht trangieren.

Im Weißwasseraner Land haben die Reservisten seit 2006 zwischen Uhyst und Klein Priebus schon viele Denkmäler wieder ansehnlich gemacht. Und 2020 wurde in Krauschwitz-West eine Kriegsgräberstätte neu angelegt. In diesem Herbst werden die Reservisten nach Stand der Dinge nur in der Stadt Weißwasser zugange sein.

Friedhofsbüro schließt im August

Erstmals wird die Stadt das Vor-Ort-Büro auf dem Friedhof schließen. Aus personellen Gründe, wie es heißt. Die beiden langjährigen Mitarbeiterinnen sind in den Ruhestand gegangen, die Hauptsachbearbeiterin seit längerem erkrankt. Jetzt hält einzig Elena Braunagel die Stellung – sie hat demnächst Urlaub. Deshalb wird die Verwaltung auf dem Friedhof vom 2. bis 20. August nicht besetzt sein. Briefe werden normal behandelt, Mails in dieser Zeit aber nicht weitergeleitet. Das Telefon ist in die Stadtverwaltung umgestellt. Der Friedhof an sich bleibt selbstverständlich geöffnet.

Urnenbestattungen sollten bis 27. Juli angemeldet werden, damit Frau Braunagel die Unterlagen noch bearbeiten kann. Auch sei eine Verschiebung bis zu sechs Wochen möglich. Erdbestattungen müssen hingegen relativ zügig erfolgen. Deshalb hat die Stadt als Vertretung das Bestattungshaus Kaiser vertraglich gebunden.

Friedhofsverwaltung Weißwasser: Sprechzeiten Dienstag 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Donnerstag 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr. Telefon 03576 205391

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