merken
PLUS Weißwasser

Ein Jahr voller Ungewissheit

Corona ist für die Tischlerei Zeisig in Halbendorf eine große Herausforderung. Auch über den Jahreswechsel hinaus.

Rico Bohla (li.) und sein Chef Matthias Zeisig bei Verleimarbeiten an einem Fenster. Die meisten Bauelemente, die die Tischlerei in denkmalgeschützte Häuser in Dresden einbaut, stammen aus der eigenen Herstellung – wie auch diverse Möbel für Praxen u
Rico Bohla (li.) und sein Chef Matthias Zeisig bei Verleimarbeiten an einem Fenster. Die meisten Bauelemente, die die Tischlerei in denkmalgeschützte Häuser in Dresden einbaut, stammen aus der eigenen Herstellung – wie auch diverse Möbel für Praxen u © Joachim Rehle

So hatte sich Matthias Zeisig das Jahr 2020 ganz und gar nicht vorgestellt. Nicht, dass der Tischlermeister in Halbendorf über zu wenig Arbeit klagen müsste, doch corona-bedingt lief es für ihn und seine Mitarbeiter zeitweise ganz anders als gedacht. Diverse Pandemie-Maßnahmen haben ihn in manchen Situationen doch wesentlich betroffen. So musste zum Beispiel ein Mitarbeiter wegen der geschlossenen Kita und Schulen seiner Kinder zu Hause bleiben. Die öffentlich diskutierte Forderung, dass die Arbeitgeber dafür die Lohnfortzahlung in voller Höhe übernehmen, gehe in einem kleinen Unternehmen wie der Tischlerei gar nicht. Zwar gebe es staatliche Unterstützung, doch deren Beantragung sei zu umständlich und mit viel zu viel Bürokratie verbunden. Am schlimmsten aber fand der Tischlermeister „die Unsicherheit, weil keiner wusste, wie weit man vorausplanen darf.“

Den Schwibbogen hat ein Weißwasseraner gefertigt. Zu groß für eine Wohnung, fand das dekorative Teil seinen Platz in der Ausstellungshalle der Tischlerei Zeisig.
Den Schwibbogen hat ein Weißwasseraner gefertigt. Zu groß für eine Wohnung, fand das dekorative Teil seinen Platz in der Ausstellungshalle der Tischlerei Zeisig. © Joachim Rehle

Keine Betriebsruhe möglich

Eigentlich sollte an den Tagen vor Heiligabend schon Betriebsruhe sein. Doch galt es, noch so einiges aufzuarbeiten. Ein Kunde bekam noch kurz vor Weihnachten seine neue Küche eingebaut, ein anderer die Arbeitsplatten seiner Küche ausgetauscht. Ein Holzfenster für eine Arztpraxis in Dresden musste unbedingt noch fertig werden, weil daran ein Folgeauftrag für das nächste Jahr hängt.

August Holder GmbH
Zuverlässigkeit und Erfahrung
Zuverlässigkeit und Erfahrung

Kettensäge kaputt oder Profi-Gerät für´s Wochenende gesucht? Bei HOLDER kein Problem: Onlineshop, Werkstatt und Leihservice sorgen für funktionierendes und passendes Gerät.

Dass während der Corona-Pandemie die Politik so stark in die Wirtschaft eingreift, findet der 50-jährige Halbendorfer alles andere als gut. Hier im östlichsten Zipfel von Sachsen sei das Handwerk ohnehin schon gebeutelt genug. Durch den kommenden Strukturwandel befürchtet Matthias Zeisig, dass mit den Gutverdienern in Tagebau und Kraftwerk Aufträge in der Region wegbrechen werden. Schon jetzt käme nur noch ein geringer Teil der Auftraggeber von hier. Was auch daran liegt, dass zwischen Weißwasser und den Neißedörfern das Preisniveau nicht das ist, das eigentlich notwendig wäre, um beispielsweise die Fixkosten zu bedienen. Vor zehn Jahren hat Matthias Zeißig groß investiert in eine Fräsmaschine, Plattenaufteilmaschine, Kantenanleimmaschine und eine Schleifmaschine – allesamt CNC-gesteuert. „Ohne solche Technik geht es doch heute nicht mehr“, ist er überzeugt. Das CNC-Bearbeitungszentrum ermögliche, schnell und flexibel auf Kundenwünsche zu reagieren.

Seit 1998 im Geschäft

Im Jahre 1993 hatte sich Matthias Zeisig zur Weiterbildung auf die Schulbank gesetzt. Mit dem Meisterbrief in der Tasche eröffnete er 1998 auf dem Vierseithof seiner Eltern in Halbendorf die eigene Tischlerei. In den 22 Jahren seither hat die Firma Zeisig vielerorts Spuren hinterlassen. Etwa im Standesamt und der Stadtbibliothek Weißwasser, im Sorbischen Kulturzentrum in Schleife, aber auch bundesweit. Das Unternehmen ist beim Ausbau denkmalgeschützter Häuser in Dresden gefragt.

Die dafür erforderlichen Bauelemente wie Türen, Fenster und Treppen werden zumeist in eigener Produktion hergestellt. Wie auch diverse Möbel für Praxen oder Wohnungen. Für einen Tisch, der sich nach dem Prinzip einer Teleskop-Antenne auf 2,80 Meter ausziehen lässt, bekam die Tischlerei Zeisig 2012 den sächsischen Staatspreis für Design.
Mehr als 80 Prozent der Aufträge kommen mittlerweile aus der Landeshauptstadt. Insofern waren die vom Freistaat verhängten Verordnungen eine der vielen Unsicherheiten während der Corona-Pandemie. Aktuell beschäftigt Matthias Zeisig fünf Mitarbeiter und bildet zwei Azubis aus. Einer davon ist sein Sohn. Es sei schwer, Leute zu kriegen, sagt er. Seit drei Jahren schon würde er gerne Möbeltischler einstellen. Oder ausbilden. Aber Bewerber dafür gibt es nicht.

Investieren? Ja, aber ...

Matthias Zeisig blickt mit gemischten Gefühlen ins neue Jahr. Eigentlich möchte er 2021 wieder investieren, beispielsweise eine neue Absauganlage anschaffen und an die Holzverwertung anbauen. Die Planung dafür ist fertig und sogar schon genehmigt, das Zeitfenster allerdings sei reichlich ungewiss. „Wenn es tatsächlich den befürchteten Knick in der Wirtschaft gibt, dann lassen wir es sein“, sagt der Tischlermeister. Da sei er zu sehr ein gebranntes Kind. Vor sechs Jahren war er nach einem starken finanziellen Einbruch gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen.

Wie er seinerzeit an manche Projekte heranging, das habe ihn fast die Firma gekostet. „In solchen Situationen lernt man beten“, erklärt der gläubige Christ. Er habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es nach jeder Krise weitergeht. In der Corona-Pandemie sei es ähnlich. Aus dem Glauben habe er sich die Kraft geholt, als die Verunsicherung besonders groß war und es schien, als gehe die Hoffnung verloren. „In solchen Momenten bin ich froh, Christ zu sein“, sagt Matthias Zeisig, der mit seiner Familie der Freikirche in Schleife angehört.

Den Jahreswechsel wird er mit seiner Frau Sandra und den vier Söhnen (21, 19, 17 und 12 Jahre) zu Hause verbringen. Die Zeit zwischen Weihnachten und dem neuen Jahr nutzt er, um abzuschalten. Bis Anfang März ist das Auftragsbuch voll. Gleich im Januar geht es mit einem Innenausbau in Dresden weiter.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser