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Zauberer gegen Virus machtlos

Der Unternehmer und Stadtrat Hartmut Schirrock verlor den Kampf gegen Corona. Für Weißwasser ein großer Verlust.

Der Unternehmer und Stadtrat Hartmut Schirrock verlor den Kampf gegen Corona. Für Weißwasser ein großer Verlust.
Der Unternehmer und Stadtrat Hartmut Schirrock verlor den Kampf gegen Corona. Für Weißwasser ein großer Verlust. © Constanze Knappe

Mit großer Bestürzung haben Freunde und Bekannte jetzt erfahren, dass Weißwassers erster stellvertretender Bürgermeister Hartmut Schirrock (Klartext) verstorben ist. Erst in der vorigen Woche hatte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) mit Betroffenheit in beiden Ausschüssen des Stadtrats erklärt: „Der Krankheitsverlauf eines von mir sehr geschätzten Ratskollegen und Freundes macht mir persönlich sehr zu schaffen. Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass er vollständig und schnell wieder gesund wird.“ Diese Hoffnung des OBs und vieler anderer Bürger in der Stadt hat sich nicht erfüllt. Hartmut Schirrock ist in dieser Woche im Alter von 62 Jahren seiner schweren Covid 19-Erkrankung erlegen.

Für Weißwasser ein großer Verlust. Als engagierter Kommunalpolitiker bestimmte er die Entwicklung der Stadt mit. Umso größer sind nun Anteilnahme und Mitgefühl für seine Familie.

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Fassungslos nahm man bei Klartext die traurige Nachricht auf. Dort ist man „unsäglich betroffen“, dass Hartmut Schirrock den Kampf gegen das Virus verloren hat, dass ihm keine Zeit mehr blieb, um all das zu realisieren, was er sich vorgenommen, wovon er geträumt hatte. Aus den Reihen der Wählervereinigung heißt es, dass er so sehr fehlen wird: als fairer, engagierter, kluger und freundlicher Mensch. Und als ein aufrichtiger Freund noch dazu.

Im Jahr 1979 war Hartmut Schirrock mit seiner Frau nach Weißwasser gekommen. Mit der Aussicht auf Selbstständigkeit hatte man ihn hierher gelockt, um eine Versorgungslücke zu schließen. Eine der Bedingungen für das Führen einer Uhren-Reparaturwerkstatt bestand darin, den Meisterbrief zu machen. Mit der Wende bot sich die Chance zur Erweiterung.

Seit vielen Jahren engagierte sich der Uhrmachermeister in der Kommunalpolitik, war seither an vielen großen und kleinen Entscheidungen zu den Geschicken von Weißwasser beteiligt. 2008 regte er einen Preis für Familienfreundlichkeit für Firmen und Vereine an, um zum Teil weniger bekanntes, soziales Engagement in der Stadt aufzuspüren. 2015 initiierte er beispielsweise einen „Meckerzettel“, um mit Bürgern intensiver ins Gespräch zu kommen, was sie in der Stadt stört. Im Jahr davor, also 2014, kandidierte er für die dritte Amtszeit hintereinander für den Stadtrat. Er wurde nicht nur erneut in das höchste Gremium der Stadt gewählt (seinerzeit noch für die Wählervereinigung Wir Für Hier), sondern auch zum ersten stellvertretenden Bürgermeister. Vor allem wegen seines „mäßigenden Einflusses in hitzigen Debatten“ schien er für dieses Amt wie geschaffen, hieß es seinerzeit. 2019 wurde er (mittlerweile bei Klartext) darin bestätigt.

Großes Maß an Optimismus

Hartmut Schirrock hat sich sehr dafür engagiert, dass der Einzelhandel in Weißwasser mit gemeinsamen Aktionen zum einen dem wachsenden Onlinegeschäft und zum anderen dem Abwandern der Kunden nach Hoyerswerda, Bautzen oder Cottbus etwas entgegensetzen konnte. Er war eine der treibenden Kräfte zur Belebung der Innenstadt. Seine Meinung als Stadtrat und Unternehmer fand deshalb nicht nur in Weißwasser Gehör.

2014 übergab er das Fachgeschäft für Uhren und Schmuck samt Reparaturwerkstatt an seinen Sohn, den Goldschmiedemeister Robert Schirrock. Gemeinsam nahmen sie an Aktionen wie den „Tagen der offenen Unternehmen“ oder der „Spätschicht“ teil, um den Weißwasseranern Einblick in die heimische Wirtschaft zu geben.

Den Beschluss zum Lockdown vor Weihnachten 2020 hielt Hartmut Schirrock für „schmerzlich, aber unausweichlich“. Dennoch bewahrte er sich ein großes Maß des ihm eigenen Optimismus. Mitte Januar 2021 äußerte er gegenüber TAGEBLATT, dass ihm der persönliche Kontakt, „wenn man den Gesichtsausdruck des Kunden nicht sehen kann“, sehr fehle.

Zaubern am liebsten für Kinder

Weit über Weißwasser hinaus wurde Hartmut Schirrock aber noch auf andere Art bekannt. Das Publikum liebte die Kunststücke des Zauberers. Schon mit 15 Jahren hatte er bei einem Talentewettbewerb überzeugt und war daraufhin zum Zauberclub Cottbus, einer Ortsgruppe des Magischen Zirkels in Deutschland, geschickt worden. Seine einstige Bühnenpartnerin Annette, eine gelernte Uhrmacherin, wurde auch sonst die Frau an seiner Seite. Im Juni 1979 heirateten die Zwei und zogen im September nach Weißwasser. 2005 avancierte er sogar zum Deutschen Meister der Zauberer in der Sparte „Zauberkunst für Kinder“. Für sein Meisterschaftsprogramm machte er die Räder eines Fahrrads mit Speichen viereckig. Damit sei ihm sozusagen die Quadratur des Kreises geglückt, erzählte er einmal. Kinder mit vor Staunen großen Augen waren ihm sein liebstes Publikum. Aus dem Stegreif hätte er 250 Kunststücke vorführen können, für mindestens genau so viele hätte er „ein bisschen üben“ müssen.

Sein Handwerk für die Zauberei an den Nagel zu hängen, die Idee kam dem Uhrmachermeister Hartmut Schirrock aber nie. Sein 45-jähriges Bühnenjubiläum beging er im November 2019 mit einer großen Zauber-Show in der Telux. Vorab hatte er TAGEBLATT verraten, dass ihm im Laufe der Jahre gelegentlich ein Trick auf der Bühne misslang. Dann war es an ihm, den Patzer charmant-professionell zu überspielen. Nur eins ist ihm nicht geglückt: Das Virus in seinem Körper hat er nicht wegzaubern können. Seinen ganz persönlichen Kampf gegen Corona verlor er endgültig.

Der Tod von Hartmut Schirrock reißt eine tiefe Lücke – in seine Familie, in die Stadt Weißwasser und in die Herzen all jener, die ihn mochten und schätzten. Man wird sich immer wieder gern und voller Respekt an ihn erinnern.

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