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Zoos: Testpflicht ist Sterben auf Raten

Nicht nur in Weißwasser brachen die Besucherzahlen drastisch ein. Sachsen soll lockern, wie es andere gemacht haben.

Die Rasselbande bei Familie Emu im Tierpark Weißwasser. Die Minis sind jetzt acht Wochen alt. Ob es sich bei den Küken um Mädels oder Jungs handelt, kann erst später durch den DNA-Test an jeweils einer Feder nachgewiesen werden.
Die Rasselbande bei Familie Emu im Tierpark Weißwasser. Die Minis sind jetzt acht Wochen alt. Ob es sich bei den Küken um Mädels oder Jungs handelt, kann erst später durch den DNA-Test an jeweils einer Feder nachgewiesen werden. © Constanze Knappe

Ein sorgsamer Vater ist der Emu. Aufopferungsvoll kümmert er sich um seinen Nachwuchs. Die drei Mini-Emus sind etwa acht Wochen alt, putzmunter und allerliebst anzuschauen. Doch nur wenige Besucher im Tierpark Weißwasser erfreuen sich an diesem Anblick.

Seit für den Zoobesuch Testpflicht besteht, ging die Zahl der Besucher drastisch zurück. Zu Pfingsten waren es gerade mal 30 Prozent derer, die sonst an solchen Feiertagen üblich sind. Bei schönstem Wetter wies die Kasse an einem Tag der Vorwoche 20 Euro Einnahmen aus, während es unter vergleichbaren Bedingungen normalerweise 150 Euro wären. Und das geht nicht nur dem Tierpark in Weißwasser so.

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Als die Zoos im Herbst vorigen Jahres mit Hygienekonzepten, Abstandsregeln und Kontaktverfolgung wieder öffnen durften, nutzten die Besucher selbst bei weniger gutem Wetter die Möglichkeit zum Spaziergang. Auch im Tierpark Weißwasser. Umso mehr freute man sich, nach Ostern wieder Besucher begrüßen zu dürfen. Was die von da an geltende Testpflicht für Zoos bringen würde, ließ sich höchstens erahnen. Inzwischen lässt sich belegen, dass es im Zuge der Testpflicht in Sachsen mit den Besucherzahlen abwärtsging. Während der folgenden „Bundesnotbremse“ haben sie sich auf einem absoluten Tiefpunkt bei unter 30 Prozent eingepegelt.

Regelungen nicht nachvollziehbar

Die aktuelle Landesverordnung verlangt im Freistaat für Inzidenzen zwischen 100 und 50 die Vorlage eines Negativtests im Zoo. Als Sachsen aber auch noch festlegte, dass Selbsttests nur noch unter Aufsicht anerkannt werden, gab das den Rest. „Potenziellen Gästen ist das viel zu umständlich, wenn sich die ganze Familie vor dem Zoobesuch erst einmal testen lassen muss. Da bleiben die Leute lieber gleich ganz weg“, stellt Gert Emmrich fest. In seinem Beisein könnten Besucher des Tierparks in Weißwasser einen Selbsttest machen und würden das von ihm bescheinigt bekommen. Doch ob dieser Zettel irgendwo anders anerkannt wird oder ob die Bescheinigung eines Tests etwa vom Friseur ebenso für den Zoobesuch gilt, das sei nirgendwo eindeutig geregelt. Damit schwinde zusehends das Vertrauen der Menschen in die Corona-Politik der Regierung. Es sei nicht nachvollziehbar, dass man ohne Test in jeden Bau-, Garten- oder Lebensmittelmarkt dürfe, aber ausgerechnet in den Zoo nicht, wo man sich doch an der frischen Luft aufhalte, macht der Weißwasseraner Tierparkchef seinem Ärger Luft. Zoos und Tierparks sind mit ihren bewährten Hygienekonzepten, viel Platz an der frischen Luft und damit anerkannt äußerst geringem Infektionsrisiko keine Pandemietreiber, sagt er.

Herbe Verluste bedeutet die aktuelle Situation für die zoologischen Einrichtungen. Sie müssen trotz Öffnung draufzahlen. Die Testpflicht sei für Zoos und Tierparks ein Sterben auf Raten. So jedenfalls sieht man es in der Deutschen Tierparkgesellschaft (DTG). Als deren Präsident hat Gert Emmrich einen offenen Brief an Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) und die Staatsministerin für Soziales Petra Köpping (SPD) geschrieben. Darin macht er auf die Folgen der Testpflicht für die meisten Zoos und Tierparks aufmerksam: auf den bis zu 80-prozentigen Rückgang an Besuchern im Vergleich zur Öffnung nach dem ersten Lockdown im Mai 2020. Der DTG-Präsident verbindet damit die dringende Bitte, in der kommenden sächsischen Corona-Schutzverordnung die Testpflicht für Zoos und Tierparks bei Inzidenzen unter 100 zu streichen. Im TAGEBLATT-Gespräch erklärt er, dass es in anderen Bundesländern – etwa in NRW und Niedersachsen – bereits so gehandhabt wird.

Mehrkosten sind nicht zu decken

Der Direktor des Naturschutz-Tierparks in Görlitz räumt ein, dass Zoos und Tierparks jetzt natürlich mehr Einnahmen als während einer Schließung haben. Sven Hammer macht aber auch darauf aufmerksam, dass „die Mehrkosten für einen geöffneten Zoo oder Tierpark vom ersten Besucher an deutlich höher sind und unter den genannten Bedingungen meist kaum oder gar nicht gedeckt werden können.“ Zudem sind zoologische Einrichtungen Saisonbetriebe. Mitten in der Hauptsaison müssten sie jetzt eigentlich das Geld für den Großteil des gesamten Jahres erwirtschaften. „Wir haben aber aktuell kaum eine Chance, unsere Kosten wenigstens zu decken, da schlicht und ergreifend nicht ausreichend Besucher kommen“, sagt Gert Emmrich. „Um weitere wirtschaftlichen Schäden abzuwenden, hofft man auch im Zoo Hoyerswerda, dass die sächsische Staatsregierung ab 1. Juni die Schnelltestpflicht bei einer 7-Tage-Inzidenz unter 100 abschafft.

Wenigstens hat der Freistaat angekündigt, die Verluste der Zoos und Tierparks auszugleichen. Die Förderung ist auf den Zeitraum von Januar bis Mai begrenzt. Dabei werden die erzielten Einnahmen berücksichtigt. Aber ebenso, und das bringt Gert Emmrich richtig auf die Palme: auch eingegangene Spenden! Die aber würden dann an anderer Stelle fehlen. Zu verstehen sei das ganz und gar nicht, betont er.

Putzige Jungtiere zu bestaunen

In den Zoos und Tierparks hofft man sehr auf ein Einsehen der Politik und den erleichterten Zugang für die Besucher. Auch, wie es die DTG begründet, um der sozialen Ausgleichsfunktion gerecht zu werden. „Es ist doch wichtig, dass sich die Familien mal außerhalb ihrer vier Wände erholen können“, findet nicht nur Gert Emmrich.

Im Tierpark Weißwasser gebe es da einiges zu bestaunen. Angefangen von den drei Mini-Emus, für die in den nächsten vier Monaten ein neues Zuhause gesucht wird. Die Mufflons haben zwei Jungtiere. Sie werden gegen andere Tiere getauscht, weil die Böcke sowieso aus der Gruppe raus müssen und „frisches Blut“ in der Gruppe wichtig sei. Bei den Damhirschen sei in Kürze mit Nachwuchs zu rechnen. Die drei Känguru-Babys sind niedlich und quicklebendig. Eins springt schon draußen herum, ein zweites hin und wieder mal, das dritte lugt zumindest aus dem Beutel seiner Mama. Die Uhus sind von ihren Eiern weg, was bei dem Bestand aber nicht weiter tragisch ist. Alle tierischen Bewohner kamen gut über den Winter. Jetzt im Frühjahr sei „alles schön feucht und grün“, wie Tierparkchef Gert Emmrich sagt. Es müssten nur noch die Besucher kommen ...

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