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Lockdown bringt Tierpark Weißwasser in Bedrängnis

Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr mit Hindernissen – das erleben Alida Olluri und Pia Schmidt derzeit im Zoo. Gedacht war das so nicht.

Nicht überall geht es so lustig zu wie bei den Ziegen. Pia Schmidt (li.) und Alida Olluri absolvieren ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Tierpark Weißwasser. Dieser hat wegen der Corona-Allgemeinverfügung seit Anfang November geschlossen.
Nicht überall geht es so lustig zu wie bei den Ziegen. Pia Schmidt (li.) und Alida Olluri absolvieren ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Tierpark Weißwasser. Dieser hat wegen der Corona-Allgemeinverfügung seit Anfang November geschlossen. © Joachim Rehle

So haben sich Alida Olluri und Pia Schmidt die Sache gewiss nicht vorgestellt. Vor einigen Wochen lachten die beiden Mädels, die ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Tierpark Weißwasser absolvieren, mit der Sonne um die Wette. Inzwischen ist nicht nur das Wetter hässlicher geworden. Auch dem Tierpark-Chef dürfte das Lachen vergehen. Seit dem 2. November ist der Tierpark wie alle Zoos in Sachsen aufgrund der Allgemeinverfügung des Freistaats wegen Corona geschlossen.

„Nachvollziehbar ist das bis heute nicht. Es gibt kein einziges stichhaltiges Argument dafür“, erklärt Gert Emmrich auf Nachfrage von Tageblatt. Zum einen nicht, weil Tierparks in Sachsen allesamt strenge Hygienekonzepte erarbeitet haben, man Besucherzahlen limitieren und Besucherströme lenken kann. Ganz zu schweigen davon, dass der Besuch einem Spaziergang an frischer Luft gleichkommt und Abstände besser als anderswo einzuhalten sind. Und zum anderen nicht, weil Zoos in anderen Bundesländern öffnen dürfen.

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Nicht nur in Weißwasser sind mit der Schließung sämtliche Einnahmen weggebrochen. Gert Emmrich rechnet, wenn nicht im Dezember, so spätestens im Januar/Februar, mit ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. Denn anders als nach dem ersten Lockdown sei nach einer Wiedereröffnung im Winter nicht zu erwarten, dass Besucher zuhauf den Tierpark stürmen. Die Beantragung von Kurzarbeit sei nicht möglich, weil die Arbeit ja da ist, sprich die Tiere trotz aller Widrigkeiten versorgt werden müssten. Von den staatlicherseits angekündigten Corona-Hilfen haben die Tierparks im ersten Lockdown nichts gesehen. Im November stehen nach erster Lesart zwar Hilfen in Aussicht, doch "nichts Genaues weiß man nicht".

Förderverein plant Spendenaktion

Wenigstens stehen die Weißwasseraner zu ihrem Tierpark. Erste Spenden sind eingegangen. Auch gibt es ein Angebot, dass jemand Weihnachtssterne basteln, verkaufen und den Erlös dem Tierpark überlassen möchte. Noch sei allerdings unklar, wo man die Sterne verkaufen könnte, da ja alle Weihnachtsmärkte im Nordkreis wegen der Corona-Vorschriften abgesagt sind und der Zoo-Shop ebenfalls geschlossen ist. Der Förderverein des Tierparks bereitet eine Spendenaktion vor, die noch in dieser Woche gestartet werden soll.

All das beschäftigt natürlich auch die FÖJ-lerinnen. Eigentlich waren sie darauf vorbereitet, in Kontakt mit Besuchern zu kommen. Doch daraus wird erstmal nichts. Die Zooschule muss ebenfalls pausieren.

Pia Schmidt hat ihr Abitur am Gymnasium in Niesky gemacht. Im Internet und durch Freunde erfuhr die 19-Jährige aus Kodersdorf vom FÖJ. Sie googelte nach Stellen in der Region und stieß auf den Trägerverein Valtenbergwichtel. Ihre erste Idee, das FÖJ in einem Tierheim zu machen, habe sie schnell verworfen, erzählt sie. Umso größer war dann die Freude, dass sie eine Stelle im Tierpark Weißwasser ergattern konnte. Ihre Mutti sei davon zunächst nicht begeistert, dann aber froh gewesen, dass die Tochter etwas gefunden habe, was ihr Spaß macht. Pia sagt von sich selbst, dass sie sich schlecht anstelle, was Entscheidungen betrifft. Insofern sei das FÖJ eine gute Gelegenheit, über berufliche Perspektiven nachzudenken, und zugleich die Möglichkeit, „auf Probe mit Tieren zu arbeiten“.

Alida Olluri aus Weißwasser hat nach dem Abschluss der Realschule eine Ausbildung zur Physiotherapeutin in Görlitz begonnen. Das aber sei nicht so gewesen, wie sie es sich vorgestellt hatte, erzählt die 17-Jährige. Ihre Familie brachte sie auf das FÖJ. Da Tante und Onkel im Tierpark Weißwasser arbeiten, hatte sie schon vorher eine enge Bindung an den Zoo. Da bot sich das FÖJ geradezu an. Ihre Tante habe sie jedenfalls darin bestärkt. „Es ist schön, mit Tieren zu arbeiten“, sagt Alida. Und auch, dass sie zu jeder Jahreszeit gerne in der Natur sei.

Nach der Fütterung Gehege putzen

Schon seit März hatte Pia keine Schule mehr, lediglich zu den Prüfungen war sie noch mal dort. Deshalb war sie froh, als es im September mit dem FÖJ losging. „Die ersten drei Tage waren ganz schön anstrengend“, blickt sie zurück. Das bestätigt auch Alida. Doch die fügt noch hinzu, dass es nach den acht Stunden in der Physiotherapie-Ausbildung keine große Umstellung war. Auch nicht, zeitig aufzustehen.

Um 7 Uhr beginnt der Arbeitstag der beiden Mädels. Auf ihrer ersten Fütterungsrunde gehen sie zu den Vögeln am oberen Teich, zu den Kaninchen, aber auch zu Wildkatze und Steinkauz. Danach beginnt die eigentliche Arbeit: Gehege saubermachen. Da sie fast immer zu zweit arbeiten, macht es ihnen „großen Spaß“. Genervt hat die Beiden eigentlich nur jener Tag, an dem es „so richtig geschüttet hat“. Inzwischen haben sie sich auch daran gewöhnt und sind „auf jedes Wetter vorbereitet“.

Nachdem 2012 mit dem Zivildienst Schluss war, wurde der Tierpark Weißwasser recht schnell ein Partner fürs FÖJ. Seit vier Jahren bietet der Zoo jeweils zwei Einsatzstellen an. Die Zahl der Bewerber ist allerdings regelmäßig deutlich höher. Darunter sind nur 30 Prozent Jungs.

Nützliche Projekte für den Zoo

„Mädchen wollen das machen, weil sie gern mit Tieren zusammen sind, eine Ausbildung oder ein Studium in einer verwandten Richtung anstreben“, weiß Gert Emmrich. Dass drei der früheren FÖJ-ler Zootierpfleger wurden, darauf ist man in Weißwasser ein bisschen stolz. Dem Zoo bringt das FÖJ Unterstützung in der Tierpflege. Aber nicht nur das. Während der Projekte, die die FÖJler zu erarbeiten haben, entstanden tolle Beschäftigungsmöglichkeiten für Tiere, erwuchsen hilfreiche Tipps, was man wie umgestalten könnte. Alida Olluri weiß noch nicht wie es nach dem FÖJ für sie weitergeht. Eine Ausbildung in der Immobilienwirtschaft könnte sie sich vorstellen.

Pia Schmidt liebäugelt mit Psychologie oder Landschaftsökologie und Umweltschutz. Am allerliebsten aber würde sie Forstwirtschaft in Tharandt studieren, so wie ihr Bruder. „Wie sich die ökologischen Systeme im Wald verhalten, das hat mich schon immer interessiert, auch der Naturschutz im Wald“, sagt sie.

Spenden: Förderverein Tierpark Weißwasser e. V., Spendenkonto bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien IBAN: DE14 8505 0100 0070 0566 50, Verwendungszweck: Hilfe für den Tierpark. Telefon 03576 208366 oder per Mail: [email protected]

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