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Weit weg

Speerwerfer Lars Hamann muss zuschauen, wie die deutschen Konkurrenten enteilen. Seine Saison ist dagegen ungewiss.

© Fotostand

Von Michaela Widder

Woche für Woche erzielen die deutschen Speerwerfer schon Weiten, dass der Konkurrenz weltweit langsam schwindelig werden muss. Für Lars Hamann ist die Situation im Moment doppelt schwer. Das Trio um Olympiasieger Thomas Röhler, Weltmeister Johannes Vetter und den dritten 90-Meter-Werfer Andreas Hofmann wirft mittlerweile in einer anderen Liga, und der Dresdner hadert mit einer Verletzung – mal wieder.

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Hamann hatte sich im Februar im Training einen Kapseleinriss im Ellbogen am Wurfarm zugezogen. „Es gab einen kurzen Ruck und dann war es passiert“, erzählt der 29-Jährige, der in seiner Karriere immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wird. Diesmal sind es rund drei Monate, die ihm im Training fehlen. „Für mich ist jetzt Januar“, sagt er.

Erst seit rund vier Wochen hat er wieder einen Speer in der Hand. Bei jedem Wurf spürt er noch einen Schmerz. „Aber wir machen ja auch keinen Gesundheitssport.“ Mit Spritzen und Magnetwellen sei der rechte Ellbogen behandelt worden. „Eigentlich hilft nur Ruhe“, sagt Hamann und erklärt das Dilemma eines Leistungssportlers. Wenn man eine Woche ausfällt, braucht man drei Wochen, um wieder ranzukommen.

Ob er überhaupt in dieser Saison Wettkämpfe bestreitet, ist noch offen. Sein Ziel sind die deutschen Meisterschaften am 23. Juli. Um sich noch eine winzige Chance auf die Heim-Europameisterschaft zu bewahren, muss er in Nürnberg starten. Drei Startplätze hat der Deutsche Leichtathletik-Verband für den großen Höhepunkt in Berlin, und in keiner anderen Disziplin dürften die so sicher vergeben sein wie derzeit im Speerwurf. Die Männer hierzulande bestimmen den Weltmaßstab. Sechs Weiten über 90 Meter gab es allein schon in dieser Saison – geworfen von Vetter, Röhler und Hofmann. Das Dreigespann hatte Anfang Mai beim Diamond-League-Meeting in Doha geschlossen die magische Marke übertroffen, einen so hochklassigen Speerwurf-Wettbewerb hatte es zuvor noch nie gegeben.

Der Mannheimer Hofmann stellte am vergangenen Sonntag beim Rehlinger Pfingstsportfest mit 91,44 Metern eine starke neue Bestleistung auf – und buhlt nun auch um den deutschen Rekord mit, zu dem ihm exakt noch drei Meter fehlen. „Ich will mich da jetzt nicht aus dem Fenster lehnen, aber ich weiß, was in mir steckt und was ich werfen kann. Natürlich ist der deutsche Rekord für mich auch ein Thema“, sagt Hofmann selbstbewusst. Die nationale Bestmarke hält seit dem 11. Juli 2017 der Dresdner Vetter (94,44), Röhler hatte sie damals erst zwei Monate zuvor verbessert. Und der Rekord dürfte noch in diesem Jahr fallen.

Hamann liegt mit seiner Bestweite knapp acht Meter dahinter, ausgestellt hat er sie im vorigen Jahr mit 86,71 Meter. Trotzdem reichte es nicht für einen Platz im WM-Team. In wohl jedem anderen Verband wäre er sicher für das Großereignis gesetzt. In dieser Saison mit seiner Verletzung ist es nun noch schwerer, den Anschluss zu schaffen. Viele Worte verliert er darüber nicht: „Die Situation in Deutschland ist nicht einfach. Die Norm ist bei uns egal, man muss 90 Meter werfen.“ Wie weit weg Hamann davon ist, wissen nur er und seine Trainerin Katharina Wünsche.