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Weiterer IS-Angriff in Kabul

Mehr als 150 Tote alleine im Januar: Kabul ist ein gefährliches Pflaster. Zum Wochenbeginn schlagen IS-Islamisten erneut in der afghanischen Hauptstadt zu. Diesmal ist das Militär ihr Ziel.

© Rahmat Gul / AP / dpa

Kabul. Bei einem Angriff von fünf schwer bewaffneten Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf eine Einrichtung der afghanischen Streitkräfte in Kabul sind nach offiziellen Angaben mindestens 15 Menschen getötet worden, darunter vier der Angreifer. Zwei Angreifer hätten sich in die Luft gesprengt, zwei weitere seien erschossen und einer verhaftet worden, sagte der Sprecher des Verteidigungs-ministeriums, Daulat Wasiri, am Montagmorgen. 16 afghanische Soldaten wurden bei dem Angriff verletzt. Zuvor hatte es geheißen, es seien fünf Soldaten getötet und zehn verletzt worden.

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Teilnehmer einer Beerdigung beten für eines der Opfer, das bei einem Anschlag am Samstag getötet wurde.
Teilnehmer einer Beerdigung beten für eines der Opfer, das bei einem Anschlag am Samstag getötet wurde. © Rahmat Gul / AP / dpa
Die Einflussgebiete von IS und Taliban in Afganistan.
Die Einflussgebiete von IS und Taliban in Afganistan. © dpa-infografik

Der Angriff galt Wasiri zufolge einem Stützpunkt der 111. Brigade in der Nähe der Marschall-Fahim-Militärakademie. Er widersprach damit Meldungen, dass die große Militärhochschule selbst angegriffen worden sei. Das hatten zuvor unter anderem der Präsidentenpalast, ein in der Gegend lebender Offizier und afghanische Medien berichtet.

Es wurde nicht unmittelbar klar, ob es sich um eine semantische Unterscheidung handelt, um ein weiteres Versagen von Sicherheitskräften beim Schutz schwer bewachter Einrichtungen zu verschleiern. Satellitenbilder zeigen die beiden Militäreinrichtungen in der afghanischen Hauptstadt sehr nahe beieinander. Bereits im Oktober waren am Tor der Akademie bei einem Selbstmordattentat der Taliban auf einen Bus voller Kadetten mindestens 15 Menschen getötet worden.

Im Schutze der Dunkelheit hatten die Islamisten gegen fünf Uhr morgens ihren Angriff begonnen. Die Kämpfe endeten Wasiri zufolge nach knapp fünf Stunden am Vormittag. Der IS reklamierte den Überfall für sich, wie die Site Intel Group unter Berufung auf das IS-Sprachrohr Amak meldete.

Anschlag ist einer von vielen

Es war der vierte schwere Vorfall in Kabul im Januar. Rund 150 Menschen kamen bei diesen Anschlägen und Angriffen ums Leben. Erst am Samstag hatte sich im Stadtzentrum ein Selbstmordattentäter der Taliban in die Luft gesprengt und mehr als 100 Menschen getötet.

Eine Woche zuvor hatten Talibankämpfer in einem 17-stündigen Angriff auf das große Hotel Intercontinental mindestens 20 Menschen getötet, darunter eine deutsche Entwicklungshelferin. Bei einem Anschlag auf das internationale Hilfswerk „Save the Children“ wurden drei Mitarbeiter der Organisation getötet und vier weitere verletzt. Anfang Januar waren bei einem Selbstmordattentat des IS auf einen Sicherheitsposten mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. 2017 waren bei mehr als 20 schweren Anschlägen mehr als 500 Menschen getötet worden.

Auswirkung auf Abschiebungen

Angesichts der Serie von schweren Anschlägen wächst die Kritik an der afghanischen Regierung und den Sicherheitskräften. Parlamentarier forderten am Samstag den Rücktritt von Verantwortlichen.

Fraglich ist auch, welche Auswirkungen die derzeitige Anschlagsreihe auf Abschiebungen nach Afghanistan haben wird. Schon länger stehen Abschiebungen in das Land in der Kritik. Seit Dezember wurden 174 Menschen dorthin abgeschoben. Nach Angaben des Ministeriumssprechers lag die Zahl der ausreisepflichtigen Afghanen in Deutschland zum Jahresende bei 14 416, von ihnen wurden 10 257 geduldet. Seit einem schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai 2017 lässt die Bundesregierung nur noch Straftäter, Gefährder sowie sogenannte Mitwirkungsverweigerer nach Afghanistan abschieben.

Erst vor Kurzem waren trotz der kritischen Sicherheitslage erneut abgelehnte afghanische Asylbewerber in ihr Heimatland zurückgebracht worden. Mehrere Hundert Menschen hatten dagegen am Flughafen Düsseldorf demonstriert. Der CSU-Innenexperte Stephan Mayer bekräftigte in der Zeitung die Forderung seiner Partei, das Auswärtige Amt unter der Führung von Minister Sigmar Gabriel (SPD) müsse die Sicherheitslage in Afghanistan neu bewerten, um die Abschiebungen dorthin deutlich zu intensivieren. (dpa, epd)