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Weixdorf holt Graffiti-Sprayer

Junge Leute sollen sich auf einer Wand am Dixiebahnhof austoben. Vorher gab es lange Verhandlungen.

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© Entwurf: Verein Spike

Von Thomas Drendel

Weixdorf. Sie sind der Schrecken von Hausbesitzern und Bahnbetreibern: junge Leute, die mit einem Rucksack voller Spraydosen nachts losziehen und Hauswände und Bahnwaggons in grellbunte Dinger verwandeln. In zwei, drei Wochen werden genau solche Sprayer in Weixdorf auftauchen. Das bestätigte jetzt Ortschef Gottfried Ecke (CDU).

Ihr Ziel ist eine Garagenzeile am Dixiebahnhof. „Wir werden sie mit mehreren Graffiti besprühen“, bestätigt auch Sprayer Christian Weiße aus Dresden. Doch hier legt sich keine Polizeistreife auf die Lauer. Alles ganz legal. „Wir haben die Sprayer nach Weixdorf geholt. Unser Ziel ist eine Aufwertung der grauen Garagenwände am Platz des Friedens. Da sind zwar schon einige Zeichnungen daran. Die wurden aber illegal angefertigt.“ Vor einigen Wochen wandte sich Weixdorf an den Dresdner Verein Spike, der unter anderem Graffiti-Kurse anbietet und Sprayer-Wettbewerbe veranstaltet. „Am Anfang stand die Frage, ob wir die Fläche völlig frei gestalten sollen oder ob Vorgaben bestehen“, sagt Christian Weiße, der als professioneller Fassadengestalter arbeitet. „Ich war dann im Ortschaftsrat und habe mehre Entwürfe vorgestellt.“

Auf Suche nach den Richtigen

Am Ende einigten sich Ortschaft und Verein auf eine Fifty-Fifty-Lösung. „Das heißt, dass die Hälfte der Fläche nach Vorgaben Weixdorfs gestaltet wird, die andere mit Schriftzügen, die von uns kommen.“ Die vorgegebenen Motive nehmen Bezug auf den Dixiebahnhof. Es werden Musiker mit Trompete, Schlagzeug oder Saxofon zu sehen sein. Zwischen den Musikern sind die Schriftzüge eingefügt. „Wie sie genau aussehen, ist noch nicht klar. Das hängt von den Künstlern ab, die wir für das Vorhaben begeistern können“, sagt Christian Weiße. Er ist der Projektleiter. Fest steht: drei oder vier junge Leute machen mit. „Wir sind dabei, in der Szene die Richtigen zu suchen.“ Sie werden ihre Künstlernamen sprühen, sagt der Spike-Mitarbeiter. Bei den Schriftzügen kommt es unter anderem auf die Dynamik an, auf die Sauberkeit der Ausführung oder auch auf Eigenständigkeit. Die Künstler arbeiten nach seinen Aussagen dabei ganz unterschiedlich. „Einige entwerfen Skizzen davon zu Hause auf Papier, andere machen das auf dem Computer und übertragen das auf ihr Smartphone. Von dort wird es dann quasi abgemalt.“ Wieder andere sehen sich die Wand an und entwerfen dort ihren Schriftzug, der dann ohne jegliche Vorlage gesprüht wird.

Hoffnung auf Ehrenkodex

Ganz freie Hand haben die Künstler selbst bei ihren Schriftzügen nicht. Sie müssen sich an bestimmte Farben halten. „Wir haben vereinbart, dass sie in braun-grauen Farbtönen gehalten sind. Eine grellbunte Wand wird es dort also nicht geben.“ Der Hintergrund soll in Gelb und Grün gestaltet sein. Die Musiker wird Christian Weiße selbst sprühen. – Laut Vertrag sollen die Arbeiten bis Ende November dieses Jahres abgeschlossen sein. Zuvor wird die Wand noch von Mitarbeitern des Bauhofes gereinigt. Dann wird eine Grundierung aufgebracht, bevor die eigentliche Arbeit der Künstler beginnt. „Wir werden zwei, drei Tage brauchen. Das hängt auch vom Wetter ab.“ Die Hoffnung der Ortschaft ist, dass die Wand einmal gestaltet, auch lange Zeit so bleibt. „Es gehört wohl zum Ehrenkodex, dass Sprayer die Werke anderer nicht übersprühen. Vielleicht ist das hier auch der Fall“, sagt Gottfried Ecke.

Christian Weiße geht sogar noch einen Schritt weiter. Er will diejenigen ausfindig machen, die ihre Schriftzüge schon an der Garagenwand hinterlassen haben. „Eventuell können wir sie ja in unser Projekt mit einbeziehen. Dann würde es noch unwahrscheinlicher, dass das Graffito übersprüht wird.“ Er will eine klare Botschaft rüberbringen. „Wir zeigen, dass nicht illegal gesprüht werden muss. Solche Vereinbarungen nutzen Auftraggebern und Künstlern.“ Dass das kein Einzelfall ist, zeigen auch die Graffiti an den Bahnbögen am Bahnhof Mitte. Auch sie wurden in Zusammenarbeit mit Dresdner Sprayern geschaffen.