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Welche Probleme gibt es beim Vereinssport?

Der Chef der sächsischen Staatskanzlei besuchte die Judokas von Lichtenberg. Dabei ging es nicht nur um die sportlichen Erfolge.

Trainer Udo Mann (blauer Anzug) demonstriert den Gästen einige Bewegungsabläufe beim Judo. Minister Oliver Schenk und Landtagsabgeordneter Aloysius Mikwausck schauen interessiert zu. © Matthias Schumann

Lichtenberg. Die Judokas vom TSV Lichtenberg sind erfolgreich. Erst am Wochenende holten die Sportler bei den Landeseinzelmeisterschaften in Adorf eine Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille. Doch reicht es, wenn sich Übungsleiter und Sportler engagieren, um als kleiner Verein solche großen Erfolge zu erreichen? Fast alle Vereine der Region werden diese Frage mit einem Nein beantworten. Zum sportlichen Erfolg gehört auch das Umfeld, in dem trainiert werden kann, in dem Wettkämpfe abgesichert werden können. Und genau über diese Problematik wollte sich jetzt der Chef der sächsischen Staatskanzlei Oliver Schenk informieren. Er besuchte die Judoka vom TSV Lichtenberg beim Training, kam mit Sportlern, Eltern, Übungsleitern und Vertretern der Gemeinde ins Gespräch.

Oliver Schenk überzeugte sich, dass es beim Judo nicht nur um Körperbeherrschung, Kampf und Technik geht, sondern dass auch der Respekt vor dem anderen Sportler, Disziplin, Teamgeist und Selbstständigkeit wichtige Eigenschaften sind. Der Minister konnte spüren, dass die Mädchen und Jungen gern ins Training gehen, dass sie sich im Verein wohlfühlen – mit allen Aktivitäten, die zum Vereinsleben dazugehören. Doch es kamen auch Probleme zur Sprache, die in vielen Vereinen auftreten. Bei den Gesprächen mit den Übungsleitern, Sportlern und Eltern wurde offen darüber geredet, was die Vereinsmitglieder bewegt. Die Trainingsbedingungen der Judoka in Lichtenberg sind gut, doch schon lange wünschen sich die Sportler eine eigene Halle. So würde das ständige Auf- und Abbauen der Matten entfallen und kostbare Zeit gespart.

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Doch eine eigene Halle kostet Geld, für den Bau und natürlich auch für die Unterhaltung. Wer soll das finanzieren? Ein Verein kann diese Mittel kaum aufbringen, auch die Gemeinde selbst hat kein Geld für so eine Maßnahme. Der CDU-Landtagsabgeordnete Aloysius Mikwauschk betonte in diesem Zusammenhang, dass nur mit einer Schule im Ort sich eine neue Halle auch rechnen und auslasten lassen würde. Doch Lichtenberg hat schon lange keine eigene Schule mehr.

Eltern sind Stütze des Vereins

Oliver Schenk interessierte auch, wer die Trainings- und Wettkampfanzüge der Judoka finanziert. Schließlich kostet so ein Anzug zwischen 50 und 150 Euro, und Kinder wachsen schnell aus einer Größe raus. Hier sind es die Eltern, die dies finanzieren. Sie sind es auch, die dafür sorgen, dass die Kämpfer zu den Wettkämpfer kommen. Es werden Fahrgemeinschaften gebildet, und jedes Elternhaus ist mal dran. Bei den Judoka sind das dann Wege auch mal bis nach Leipzig, Riesa, Lübben oder Ostritz. Doch die Eltern machen dies gern, ist es doch für ihre Kinder.

Natürlich verfügt der Verein über eigene finanzielle Mittel. Sie stammen aus Mitgliedsbeiträgen, Sponsorengeldern, Erlöse aus Altstoffsammlungen oder dem Verkauf von Speisen und Getränken bei Festen. Mit diesen Geldern werden dann das Sommercamp, Wandertage oder die Weihnachtsfeier finanziert. Fahrtkosten zu Wettkämpfen oder Sportkleidung sind da nicht drin.

Staatsminister Oliver Schenk konnte sich diese Fakten nur anhören. Eine Hilfe von seiner Seite sei da kaum möglich. Und so kann der Besuch des Ministers und des Landtagsabgeordneten wohl vor allem als Wahlkampftour gewertet werden. Schließlich sind in diesem Jahr in Sachsen Landtagswahlen.