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Welche Zukunft hat die Bibliothek in Ebersbach-Neugersdorf?

Jeder elfte Einwohner der Stadt hat einen Leserausweis. Die müssten dank Onleihe gar nicht mehr persönlich vorbeikommen.

© Rafael Sampedro

Von Gabriela Lachnit

Ebersbach-Neugersdorf. In Zeiten knapper Kassen und zu wenig Personals ist es besonders wichtig, Klarheit über den eigenen Leistungsstand zu haben. „Das ist bei Bibliotheken nicht anders als in Kommunen oder Firmen“, weiß Katja Hieke. Sie ist die Leiterin der Stadtbibliothek Ebersbach-Neugersdorf. Im Januar hat sie die Statistik für das abgelaufene Bibliotheksjahr 2017 erstellt. Sie ist zufrieden mit dem Leistungsstand der Einrichtung, denn er konnte im Vergleich zum Vorjahr gehalten werden. Die Stadtbibliothek Ebersbach-Neugersdorf hat ihre Hauptstelle im Ebersbacher Wohngebiet Oberland im Hofeweg 41. Eine Zweigstelle befindet sich im Technischen Rathaus in Ebersbach in der Weberstraße.

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Welche Bestände der Bibliothek werden gut genutzt?

Am meisten nachgefragt sind Bücher, Hörbücher, Filme, Spiele und Musik-CDs. Diese Medien bilden das Hauptgeschäft der Stadtbibliothek. Jedes Medium ist statistisch gesehen mehr als dreimal im Jahr ausgeliehen worden. Insgesamt sind die 31 494 Medien der Bibliothek 102 336-mal ausgeliehen worden. Eine leichte Verschiebung gab es zugunsten der Onleihe. „Sie wird in unserer Bibliothek außerordentlich gut genutzt“, sagt Katja Hieke. Über die Onleihe können elektronische Medien ausgeliehen werden, sowohl in der Bibliothek als auch von zu Hause aus.

Wer nutzt und besucht die Stadtbibliothek?

Genau 1 393 Männer, Frauen und Kinder sind als Nutzer in der Bibliothek eingeschrieben. Statistisch gesehen sind das 11,5 Prozent der Ebersbach-Neugersdorfer Bevölkerung. Gegenüber dem Jahr 2016 entspricht das einer Steigerung um 0,2 Prozent. „Damit liegen wir im Schnitt der Oberlausitzer Bibliotheken“, informiert Frau Hieke. Im vergangenen Jahr haben sich 288 Nutzer neu in der Bücherei angemeldet. Insgesamt zählte die Einrichtung 38 721 Besuche. In diese Zahl spielen auch die Teilnehmer von verschiedenen Veranstaltungen hinein. Das waren immerhin 173, darunter Lesungen, Vorträge und Ausstellungen.

Welchen Stellenwert nimmt die Onleihe in Ebersbach-Neugersdorf ein?

Mehr als sechs Prozent des Umsatzes realisiert die Stadtbibliothek mit der Onleihe. „Das ist außergewöhnlich viel“, resümiert die Leiterin im Vergleich zu den anderen 14 Bibliotheken in der Oberlausitz, die sich für die Onleihe zusammengeschlossen haben. Zu ihnen gehören unter anderem Bibliotheken in Zittau, Löbau, Görlitz und Bautzen. Dort sind es nur vier Prozent des Umsatzes, die auf die elektronischen Medien der Onleihe entfallen.

Was ist der Vorteil der Onleihe Oberlausitz?

Der digitale Bibliotheksservice verzeichnet steigende Kosten. Die teilen sich die beteiligten 14 Kommunen und nutzen so die Stärken der Gemeinschaft, betont Katja Hieke. Die Kunden der Oberlausitzer Onleihe-Bibliothek können von zu Hause aus nicht nur auf E-Books zugreifen, sondern auch auf Online-Portale, erläutert Frau Hieke. Beispielsweise seien im Vorjahr in den beteiligten Onleihe-Einrichtungen etwa 30 000 Zugriffe auf das Munzinger-Archiv mit dem Schüler-Duden und der Brockhaus-Enzyklopädie verzeichnet worden. „Das unterstreicht, dass die Relevanz seriöser Daten an Bedeutung gewinnt“, betont die Bibliotheksleiterin.

Haben Bibliotheken angesichts des Internets eine Zukunft?

Auf jeden Fall, ist Katja Hieke überzeugt. Mit Bibliotheken haben Kommunen ein wirkungsvolles Instrument in der Hand, um sich auf die Wissensgesellschaft einzustellen. Digitalisierung, demografischer Wandel und Migration erfordern neue Kompetenzen, die mit Technik allein nicht gelöst werden können. Orte mit unmittelbarer Kommunikation von Mensch zu Mensch sind ebenso gefragt, wie die professionelle Vernetzung von lokalen und globalen Informationen. Ausdruck dafür sind in der Stadtbibliothek Ebersbach-Neugersdorf die hohe Nutzung der Onleihe und die Tatsache, dass mehr als jeder elfte Einwohner der Spreequellstadt einen Bibliotheksausweis hat.

Was plant die Bibliothek an neuen Angeboten?

Im März startet die Bibliothek die Reihe „Vorlesezeit“. Das ist ein Angebot an Kinder zwischen vier und neun Jahren, erläutert die Leiterin der Einrichtung. Immer dienstags ab 16 Uhr tauchen ehrenamtliche Vorleser und Mitarbeiterinnen der Bibliothek mit den Kindern in die Welt der Bücher ein. „Kinder, die nicht alleine kommen möchten, dürfen gerne Eltern oder Großeltern mitbringen“, betont Katja Hieke. Der Eintritt zu diesen Veranstaltungen ist frei. Die Reihe der Veranstaltungen wird am 19. März mit einem Diavortrag fortgesetzt. Der Weltenbummler Ronald Prokein berichtet unter dem Titel „Verloren auf dem Weg zum Sultan“ von seinen Reisen. Fortgesetzt werden auch die Nachmittage, in denen Hannes Thomas aus Neugersdorf – ein Mitglied des Fördervereins Die Bichereulen – Äberlausitzer Rädnsoarten preisgibt. Dafür arbeitet die Bibliothek unter anderem mit der Villa Neundorf in Neugersdorf und dem Kaffeemuseum in Ebersbach zusammen.

Neu ist in diesem Jahr der Buchsommer für Erwachsene, nachdem die Buchsommer für die Grundschüler und Elf- bis 16-Jährige bereits seit einiger Zeit sehr erfolgreich laufen. Katja Hieke verrät, dass es Überlegungen gibt, Angebote für Muttis mit Krabbelkindern zu machen, und eine Reihe zu den verschiedensten Hobbys aufzulegen.

Wie steht es um die Baupläne für das Gebäude am Hofeweg 41?

Der Stadtrat von Ebersbach-Neugersdorf hat jetzt den Weg frei gemacht, damit der Bauantrag gestellt werden kann, indem die Entwurfsplanung zum Umbau des Objektes am Hofeweg 41 als zentraler Standort für Bibliothek, Museum und Archiv freigegeben und das gemeindliche Einvernehmen hergestellt worden ist. Das gemeindliche Einvernehmen bedeutet, dass die Gemeinde bestätigt, dass das Vorhaben an diesem Ort in die Umgebung passt, erläutert Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos). In der Entwurfsplanung, die ein Architekturbüro aus Löbau mit fachkundiger Unterstützung von Professorin Andrea Nikolaizig aus Leipzig erarbeitet hat, ist ein neues Bibliothekskonzept berücksichtigt worden. Das neue Konzept hat zum Beispiel Auswirkungen auf die qualitativen und quantitativen Anforderungen an die einzelnen Räume.

Wer ist an der Erarbeitung des Konzeptes für die Bibliothek beteiligt?

Die Grundlage für das neue Konzept hat das Bibliotheksteam unter Leitung von Katja Hieke entwickelt. Das Bibliothekskonzept schreibt die Funktion der Stadtbibliothek in der Stadt, die Zielgruppen und die Schwerpunkte der bibliothekarischen Arbeit fest, erläutert die Bürgermeisterin. „Und das unter den neuen räumlichen Bedingungen“, ergänzt Frau Hergenröder. Außerdem spielen in das Konzept Faktoren wie Funktionsbereiche, gesetzliche Anforderungen an den Bau von Bibliotheken und bestimmte bibliothekarische Erfordernisse eine Rolle.

Wo kann sich der Bürger über den Umbau informieren?

Am 5. Mai ist Tag der Städtebauförderung. Dann soll es in der Bibliothek einen Tag der offenen Tür geben. Dabei wird ausführlich über den Umbau des Gebäudes am Hofeweg 41 berichtet.