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Hightech-Zukunft für Kamenz?

Die Firma Accumotive in Kamenz wächst. Aber mit der Batteriezelle ist Schluss. Die Gewerkschaft spricht von einem Warnsignal.

© Matthias Schumann

Von Reiner Hanke

Der Kamenzer Hightech-Standort mit zwei Tochtergesellschaften der Daimler AG im Gewerbegebiet Ochsenberg ist im Umbruch. Daimler hält aber an Kamenz fest. Die Nachricht am Wochenende vom Aus für die Produktion von Batteriezellen in der Firma Li-Tec sorgte jedoch für einige Diskussionen in den sozialen Netzwerken und darüber hinaus. Es ist auch der Verlust von Jobs zu befürchten. Die SZ fasst den Stand zusammen.

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Welche Firmen im Gewerbegebiet sind von dem Umbruch betroffen?

Es sind nach SZ-Informationen drei. Die Li-Tec Battery GmbH fertigt am Ochsenberg Lithium-Ionen-Batteriezellen. Die werden von der Deutschen Accumotive zu Batteriesystemen, unter anderem für den Elektro-Smart, weiterverarbeitet. Bei Accumotive wird derzeit auf rund 9.000 Quadratmetern erweitert. Beide Firmen sind 100-prozentige Töchter der Daimler AG. Li-Tec beschäftigt derzeit noch 280 Mitarbeiter, 230 unbefristet. Ende 2015 wird hier die Produktion von Batteriezellen eingestellt. Diese sei zwar qualitativ Weltspitze, aber nach Daimler-Aussagen zu teuer. Man zieht die Notbremse. Die Zellen kommen künftig aus Südkorea. Ein großer Teil der Belegschaft soll laut Daimler künftig Jobs bei Accumotive bekommen. Wie viele, dazu gibt es noch keine Angaben. Ohne Jobverluste werde es aber kaum gehen. Bei Accumotive verspricht sich Daimler ein deutliches Wachstum. Li-Tec soll weiterbestehen und sich auf die Forschung auf dem Gebiet der Batteriezellen konzentrieren. Personalfragen sind auch hier offen. Eine weitere Firma im Bunde ist die Litarion GmbH, eine 100-prozentige Tochter des Essener Evonik-Konzerns. Evonik war ursprünglich auch an Lit-Tec beteiligt. Litarion ist wiederum ein Zulieferer für Li-Tec. Die Firma beschäftigt derzeit nach eigenen Angaben 155 Leute, davon 120 mit unbefristeten Verträgen. Hergestellt werden u. a. die Elektroden für die Batteriezellen von Li-Tec. Damit fällt aber Ende des kommenden Jahres der Großabnehmer weg.

Wie geht es mit Litarion am Standort Kamenz weiter?

Das wird noch interessant. Im Betriebsrat spricht man vorsichtig von „einem anspruchsvollen Thema“, das auf das Gremium zu komme. Es werde sogar die größere Baustelle. So die Formulierung bei einem Gespräch mit der Presse am vorigen Freitag. In der Belegschaft ist man nach SZ-Informationen noch relativ gelassen. Man sei informiert über die Lage, bis Ende 2015 gehe es erst einmal weiter. Eben so lange, wie auch Li-Tec Batteriezellen produziert. Die Firmenzentrale ist bemüht, keine Spekulationen aufkommen zu lassen. Pressesprecherin Alexandra Boy teilte mit: „Für den Komponentenhersteller Evonik Litarion sucht Evonik derzeit nach neuen Perspektiven.“ Dafür gebe es verschiedene Möglichkeiten. Auch im Interesse der Beschäftigten wolle man sich jetzt nicht näher äußern und zu gegebener Zeit informieren. Bekannt ist bereits aus dem Betriebsrat, dass Gespräche zum Verkauf an einen Investor laufen sollen. Li-tec und Litarion produzieren derzeit auf einer Fläche von 30 000 Quadratmetern.

Was sagt die Gewerkschaft zum Umbruch am Daimler-Standort?

Die IG Metall sieht in der von Daimler geplanten Schließung der Batteriezellenfertigung ein Warnsignal, das unmittelbares Handeln verlange. Jörg Hofmann, 2. Vorsitzender der IG Metall: „Zur Sicherung von Innovation und Produktion von Batteriezellen in Deutschland ist ein abgestimmter Aktionsplan von Bundesregierung und Industrie nötig.Michael Brecht, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Daimler AG, hat das Unternehmen unterdessen aufgefordert, den in Kamenz betroffenen Mitarbeitern zukunftsfähige Arbeitsplätze in der Stadt anzubieten. Die soll es laut Li-Tec insbesondere bei Accumotive geben.

Auch in anderen Daimler-Werken, soll es Jobangebote geben, heißt es aus Unternehmenskreisen. Darüber hinaus fordert der Betriebsrat auch Engagement in der Region, um möglicherweise Li-Tec-Mitarbeiter vermitteln zu können. Der Konzernbetriebsrat fürchtet außerdem, dass der Anschluss an die Forschung und Entwicklung von Batteriezellen verloren geht. Das könnte der geplante Forschungsstandort Li-Tec kompensieren. Zum anderen müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Zukunftstechnologien auch künftig hierzulande wirtschaftlich produziert werden können, fordert der Konzernbetriebsrat. Dafür werde eine entschlossene Industriepolitik der Bundesregierung gebraucht, die das unterstützt.

Wie regieren Netzwerke und Politiker auf die Entwicklung?

Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz hatte bereits betont: Er sei froh, dass Daimler an Kamenz als Produktionsstandort festhalte. Positiv sei die sichtbare Entwicklung bei Accumotive. Auch im Bereich der Großspeicher für die Energiewirtschaft sieht der OB eine Chance für Kamenz als zukunftsträchtigem Daimler-Standort. Er fühle aber auch mit den Beschäftigten, die ihren Job durch das Aus der Batteriezellenfertigung möglicherweise verlieren. Er hoffe, dass Daimler für sie Lösungen findet.

Heftige Kritik kommt von der Lausitzer Bundestagsabgeordneten Caren Lay (Linke). Es sei ein „herber Schlag ins Gesicht der Beschäftigten bei Li-Tec und für die gesamte Region“. Daimler sollte offenlegen, wie viele der Mitarbeiter übernommen werden sollen in die Deutsche Accumotive, um die Beschäftigten nicht länger im Unklaren zu lassen. Außerdem habe Daimler auch eine Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler, denn schließlich seien Fördergelder in den Standort geflossen, so Lay.

In den sozialen Netzwerken wird ebenfalls diskutiert. Mike aus Kamenz schreibt auf Facebook zum Batteriezellen-Aus: „Klar ist es Mist, wenn ich mich zurückerinnere, welche Hoffnungen in diese Unternehmen gesetzt wurden.“ „Aber das ist Wirtschaft, sie bewegt sich“, heißt es auch. Und Kevin notiert: „Man muss abwarten, wie viele ihren Job verlieren.“ Aber nach dem Ausscheiden von Evonik bei Li-Tec sei das keine überraschende Entwicklung: „Leider!“