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Welche Zukunft hat die„Zittauer Vorstadt“?

Zwei Häuser an der Äußeren Zittauer Straße in Löbau kommen weg. Der Wunsch nach Dialog zur Entwicklung des Areals wächst.

© R. Altmann-Kühr

Von Constanze Junghanß

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Löbau. Der Dachstuhl fehlt. Dort wo einst die Ziegel das Haus schützten, klafft nun ein riesiges Loch. Türen und Fenster sind verschwunden. Berge von Schutt. Und dazwischen liegen stumme Zeitzeugen: Scherben uralter Einweck-Gläser und die untere Hälfte einer Blechbrotbüchse liegen im Eingangsbereich. So wüst sieht es derzeit an der Häuserzeile an der Äußeren Zittauer Straße in Löbau aus. Bezeichnet wird das Viertel auch „Zittauer Vorstadt“. Eines der Häuser ist fast eingefallen. In der vergangenen Woche haben Mitarbeiter der Stadtwerke den Strom abgeklemmt. Kurz hinter der Heilig-Geist-Kirche beginnt die Sperrung der Äußeren Zittauer Straße. Im Moment ist da von beiden Fahrtrichtungen kein Durchkommen mehr für Fahrzeuge möglich. Bauzäune sichern das Gebiet.

Ob tatsächlich das Sturmtief „Friederike“ Mitte Januar dem Dach den letzten Rest gegeben hat, wie jetzt beim Bürgerstammtisch der Bürgerliste Löbau vermutet wurde, steht nicht fest. Nicht nur Teilnehmern der Stammtisch-Runde sind die ganz offensichtlich maroden Häuser in der „Zittauer Vorstadt“ aufgefallen. Sorgen um eins der ältesten Viertel von Löbau macht sich auch Pfarrer Daniel Mögel. An die Fraktionsvorsitzenden der Stadtratsfraktionen und Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) verfasste der Pfarrer bereits im Januar einen Brief mit der Bitte, sensible und zukunftsorientierte Entscheidungen bei den künftigen Entwicklungen des Viertels zu treffen. Den Brief hat auch Ingo Seiler von der Bürgerliste – der größten Fraktion im Löbauer Stadtrat – auf den Tisch bekommen und sagt, dass die „Zittauer Vorstadt“ vor längerer Zeit bereits ein Thema im Stadtrat war. Im Jahr 2009 ging es um eine vorbereitende Untersuchung für das Gebiet und Grundlagen für künftige Sanierungsmaßnahmen. In dem Bericht geht es unter anderem um mögliche Aufwertungen des Terrains, aber auch um vorherrschende Missstände.

Welche Pläne es aktuell für die Zittauer Vorstadt vonseiten der Stadt gibt und wie die Anwohner in die Zukunftsentwicklung des Viertels einbezogen werden, darauf antwortet Oberbürger Dietmar Buchholz nicht. Stattdessen lässt das Stadtoberhaupt über Pressesprecher Marcus Scholz mitteilen, die Wohnungsverwaltung und Bau GmbH Löbau (Wobau) werde die Presseanfragen beantworten. Allerdings kann Geschäftsführer Ullrich Wustmann auch nicht auf alle Punkte eingehen. Denn der städtischen Wohnungsverwaltung gehören nur zwei der Häuser. Dabei geht es um die Äußere Zittauer Straße Nummer 8 und Nummer 10. Das ist dort, wo jetzt der Strom abgeklemmt wurde. „Zu den uns gehörenden Häusern wurden wir seitens der Bauaufsicht beauflagt, aus statischen Gründen diese Häuser abzureißen“, sagt Ullrich Wustmann. Eine Sicherheit sei dort nicht mehr gegeben. Im Moment erfolge eine Notsicherung, bis die endgültigen Abrissmaßnahmen erfolgen. „Anschließend sind auf unseren Grundstücken Grünflächen mit integrierten Parkplätzen vorgesehen. Die Kosten dafür tragen wir als Besitzer“, so der Wobau-Geschäftsführer. Zu den Kosten kann Wustmann aktuell keine Zahlen nennen, da diese Leistungen erst noch ausgeschrieben werden müssen. Die Wobau rechnet damit, den Abriss voraussichtlich im kommenden Jahr durchzuführen. Zu anderen augenscheinlich maroden Gebäuden kann die Wobau keine Auskunft geben. Ein Objekt gehöre dem Landkreis, andere Häuser befänden sich in Privatbesitz, heißt es.

Pfarrer Daniel Mögel allerdings sieht einen Abriss kritisch. Ein solcher könne nicht die einzige Antwort auf den Verfall sein, heißt es in seinem Schreiben an Stadträte und OB. Die Wohnungsgenossenschaft Löbau hat im Viertel bereits saniert. Der Wohnpark „Alte Essigfabrik“ entstand. Wolfgang Winkler, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft, wünscht sich, dass alle Akteure und Eigentümer in der Zittauer Vorstadt zur weiteren Entwicklung und Erhaltung des Gebietes nach machbaren Lösungen suchen und zusammenarbeiten, damit das Areal eine Zukunft hat.

Ähnlich äußert sich Silke Seeliger, Geschäftsführerin vom DRK Löbau, das die Wohnanlage „An der Seltenrein“ betreibt. Sie liegt ebenfalls in der Zittauer Vorstadt. „Wir wünschen uns, dass was passiert und statt Lücken wieder Leben ins Gebiet einzieht“, sagt sie. Auch beim Altstadtverein sind die aktuellen Sicherungsmaßnahmen an den Häusern und deren Zustand bekannt. Wichtig sei, die Zittauer Vorstadt nicht sterben zu lassen, so Volker Augustin vom Verein. Drei Häuser wurden bereits vor Jahren abgerissen. Der Verein spreche sich mehrheitlich für Sanierung, Bewahrung und historische Werterhaltung aus. Allerdings sei bei den aktuellen Gebäuden die Bausubstanz so schlecht, dass ein Abriss wohl unvermeidlich wäre. „Wir würden begrüßen, alle Verantwortlichen an einen Tisch zu bekommen, um über die Zukunft des Viertels ins Gespräch zu kommen“, sagt Volker Augustin. Dazu zählt die Stadt ebenso wie Eigentümer und Privatleute.