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Welcome to the Reformierte Gemeinde

Seit gut einem Jahr predigt ein amerikanischer Pastor in der Blumenstraße 58. Jetzt legt er richtig los – mit ungewöhnlichen Projekten. Auch für Flüchtlinge.

© nikolaischmidt.de

Von Marvin Liebig

Was macht ein amerikanischer Physiker in einer evangelischen Kirchengemeinde in Görlitz? Was etwas kurios klingt, ist in der Reformierten Gemeinde auf der Blumenstraße Wirklichkeit. Und die Antwort auf die Frage so einfach wie erstaunlich: Er ist Pastor und heißt Matthias Pommeranz. Jetzt will er mit englischsprachigen Gottesdiensten und einem Café noch mehr Menschen in die Blumenstraße 58 locken.

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„Wir sind eine kleine, sehr bunt gemischte Gemeinde“, sagt der 35-Jährige, der ursprünglich aus Toledo im US-Bundesstaat Ohio kommt, wo er Physik studierte. „Einige unserer Leute hatten die Idee, englischsprachige Gottesdienste zu veranstalten. Zum Beispiel für Flüchtlinge.“ Zuerst sei er nicht wirklich begeistert gewesen, berichtet Pommeranz. Zu groß waren die Ungewissheit und die Skepsis, ob ein solcher Gottesdienst auch wirklich angenommen werde. Dann allerdings dachte er an die vielen Flüchtlinge in der Stadt und entschied sich, es wenigstens einmal zu versuchen. „Viele von ihnen sprechen gut Englisch, vor allem die Syrer“, erzählt Matthias Pommeranz, der auch Gefängnisseelsorger in Görlitz ist. „Es gibt aber in Ostsachsen leider keine Möglichkeit für sie, einen englischen Gottesdienst zu besuchen.“ Also entschloss sich der Pastor, der vor zwölf Jahren nach Deutschland kam und hier Theologie in Kiel studierte, am vorvergangenen Wochenende zum ersten und bislang einzigen bilingualen Gottesdienst in der Reformierten Gemeinde einzuladen. Dabei predigte Pommeranz in seiner Muttersprache und Gemeindemitglied Jeanette Langner, studierte Übersetzerin, brachte seine Worte auf Deutsch an die Zuhörer. Die 39-Jährige hofft, dass sich der internationale Gottesdienst in der Stadt herumspricht. „Soweit ich weiß, waren letztens drei Menschen zum ersten Mal bei uns“, sagt die gebürtige Erfurterin. „Das ist schon mal kein schlechter Anfang.“ Noch mehr neue Gesichter erblickte sie Mitte Dezember. Da öffnete erstmals das englische Café der Gemeinde. Das ist kein Café im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Treffpunkt für Menschen jeglicher Herkunft, erklärt Matthias Pommeranz.

Etwa 20 Leute, darunter Syrer, Kurden und deutsche Gemeindemitglieder seien bei der Premiere gewesen. Die Idee für das Café komme von seiner Frau Annika, sagt der Pastor. „Wir wissen nicht, wie es sich entwickelt, und werden sehen, was die Zukunft bringt“, sagt er. Besonderen Wert legt er darauf, dass Café und Gottesdienst absolut allen zugänglich sind. „Gott liebt Menschen, wir tun es auch“, verspricht Matthias Pommeranz. „Jeder ist uns willkommen.“

Die nächsten englischsprachigen Gottesdienste finden am 20. März, 17. April und 22. Mai jeweils ab zehn Uhr statt. Das Café ist am 6. März, am 3. April und am 1. Mai von 16 bis 18 Uhr geöffnet.