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Wellbrock schwimmt zu WM-Gold

Nach der Nullnummer von 2017 haben die deutschen Freiwasserschwimmer in Südkorea gleich mehrfach Grund zur Freude. 

Stolz präsentiert Florian Wellbrock seine Goldmedaille.
Stolz präsentiert Florian Wellbrock seine Goldmedaille. © dpa/Bernd Thissen

Yeosu. WM-Champion Florian Wellbrock riss jubelnd beide Arme nach oben und fiel Freund und Bronzegewinner Rob Muffels erschöpft, aber glücklich um den Hals. Nach der ersten Goldmedaille für die deutschen Freiwasserschwimmer über zehn Kilometer seit dem Sieg von Idol Thomas Lurz vor zehn Jahren und erstmals zwei Medaillen in dieser Disziplin jubelte dessen Bruder, Bundestrainer Stefan Lurz, über einen "Riesentag". Wenn Supertalent Wellbrock so weitermacht, kann auch er eine Ära prägen.

"Auf jeden Fall kann er einiges reißen in Zukunft. Es ist für den Verband sehr wichtig, so einen super Schwimmer zu haben", sagte Thomas Lurz, der aus der Ferne gratulierte.

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"Ich habe die letzten Nächte vor dem Einschlafen immer daran gedacht, du willst Weltmeister werden. Dass ich das jetzt geschafft habe, muss erst mal im Kopf noch ankommen", sagte der 21-jährige Wellbrock am Dienstag kurz nach dem Rennen auf der schwimmenden Startbrücke im Hafenbecken von Yeosu. Bei der Siegerehrung genoss er dann die Nationalhymne, schaute andächtig nach unten und wischte sich mit der Hand kurz durchs rechte Auge.

Florian Wellbrock bei seinem 10-Kilometer-Rennen im Freiwasser.
Florian Wellbrock bei seinem 10-Kilometer-Rennen im Freiwasser. © dpa/Bernd Thissen
Perfekte Wasserlage: Wellbrock gewann mit nur 0,2 Sekunden Vorsprung.
Perfekte Wasserlage: Wellbrock gewann mit nur 0,2 Sekunden Vorsprung. © dpa/Bernd Thissen
Umso größer war dagegen der Jubel.
Umso größer war dagegen der Jubel. © dpa/Bernd Thissen
Mit der Ausnahme des Franzosen Marc-Antoine Olivier (l.) ein Magdeburger Podium: Florian Welbrock als Sieger, neben ihm der Drittplatzierte Rob Muffels.
Mit der Ausnahme des Franzosen Marc-Antoine Olivier (l.) ein Magdeburger Podium: Florian Welbrock als Sieger, neben ihm der Drittplatzierte Rob Muffels. © dpa/Bernd Thissen
Grüße in die Heimat.
Grüße in die Heimat. © dpa/Bernd Thissen

Wellbrock hatte in dieser Saison serienweise im Freiwasser gewonnen und wurde seiner Favoritenrolle eindrucksvoll gerecht. "Ich frag mich selber, wie lange das noch gut geht", sagte er. "Irgendwann muss diese Glückssträhne auch mal vorbei sein. Aber ich habe wahnsinnig hart trainiert." Kurz vor dem WM hatte er seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann abgeschlossen. Der Kopf ist frei, Wellbrock präsentiert sich in Südkorea im und neben dem Wasser cool und gelöst.

Er freute sich nicht nur über seinen eigenen Triumph, sondern auch über Muffels' dritten Platz. "Er ist mein Trainingspartner und einer meiner besten Freunde", erklärte er nach den ersten beiden Medaillen für den Deutschen Schwimm-Verband am fünften Tag der Titelkämpfe von Südkorea. In den Tagen vor Gold und Bronze hatten sich die beiden Magdeburger gegenseitig motiviert, auch mit Sprüchen.

"Das triezt einen ein bisschen - natürlich im positiven Sinne", sagte Wellbrock lächelnd. Er und Zimmerkollege Muffels hatten - quasi als zusätzlicher Ansporn - eine Tokio-Flagge mit den olympischen Ringen aufgehängt. Es wirkte: Durch ihre Top-Ten-Plätze buchten Wellbrock und Muffels ihr Olympia-Ticket.

"Medaille - das ist super", sagte der 24 Jahre alte Muffels euphorisch: "Ziel war Olympia. Gold und Bronze - absoluter Traum." Als "fantastisch" bezeichnete Teamchef Bernd Berkhahn Muffels' Auftritt. Weil auch Finnia Wunram und Leonie Beck zwei Tage zuvor die Qualifikation geschafft hatten, dürfen sich erstmals vier deutsche Freiwasserschwimmer auf die Sommerspiele freuen.

Im Becken sollen noch zwei Medaillen folgen

"Das ist wirklich ein historischer Tag für uns alle", sagte Stefan Lurz, der die vier Startplätze vorher als seinen "Wunschtraum" bezeichnet hatte. Nach der enttäuschenden WM in Ungarn vor zwei Jahren, als die deutschen Freiwasser-Asse erstmals seit 1994, als nur über 25 Kilometer im Freiwasser geschwommen wurde, ohne WM-Medaille nach Hause gefahren waren, tut der Erfolg besonders gut. "Das ist super", sagte Bruder und Rekordweltmeister Thomas. "Das Freiwasserschwimmen ist eine erfolgreiche Sparte, die wir im Deutschen Schwimm-Verband haben. Den Fokus darauf zu legen, macht Sinn."

Bevor Wellbrock nach 1:47:55,9 Stunden im Ziel war, hatte er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Silbergewinner Marc-Antoine Olivier geliefert. Zum Finale eines packenden Schlussspurts schlug Wellbrock gerade einmal 0,2 Sekunden vor dem Franzosen an. "Ich wollte zuerst mit der rechten Hand, dann mit der linken Hand, aber hab' gesehen, dass es gereicht hat", beschrieb Wellbrock sein Finish.

Die Freiwasser-Mission hat der Youngster erfüllt. Einen Tag abschalten heißt es nun, dann will Wellbrock die nächsten Ziele angehen. Auch im Becken ist er der große deutsche Hoffnungsträger in Gwangju. Der Europameister über 1.500 Meter will in diesem Rennen und über 800 Meter angreifen. Wie sich ein WM-Titel anfühlt, weiß er jetzt ja schon mal. (dpa)

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