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Wellen der Begeisterung im Lößnitzgrund

Im Radebeuler Bilzbad erholten sich Sonnenhungrige schon vor 100 Jahren. Das Bad punktet mit viel Neuem und ganz Altem.

© Norbert Millauer

Von Klemens Deider

Radebeul. Im Schatten der Bäume auf den Liegewiesen im Bilzbad lässt es sich gut aushalten. Die Wege zu den beiden großen Schwimmbecken sind kurz. Gleich neben dem Imbiss am Eingang ploppen Tischtennisbälle über die Platten, springen Kinder auf der Hüpfburg und drehen sich am Kickertisch die Figuren.

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Das Bad im Radebeuler Lößnitzgrund bietet vor allem für Familien viel Unterhaltung und trotzdem Entspannung. Wer es weniger turbulent will, zieht sich auf dem baumreichen Gelände bergauf oder an die Seite zurück. Angst, das Highlight dieses Freibades zu verpassen, muss niemand haben. Seit Jahrzehnten ertönt jeweils zur vollen Stunde die Glocke, die den Start der Wellenmaschine einläutet. Es ist noch das gleiche Läuten, das bereits im Jahr 1912 die Menschen ins damalige Licht-Luft-Bad angezogen hat. Mittlerweile ist es die weltweit einzige Wellenmaschine dieser Art, die noch in einem Schwimmbad in Betrieb ist. Und die Menschen wie vor über 100 Jahren wellenumwogt strahlen lässt.

Der ortsansässige Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz suchte Anfang des 20. Jahrhunderts Wege, seine Lehre für viele Menschen in die Tat umzusetzen. Im Lößnitzgrund erwarb er Land, auf dem er sein „Licht-Luft-Bad“ bauen ließ, welches 1905 eröffnete. 1911 kaufte er von der 1. Internationalen Hygieneausstellung in Dresden das Wellenbad und verpflanzte es in sein Luftbad. Durch das Wellenbad und den Bau weiterer sanitärer Einrichtungen wurde es zu einem gefragten Erholungsort.

Bilzbad Radebeul

Adresse: Meiereiweg 108, 01445 Radebeul

Öffnungszeiten: 10–19, in den Ferien bis 20 Uhr

Eintritt: Erwachsen 4 Euro, ermäßigt 2 Euro

Wasserqualität: gut

Rettungsschwimmer: ja

Sportmöglichkeiten: Minigolf, Tischtennis, Tischkicker, Basketball, Federball

Besonderheiten: im Wald gelegen; einziges Undosa-Wellenbad der Welt; Wlan

Imbiss: Eis 2 Euro, Kaffee 1,50, Bratwurst 3 Euro

Besucher 2017: 37000

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Nebenbei arbeitete er weiter an seinen Heilmethoden, zu denen viel Bewegung an frischer Luft und unter freiem Himmel gehörte. „Die Gesundheit wird durch Licht-Luft-Bäder im Körper förmlich aufgespeichert. Durch diese Bäder übt man die allerbeste Hautpflege und stärkt sein Nervensystem“, schrieb Bilz damals. Weltweit wurden seine Werke übersetzt und verkauften sich millionenfach. Der Ruf des Licht-Luft-Bades verbreitete sich rasch. Über fehlenden Besucherzuspruch konnte man im Bad nicht klagen.

Zwischen 1992 und 1998 wurde das Freibad grundlegend saniert, einschließlich der Undosa-Wellenmaschine, die unter Denkmalschutz steht. Zudem wurden in dem Becken eine Stahlwanne eingebaut und ein Fenster, durch das die Badenden im Wellenrausch zu sehen sind. Die Wasserrutsche aus Beton am oberen Becken darf aus Sicherheitsgründen nicht mehr benutzt werden. Neu hinzugekommen sind im Bilzbad die drahtlosen Wellen, die Smartphone-Nutzern das Internet aufs Display spülen. Ob Bilz das gewollt hätte?