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Wellness statt Kino

Das Freitaler Capitol soll zum Jahresende eröffnen. Als Gesundheitszentrum – mit einem besonderen Kunstwerk.

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© Thomas Morgenroth

Von Thomas Morgenroth

Freital. Im Garten oberhalb der Talmühle in Kurort Hartha trägt ein bärtiger Mann eine alte Frau auf seinen Schultern. Er blickt zu ihr auf, um zu erfahren, wohin die Reise geht. Sie schaut nach vorne, in die unbekannte Ferne, das Ende des Weges erahnend. In einer berührenden Figur hat der Bildhauer Matthias Jackisch eines der emotionalsten Themen unserer Zeit verarbeitet. „Es gibt immer mehr Menschen, die gepflegt werden müssen“, sagt er.

Das ist die „Säule“ für das Foyer des künftigen Gesundheitszentrums Capitol, die der Bildhauer Matthias Jackisch in Kurort Hartha aus Gips geformt hat. In diesen Tagen wird die Figur abgebaut, nach Dresden transportiert und dann in der Firma Ihle in Bronz
Das ist die „Säule“ für das Foyer des künftigen Gesundheitszentrums Capitol, die der Bildhauer Matthias Jackisch in Kurort Hartha aus Gips geformt hat. In diesen Tagen wird die Figur abgebaut, nach Dresden transportiert und dann in der Firma Ihle in Bronz © Thomas Morgenroth
Vor einem Jahr eröffnete sich von hier aus noch ein Blick in ein großes schwarzes Loch. Nun teilt eine Betondecke den großen Saal des einstigen Kinos in zwei Etagen.
Vor einem Jahr eröffnete sich von hier aus noch ein Blick in ein großes schwarzes Loch. Nun teilt eine Betondecke den großen Saal des einstigen Kinos in zwei Etagen. © Thomas Morgenroth

Für seine Skulptur ließ sich der 57-Jährige von der Bibel anregen, in der es heißt: „Einer trage des anderen Last“. Mehr aber noch hat ihn das Grimmsche Märchen „Die Gänsehirtin am Brunnen“ inspiriert, in dem eine böse Hexe auf die Schultern eines gutmütigen Grafen springt, und der sie auch dann nicht abwirft, als er unter der Last zusammenzubrechen droht. Am Ende wird er belohnt, mit einer Königstochter, vor allem aber mit Dankbarkeit.

Ein ganzes Jahr lang hat Jackisch an seiner Figur gearbeitet, die aus Gips ist und weiß und erhaben in den blauen Himmel ragt. Freilich nicht mehr lange, dann wird sie in drei Teile zerlegt und nach Dresden transportiert, um in der Kunstgießerei Bildguss Gebr. Ihle in Bronze gegossen zu werden. Von dort kehrt sie nicht wieder nach Hartha zurück, sie wird in Freital aufgestellt: im Foyer des einstigen Kinos Capitol, das der Freitaler Unternehmer Karsten Tobias seit mehr als einem Jahr zu einem Gesundheitszentrum umbauen lässt.

Der Name soll bleiben

Tobias hat das Kunstwerk, das Jackisch schlicht „Säule“ nennt, in Auftrag gegeben. Es ist nicht die erste Arbeit, die der Künstler für ihn anfertigt. Jackisch formte ihm schon eine Sandsteinfigur als Geburtstagsgeschenk für seine Frau Nicole und eine Bronzebüste vom „König Italo“ für das italienische Restaurant „Enotria da miri“ in Dresden, dessen Teilhaber Karsten Tobias ist. Die „Säule“ nun ist der vorläufige Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit.

Jackisch freut sich, dass die Figur an einem öffentlichen Ort aufgestellt wird. Einen besseren Platz als in der Mitte des runden Eingangsbereichs, der einen Durchmesser von acht Metern hat, könne er sich kaum vorstellen. Alle Patienten und Mitarbeiter müssen an der 2,30 Meter hohen Statue vorbei, die ja auch inhaltlich zum Haus passt, um in die Behandlungsräume, Werkstätten oder Büros zu kommen.

Angesichts des umfangreichen Baugeschehens im Capitol klingt das noch wie ferne Zukunftsmusik. „Aber wir kommen gut voran“, sagt Karsten Tobias, der eine Eröffnung „zwischen November und Januar“ für möglich hält, sich aber auf keinen Termin festlegen will. „Mich treibt nichts“, sagt der 44-Jährige. Außerdem hat er schon so viele unliebsame bauliche Überraschungen im Gebäude erlebt, dass er mit Prognosen vorsichtig geworden ist. Auch mit finanziellen. Die ursprünglich für die Sanierung geplante halbe Million Euro, sagt er, wird jedenfalls keinesfalls reichen.

Seinem Ziel aber, das Capitol, das seinen Namen behalten soll, mit einer neuen Nutzung als städtebaulich wichtiges Objekt in Freital zu erhalten, ist er schon sehr nahe. Was vor einem Jahr nur zu erahnen war, hat Gestalt angenommen: das Bewegungsbecken im Erdgeschoss, der Anbau für das Sanitätshaus, der Fahrstuhl und vor allem eine Decke aus Beton, die den einstigen großen Kinosaal in zwei Etagen teilt.

Unter dem Dach entstehen Räume für Physiotherapie, Wellness, Ergotherapie, Logopädie sowie Fußpflege, an allen Unternehmen ist Karsten Tobias selbst beteiligt. Platz ist zudem für ein Schulungszentrum, das er für das eigene Personal nutzen will, das aber auch frei zu mieten ist.

Inzwischen hat Tobias, der in den zehn Firmen, an denen er beteiligt ist, rund 600 Mitarbeiter hat, schon mit der Sanierung des nächsten markanten Objektes in Freital begonnen: der einstigen Möbelfabrik in der Fichtestraße. Daraus soll ein Bürogebäude werden. Vielleicht wieder mit einem Kunstwerk von Matthias Jackisch.