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Oscar-Preisträger Jiri Menzel gestorben

Jiri Menzel war ein Meister des Humors. Der tschechische Regisseur war Spezialist für Literaturverfilmungen. Er bekam nicht nur den Bären und den Oscar.

Der tschechische Regisseur Jiri Menzel bei der Vorstellung des Films "Ich habe den englischen König bedient" während der Berlinale 2007.
Der tschechische Regisseur Jiri Menzel bei der Vorstellung des Films "Ich habe den englischen König bedient" während der Berlinale 2007. © Gero Breloer/dpa

Prag. Der tschechische Filmregisseur und Oscar-Preisträger Jiri Menzel ist tot. Er starb am Samstagabend nach langer Krankheit im Alter von 82 Jahren in Prag im Kreis seiner Familie, wie seine Frau Olga am Sonntag auf Facebook bekanntgab. Menzels langjährige Assistentin Mila Rihova bestätigte dies später. Für seine Komödie "Liebe nach Fahrplan" hatte er im Jahr 1968 den Oscar für den besten ausländischen Film entgegengenommen.

Menzel galt - neben Milos Forman und Vera Chytilova - als Vorreiter der tschechoslowakischen Neuen Welle der 1960er-Jahre, die von einer großen Experimentierfreudigkeit gekennzeichnet war. Mit dem Einmarsch der Sowjettruppen in die CSSR im August 1968 nahm diese Zeit der künstlerischen Freiheit für Filmemacher ein jähes Ende.

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Bekannt für seinen feinen Humor, verfilmte Menzel zahlreiche literarische Stoffe des Schriftstellers Bohumil Hrabal (1914-1997), darunter "Ich habe den englischen König bedient" aus dem Jahr 2006 mit der Deutschen Julia Jentsch neben Oldrich Kaiser in der Hauptrolle. Die lebenslange Freundschaft mit Hrabal habe ihm mehr bedeutet als alle Preise und Medaillen, sagte Menzel einmal.

Emir Kusturica lernte bei Menzel

Geboren worden war er am 23. Februar 1938 in Prag als Sohn eines Kinderbuchautors. Er erhielt bedeutende Preise, darunter den Goldenen Bären der Berlinale für "Lerchen am Faden" sowie den Kristallglobus der Filmfestspiele von Karlsbad für außerordentliche Verdienste um das Kino. Frankreich zeichnete ihn als "Chevalier des Arts et Lettres" (Ritter der Künste und der Literatur) aus.

Seit einer schweren Erkrankung im Jahr 2017 war Menzel praktisch nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen. Er hinterlässt seine 42 Jahre alte Ehefrau Olga, mit der er zwei junge Töchter großzog. Zu seinen Schülern an der Prager Filmhochschule FAMU zählte unter anderen der Bosnier Emir Kusturica. "Ich danke für alles, was du für uns getan hast - Adieu", schrieb der Regisseur und Drehbuchautor Jan Hrebejk ("Kuschelnester") bei Twitter.

Der tschechische Regierungschef Andrej Babis sprach von einer traurigen Nachricht. "Er hat ein erstaunliches Werk hinterlassen, das uns für immer erfreuen und unterhalten wird", sagte er nach Angaben der Agentur CTK. Es sei für ihn jedes Mal eine Ehre gewesen, mit Menzel über Film, Kultur, die Welt und die Bedeutung von Werten zu debattieren, betonte Ex-Kulturminister Daniel Herman. (dpa) 

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