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Deutschland & Welt

Papst-Enzyklika zum Teil "religiöser Kitsch"

Papst Franziskus fordert eine radikale wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Wende als Antwort auf die Corona-Krise. Jetzt gibt es Kritik.

Papst Franziskus fordert in seiner neuen Enzyklika "Fratelli tutti" (Alle Brüder) eine radikale wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Wende.
Papst Franziskus fordert in seiner neuen Enzyklika "Fratelli tutti" (Alle Brüder) eine radikale wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Wende. © ANSA/epa

Wien/Frankfurt a.M. Der Wiener Theologe Ulrich Körtner hat die neue Papst-Enzyklika "Fratelli tutti" als in Teilen "religiösen Kitsch" bezeichnet. Dass Papst Franziskus einmal mehr Nationalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit anprangere, "ist gut und richtig", heißt es in einem Gastbeitrag des Ordinarius für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien für die "Wiener Zeitung". Seine Pauschalkritik am "Globalismus" und der Marktwirtschaft sei "jedoch ideologisch verengt, seine Sozialutopie freischwebend". In friedenspolitischen Fragen neige der Papst einem radikalen Pazifismus zu.

Papst Franziskus fordert in seiner neuen Enzyklika "Fratelli tutti" (Alle Brüder) eine radikale wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Wende als Antwort auf die Corona-Krise. Die Pandemie habe die Unfähigkeit zum gemeinsamen Handeln offenbart, schreibt das katholische Kirchenoberhaupt in seinem am Sonntag im Vatikan veröffentlichten rund 80-seitigen Lehrschreiben.

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"Diese Enzyklika ist sozialethisch und politisch unterkomplex", kritisiert Körtner: "Auch theologisch gibt sie nicht viel her." Franziskus schlage alle Probleme der Welt über den Leisten des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter und übergehe dabei "die Unterschiede zwischen Individualethik, Sozialethik und einer Ethik des Politischen". Der Staat sei nicht der barmherzige Samariter. "Nicht Liebe und Barmherzigkeit, sondern Gerechtigkeit, Herrschaft des Rechts und Sicherheit sind seine Aufgabe", so Körtner.

Grundkategorie des Politischen sei nicht allein der Konsens, schon gar nicht Harmonie, "sondern auch der Konflikt", betont Körtner. Franziskus tue sich zudem schwer mit der Möglichkeit einer legitimen Verteidigung mit militärischer Gewalt. Er spreche undifferenziert von Krieg und mache sich nicht die Mühe, auf die sicherheitspolitischen und friedensethischen Diskussionen über rechtserhaltende Gewalt als Ultima Ratio einzugehen.

"In der schönen neuen Welt des Papstes ist jedes Militär überflüssig", so Körtner. Das sei nicht nur politisch illusorisch, sondern auch friedensethisch fahrlässig, "weil sich der Papst die Welt schönredet und seine utopische neue Welt theologisch nicht vom Reich Gottes zu unterscheiden weiß". (epd)

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