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Welterbe-Leuchten von Pleitefirma werden zum Problem

© Marco Klinger

Sie leuchten hell - sehr hell. Doch sie haben keine lange Lebensdauer. Die ersten LED an der Waldschlößchenbrücke fallen bereits aus. Für die Stadt eine besondere Herausforderung, denn den Hersteller der Lämpchen gibt es nicht mehr.

Peter Hilbert

Die LED-Lampen in den Handläufen der Waldschlößchenbrücke ziehen immer wieder die Blicke von Passanten und Kraftfahrern auf sich. Sie sollten eigentlich dezent leuchten, strahlen dennoch unübersehbar hell. Einige allerdings nicht lange. Denn sie sind bereits ausgefallen und mussten ersetzt werden. An der Innenseite der Brückengeländer sind rund 1.300 der meist einen knappen Meter langen Leuchtenelemente montiert. „Drei davon mussten wir auswechseln“, sagt Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz. Was im Normalfall kein Problem ist. Doch sowohl am Anfang als am Ende der Leuchtengeschichte ging es keineswegs normal, sondern äußerst ungewöhnlich zu.

Mit diesen Leuchtdioden wollte das Rathaus einst den Unesco-Welterbetitel retten. Eine Kommission um den Frauenkirchen-Baudirektor Eberhard Burger hatte im Januar 2008 einen Kompromiss-Vorschlag mit LED-Leuchten und anderen Veränderungen vorgelegt, um die Weltorganisation umzustimmen. Außerdem wurden unter anderem die Stärke der Bogenfüße reduziert und der Brückenbogen schlanker gestaltet. Dies nutzte letztlich nichts. Der Welterbetitel wurde dennoch aberkannt. Die Stadt hielt in diesen Punkten aber am Burger-Kompromiss fest.

Schließlich sind die neuen Leuchten wegen ihrer Montage in den Geländern tagsüber kaum sichtbar. Zudem sollen durch die spezielle Neigung der Lichtleisten Fuß- und Radwege zwar beleuchtet, Spaziergänger, Radfahrer und nachtaktive Insekten aber nicht geblendet werden. Gute Erfahrungen hatte die Stadt auch schon an der Molenbrücke mit diesen LED-Strahlern gemacht, die die Löbauer Firma Hess Lichttechnik hergestellt hatte.

Dunkle Brücke droht vorerst nicht

Das Löbauer Unternehmen erhielt auch den Großauftrag, die LED-Leisten mit ihren insgesamt 16.000 Lampen für die Waldschlößchenbrücke zu produzieren. Doch Anfang dieses Jahres meldete die Lichttechnikfirma Hess Insolvenz an.

Für die Brückenfertigstellung hatte dies keine Konsequenzen. Denn die Leuchten wurden rechtzeitig an die beauftragte Montagefirma Elektro Dresden-West geliefert und lagen für den Einbau bereit. Im Juni begannen die Elektriker damit, die LED-Lichtleisten einzubauen. Sie kamen damit gut voran. Etwa 25 Stück montierten die Fachleute täglich. Rechtzeitig vor der Brückenfreigabe strahlten die 16.000 Lampen bei einem Beleuchtungstest erstmals am 16. August. Seit der Übergabe der neuen Elbquerung eine gute Woche später ist diese spezielle Lichttechnik im Dauereinsatz, sorgt vor allem bei Fußgängern und Radfahrern für gute Sicht, aber wegen ihrer Strahlkraft bei Passanten auch für Kritik.

Noch kann Straßenbauamtschef Koettnitz bei Ausfällen der Lichtleisten für Ersatz sorgen. „Elektro Dresden-West hat noch einige davon eingelagert“, verweist er auf eine Reserve. Doch die Hess-Pleite endete im Aus für das Löbauer Herstellerwerk. Im August schloss es seine Tore.

Gewährleistungsansprüche für die etwa eine Million Euro teuren Lampen kann diese Firma nicht mehr übernehmen. Jetzt ist guter Rat für Koettnitz teuer. „Wenn noch viele Lichtleisten ausfallen würden, wüsste ich nicht, wo ich neue herbekommen soll“, sagt er. Einen Trost hat der Straßenbauamtschef allerdings. Denn total dunkel würde die Waldschlößchenbrücke nachts nicht bleiben. Die Lampen sind so konstruiert, dass beim Ausfall einer Lichtleiste alle anderen weiterleuchten.