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Weltneuheit für Elektroautos aus Coswig

Die Firma Industrie-Partner hat das erste Verfahren überhaupt entwickelt, um große Batteriezellen herzustellen. Eine Innovation mit Zukunft.

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© Norbert Millauer

Von Ulrike Keller

Coswig. Sie messen gerade 14 mal 16 Zentimeter, doch es sind kleine Giganten. „Diese Demonstratorzellen können mit bis zu 40 Wattstunden bereits das Zehnfache einer normalen Handybatterie speichern“, sagt Ralf Hock. „Und sie demonstrieren, dass noch viel mehr geht.“ Der Geschäftsführer der Coswiger Firma Industrie-Partner GmbH spricht von bis zu 200 Wattstunden. Sein Unternehmen hat das weltweit erste Verfahren entwickelt, um große Batteriezellen zu konstruieren.

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Maßgeblich war daran der junge Diplomingenieur Christian Weiler beteiligt. „Der Prozess ist in sich dicht“, erklären er und sein Chef stolz. „Das Elektrolyt tritt gar nicht erst an die Luft, und damit kann es sich nicht in eine ätzende Flüssigkeit umwandeln.“ Was schon bei normaler Luftfeuchte der Fall wäre.

Mit dem Coswiger Know-how wird der Aufwand hinfällig, in der Produktion eine Art Trockenraum zu schaffen. Diese herausfordernden Umstände waren ein Grund, weshalb großformatige Lithium-Ionen-Batteriezellen bisher nicht industriell hergestellt wurden. Ein anderer Grund war der noch nicht vorhandene Bedarf. Doch der steigt inzwischen enorm.

„Das Thema ist brandheiß“, sagt Ralf Hock. Ein zentrales Einsatzgebiet für die Innovation sieht er im Bereich Elektromobilität. „Mit großformatigen Zellen vergrößert sich bei Elektroautos die Reichweite um mehrere Hundert Kilometer.“ Aber etwa auch bei Solaranlagen eröffnet diese Erfindung Speichermöglichkeiten in ganz neuen Dimensionen. „Wir sind mitten drin in der Kundenakquise“, verrät der Chef.

Doch das ist nicht das einzige Patent des Unternehmens – das zweite hält es auf eine Messeinrichtung für Radsätze von Zügen. „Bisher gab es keine Möglichkeit, die Abnutzung des Profils von Eisenbahnrädern gescheit zu ermitteln“, sagt Ralf Hock. Dabei liefert gerade der Verschleiß wichtige Informationen zur Fahrsicherheit. Die Industrie-Partner GmbH hat eine Messmaschine entwickelt, mit der die Radsätze direkt am Zug vermessen werden können. „Das Gerät wird mit Gabelhubwagen seitlich herangefahren, an der Schiene ausgerichtet und kann den tonnenschweren Radsatz hochheben, um die Räder zu drehen“, so der Geschäftsführer. Der erste Einsatz ist gerade in Vorbereitung.

Ralf Hock stammt aus dem Ruhrgebiet. Den Coswiger Betrieb kaufte er 2010, als die Gründer das Rentenalter erreicht hatten und einen Nachfolger für ihr Start-up anno 1990 suchten. Zuvor hatte Hock in einem Großunternehmen in Rheinland-Pfalz als angestellter Geschäftsführer gearbeitet. Mit Führungsverantwortung für bis zu 1 400 Mitarbeiter in Deutschland, den USA und in China. Doch er wollte gern eigenständiger gestalten – ohne sich immer erst mit den Gesellschaftern abstimmen zu müssen. Außerdem wünschte er sich einen direkteren Draht zu Angestellten und Produktion. „Ich mag es, wenn man durch die Halle geht und erkennt, was los ist“, sagt er. Wie bei der Industrie-Partner GmbH.

Im Kerngeschäft ist die Firma genau das, was ihr Name sagt: ein Partner der Industrie. „Wir verkaufen Problemlösungskompetenz“, formuliert es Ralf Hock, selbst Diplomingenieur im Bereich Werkzeugmaschinenbau. „Der Kunde hat eine Notwendigkeit festgestellt, einen Ablauf in der Produktion zu automatisieren, und wir entwickeln die technische Lösung.“

Als Hauptkunden nennt der Geschäftsführer die Deutsche Bahn, die Automobilindustrie und die Maschinenbauer der Umgebung. Über 1 000 Aufträge realisiert das Unternehmen pro Jahr, davon rund 100 im Bau von Sondermaschinen. Die Erzeugnisse gehen vom Coswiger Gewerbegebiet bis nach England, Tschechien und in die USA.