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Weltweite Trauer um Nelson Mandela

Mit Nelson Mandela verliert Südafrika seinen größten Sohn. Der einstige Häftling versöhnte Schwarz und Weiß in seiner Heimat. Die Welt trauert um eine Ikone der Freiheit.

© dpa

Pretoria. Die Welt trauert um Nelson Mandela. Staats- und Regierungschefs rund um den Globus würdigten das politische Vermächtnis des ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas, der seinem Land den Weg aus der Apartheid wies. Für sein Eintreten gegen die Rassentrennung hatte Mandela fast drei Jahrzehnte im Gefängnis gesessen. Der Friedensnobelpreisträger war zum Symbol des Kampfes gegen die Unterdrückung der Schwarzen weltweit geworden. Am Donnerstagabend starb „Madiba“, wie ihn sein Volk nannte, im Alter von 95 Jahren nach langer Krankheit in seinem Haus in Johannesburg.

Das Land will nun gut eine Woche lang um den symbolischen Landesvater trauern. Die zentrale Gedenkfeier findet am Dienstag im größten Fußballstadion des Landes, dem FNB-Stadion von Johannesburg, statt. Dazu werden hochrangige Gäste aus aller Welt erwartet. Anreisen wollten unter anderen Frankreichs Staatsoberhaupt François Hollande, US-Präsident Barack Obama und dessen Vorgänger George W. Bush sowie Bill Clinton. Offen blieb, wer die Bundesrepublik Deutschland vertreten wird.

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Bereits am Freitagabend sprach Obama Mandelas Witwe Graca Machel sein Beileid aus. In einem Telefonat dankte der US-Präsident ihr stellvertretend für den prägenden Einfluss, den der südafrikanische Nationalheld auf ihn nahm, wie das Weiße Haus mitteilte.

Beisetzung am 15. Dezember

Südafrikas Präsident Jacob Zuma hatte in einer TV-Sondersendung sein Land über den Tod des Freiheitskämpfers unterrichtet. „Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren. Unser Volk hat einen Vater verloren“, sagte er mit bedrückter Stimme. Vor Mandelas Haus im Johannesburger Vorort Houghton versammelten sich den ganzen Freitag über Menschen zum spontanen Gedenken. Viele tanzten und sangen, einige hielten Bilder des „Vaters der Nation“ in den Händen oder schwenkten die südafrikanische Fahne.

Für Sonntag kündigte Zuma einen nationalen Tag der Trauer und des Gebets an. Vom 11. bis 13. Dezember wird der Leichnam Mandelas in der Hauptstadt Pretoria öffentlich aufgebahrt. Beigesetzt werden soll Mandela am 15. Dezember in Qunu am Ostkap, wo er aufgewachsen war. Es soll nach den Worten Zumas eine Woche lang getrauert werden und zugleich auch das erfüllte Leben des Nationalhelden gefeiert werden.

Mandela hatte 27 Jahre lang für seine Überzeugungen in Haft gesessen, davon die meiste Zeit auf der im Atlantik vor Kapstadt gelegenen Gefängnisinsel Robben Island. 1990 wurde er entlassen, vier Jahre später gewann er mit dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) die ersten freien Wahlen Südafrikas - und wurde Präsident. Als er sich 2004 aus der Politik zurückzog, hatte er wie kein Zweiter den Weg zur Aussöhnung von Schwarzen und Weißen in Südafrika geebnet.

Weltweit erinnerten Politiker an sein Wirken voller Mut und Kraft zur Versöhnung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete Mandela einen „Giganten für die Gerechtigkeit“. Der UN-Sicherheitsrat ehrte den Verstorbenen mit einer Schweigeminute. Der russische Präsident Wladimir Putin würdigte Mandela als „einen der herausragendsten Politiker“ der Zeitgeschichte. Großbritanniens Premierminister David Cameron nannte Mandela einen „Helden unserer Zeit“.

Vielerorts Flaggen auf halbmast

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, Mandela sei „ein Staatsmann mit einer Botschaft, die in allen Ländern und zu aller Zeit Gültigkeit hat“. Bundespräsident Joachim Gauck sagte im Schloss Bellevue: „Unsere Welt hat eine Jahrhundertgestalt verloren.“ Papst Franziskus würdigte ihn als Inspirationsquelle für alle Generationen.

Zum Zeichen der Trauer wurden vielerorts die Flaggen auf halbmast gesetzt. In den USA veranlasste Obama Trauerbeflaggung auf allen öffentlichen Gebäuden. Auch die EU-Kommission in Brüssel ließ die 28 Europaflaggen vor dem Hauptgebäude auf halbmast setzen, das passiert ausgesprochen selten.

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Mandelas Gesundheitszustand war seit langem Anlass für große Sorge. Über Monate hieß es, er sei „in stabilem, aber kritischem Zustand“. Im Sommer war er wegen einer schweren Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt worden. Vor drei Wochen hatte Mandelas Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela berichtet, der 95-Jährige könne nicht mehr sprechen. „Er kommuniziert über sein Gesicht“, sagte sie. Seine letzten Wochen verbrachte Mandela im Kreis seiner Familie. (dpa)