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Wem kann ich meine Spenden anvertrauen?

Immer mehr Gruppen und Organisationen werben um Spenden. Nicht alle sind seriös.

Von Karin Schlottmann

Unicef steckt wegen des Umgangs mit Spendeneinnahmen in der Krise. Viele Spender sind dadurch verunsichert. Die SZ hat die wichtigsten Empfehlungen der Experten zusammengestellt:

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Ein Institut kontrolliert Hilfsorganisationen

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergibt Spendensiegel an Hilfsorganisationen, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. Dazu gehört zum Beispiel sachliche und wahrheitsgemäße Werbung sowie nachprüfbare, sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Mittel. Das Zentralinstitut fordert außerdem die Vorlage der Jahresrechnung. Das Spendensiegel muss jährlich neu beantragt werden. Wer das Siegel erhält, darf keine Prämien, Provisionen oder Erfolgsbeteiligungen für die Vermittlung von Spenden zahlen. Genau das wird Unicef Deutschland aber vorgeworfen.

Das Spendensiegel ist kein absoluter Garant

Das Spendensiegel ist eine wichtige Orientierungshilfe, kann aber keine absolute Garantie bieten. Unicef, das sich wegen des Vorwurfs von mangelnder Transparenz und Provisionszahlungen verteidigen muss, bekommt das Spendensiegel seit 1995. Das Deutsche Zentralinstitut, das das Siegel vergibt, hat die Höhe der Verwaltungskosten bei Unicef stets akzeptiert. Offiziell liegen sie bei 8,8 Prozent der Spendeneinnahmen. Die Angabe stimmt aber nur, weil Unicef die Ausgaben für Informations- und Öffentlichkeitsarbeit herausgerechnet hat. Tatsächlich setzt Unicef 17 Prozent der Einnahmen für andere Zwecke als für Projektarbeit vor Ort ein. Das Spendensiegel-Institut hält einen Verwaltungskostenanteil von zehn bis 20 Prozent an den Gesamtausgaben für angemessen. Erst ab 35 Prozent sind die Werbe- und Verwaltungskosten unvertretbar hoch, sagen die Experten.

Das Siegel kann auch aberkannt werden

Das Zentralinstitut für soziale Fragen prüft derzeit, ob Unicef das Spendensiegel entzogen werden muss. Eine völlige Aberkennung des Siegels sei aber eine „absolute Seltenheit“, sagt Institutschef Burkhard Wilke. Nach seinen Angaben gab es erst einen derartigen Fall.

Verwaltungskosten müssen sein

Keine Hilfs- und Wohltätigkeitsorganisation kann ohne Werbung und Verwaltung arbeiten. Der Spruch „Jeder Cent Ihrer Spende kommt an“ ist nach Ansicht des Instituts irreführend. Nur sehr kleine Organisationen können alle Aufgaben von Ehrenamtlichen erledigen lassen. Die größeren benötigen professionelle Unterstützung. Das Spendensiegel-Institut vertritt die Auffassung, dass falsch verstandene Sparsamkeit sogar zu Unwirtschaftlichkeit führen kann.

Das Zentralinstitut gibt auch Einzelauskünfte

231 gemeinnützige Organisationen tragen derzeit das Siegel. Wer Fragen zu einzelnen Gruppierungen hat, kann beim Institut ausführliche Einzelauskünfte erhalten. Auf seiner Homepage wird auch vor bestimmten Vereinen gewarnt, die wegen unseriösen Gebarens aufgefallen sind. Tierschutz, politische, kulturelle und religiöse Organisationen gehören nicht zum Arbeitsgebiet des Instituts.

Spender sollten ihr Geld nicht impulsiv geben

Die Experten raten Spendern, sich mithilfe von Jahresberichten und Projektbeschreibungen gründlich zu informieren und nicht impulsiv Geld zu geben. Misstrauen ist bei übertrieben dringlichen Spendenaufrufen sowie bei stark mitleiderregenden und gefühlsbetonten Werbungen angesagt. Sachspenden sind nur dann empfehlenswert, wenn seriöse Organisationen gezielt darum bitten.