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Wendemanöver in der Autobahnauffahrt

Auf dem Weg zur Arbeit nimmt eine Frau die falsche Auffahrt. Als sie wendet, stößt sie mit einem Linienbus zusammen.

© Repro: Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Klipphausen. Seit fast 17 Jahren hat die 53-jährige Frau aus der Gemeinde Klipphausen den gleichen Arbeitsweg, Tag für Tag fährt sie nach Dresden, nimmt die Autobahnauffahrt in Wilsdruff. Doch an jenem Februartag dieses Jahres ist sie in Gedanken wohl schon bei der Arbeit. Sie setzt den Blinker, biegt an der Ampel nach rechts auf die Autobahn 4 ab. Zu spät bemerkt sie, dass es die falsche Auffahrt ist. Sie ist unterwegs Richtung Leipzig und Chemnitz. So was kann passieren, ist nicht weiter schlimm, kostet nur ein wenig Zeit. Aber der Umweg bis zur nächsten Abfahrt ist ihr wohl zu weit. Und so macht sie verkehrt, was man in einer solchen Situation verkehrt machen kann. Sie fährt in der Auffahrt rechts ran, wendet dann ihr Fahrzeug. In dem Moment kommt ein Linienbus aus der Kurve. „Ich sah das Auto am Straßenrand stehen, dachte, es ist kaputt. Dann setzte ich den Blinker. Als ich vorbeifahren wollte, wendete das Auto plötzlich“, erinnert sich der 67-jährige Busfahrer. Er macht eine Vollbremsung, doch einen Zusammenstoß kann er nicht mehr verhindern. Zum Glück ist der Bus nur mit wenigen Fahrgästen besetzt. Durch die Vollbremsung wird eine Insassin leicht verletzt, sie schlägt mit den Knien an den Vordersitz. Am Bus entsteht ein Schaden von mehr als 10 000 Euro.

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Die Unfallverursacherin soll nun eine Strafe von 2 600 Euro bezahlen. Außerdem soll ihr für acht Monate ihr Führerschein entzogen werden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Gefährdung des Straßenverkehrs vor. Sie habe grob rücksichtslos gehandelt.

Zwar gibt die Klipphausenerin die Tat unumwunden zu, rücksichtslos will sie aber nicht gehandelt haben. “Ich bin nicht rücksichtslos, war in Gedanken. Als ich merkte, dass ich die falsche Auffahrt genommen hatte, geriet ich in Panik, habe nicht darüber nachgedacht, was ich tue. Die Sache tut mir furchtbar leid, leider kann ich es nicht rückgängig machen“, sagt sie den Tränen nahe. Sie habe doch nur pünktlich auf Arbeit sein wollen.

Was sie besonders hart trifft, ist die Tatsache, dass sie für acht Monate ihren Führerschein abgeben soll. „Meine Mandantin wohnt auf dem Dorf. Es ist ihr unmöglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu fahren. Ein Führerscheinentzug bedeutet für sie eine unangemessene Härte“, argumentiert ihr Verteidiger Dr. Andreas Maier. Für Richter Michael Falk steht aber nach wie vor die grobe Rücksichtslosigkeit im Raum. Von Interesse ist auch, wie schwer die Businsassin verletzt wurde. Sie selbst kann nicht gehört werden, ist als Zeugin nicht erschienen. Der Busfahrer aber berichtet, dass die Verletzungen nicht so schlimm waren. Die Frau selbst jedenfalls hat keinen Strafantrag wegen Körperverletzung gestellt.

Für den Richter steht fest, dass es nicht der klassische Fall einer groben Rücksichtslosigkeit war, allerdings eine grobe Verkehrswidrigkeit. Die vorgeworfene Gefährdung des Straßenverkehrs ist damit vom Tisch. Richter und Staatsanwalt sind bereit, das Verfahren wegen geringer Schuld gegen eine Geldauflage einzustellen. So muss die Klipphausenerin nun 1 500 Euro an den Verein „Ein Haus für Vieles“ in Meißen zahlen. Macht sie das, wird das Verfahren endgültig eingestellt. Vom Tisch ist damit auch der Führerscheinentzug. So kann sie weiter nach Dresden auf Arbeit fahren. Und – das beteuert sie – in der Autobahnauffahrt wird sie nie wieder zu wenden versuchen.