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Wenig Gedenken an den Nazi-Terror?

Im Stadtrat von Radeberg hagelte es jetzt harsche Kritik. Der Chef der Freien Wähler ärgerte sich über etliche Stadtrats-Kollegen.

© privat

Von Jens Fritzsche

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Radeberg. Das hat er seinen Stadtrats-Kollegen so richtig übelgenommen. Denn als Detlev Dauphin von den Freien Wählern das Thema in der jüngsten Sitzung des Stadtrats ansprach, hätte er eigentlich gar kein Mikrofon gebraucht – es lag ihm hörbar am Herzen, was er da zu sagen hatte. Dass nämlich am Sonnabend vergangener Woche nur eine wirklich an einer Hand abzählbare Gruppe von Stadträten bei der offiziellen Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nazi-Terrors an der Pulsnitzer Straße versammelt war, ärgerte Detlev Dauphin. „Hier sind wir einfach alle gefragt, wir müssen da Vorbild sein“, mahnte er seine Stadtrats-Kollegen. „Wir wundern uns, warum sich die Jugend kaum noch für Themen wie die Verfolgung der Juden durch die Nazis und das Hitler-Regime insgesamt interessiert – aber wenn wir es ihnen nicht vormachen, woher sollen sie es dann lernen“, ist der Fraktionschef der Freien Wähler überzeugt. „Wir müssen da einfach viel stärker Flagge und Präsenz zeigen“, mahnte Detlev Dauphin an. Auch mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse, schob er dann am Rande der Stadtrats-Sitzung noch einmal ein weiteres Argument nach.

Und Detlev Dauphin spielte auch auf die jüngst regelmäßig im Stadtrat geführte Diskussion an, wie sich die Stadt künftig um die zahlreichen Denkmale im Stadtgebiet und den Ortsteilen kümmern solle. Dabei war bekanntlich auch regelmäßig Kritik laut geworden, die Stadt investiere hier einfach viel zu wenig. Der Stadtrat wünschte sich eine Auflistung sämtlicher Denkmale – und will dann eine Reihenfolge festlegen, nach der die Denkmale aufgearbeitet werden. Auftakt sozusagen war die Sanierung des Denkmals für die Weltkriegs-Toten unterhalb der Stadtkirche im vergangenen Jahr. Dort wurde auch eine Tafel installiert, die zum einen über die Geschichte des Denkmals berichtet, zum anderen auch einordnet, warum es wichtig ist an die Kriegstoten zu erinnern. „Nämlich um zu zeigen, wohin Kriege führen“, hatte Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) jüngst die Wichtigkeit dieser Investition noch einmal bekräftigt. Ähnliche Tafeln sollen nun Schritt für Schritt auch an anderen Denkmalen folgen, so die Idee. „Aber alles das können wir uns sparen, wenn sich dann niemand für die Geschichte zu interessieren scheint“, ärgerte sich Detlev Dauphin.

Zur Diskussion kam es nicht.