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Wenig Handfestes nach Brandanschlag in Kaserne

Am Ostermontag 2009 fackelten Unbekannte den Fuhrpark der Bundeswehr in Dresden ab. Es gibt Beschuldigte, mehr nicht.

© Jörn Haufe/Morgenpost Sachsen

Von Alexander Schneider

Der Brandanschlag auf die Bundeswehr in Dresden jährt sich an diesem Wochenende bereits zum fünften Mal. Doch Täter sind bis heute nicht verurteilt. Es gibt bislang nur Beschuldigte, ein langwieriges Ermittlungsverfahren und angeblich interessante Bezüge in die gewaltbereite linksautonome Szene. Eine Anklage jedoch ist nicht in Sicht. Dabei hat die Polizei gewaltige Datenmengen ausgewertet.

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In der Nacht zum Ostermontag 2009 hatten unbekannte Täter den mit Stacheldraht gesicherten Zaun der Albertstadtkaserne überwunden und etwa ein Dutzend selbst gebastelte Brandsätze unter Lastern, Reisebussen und Pkw verteilt. Vielleicht haben sie sich noch angeguckt, ob ihre Brandsätze zündeten. Das Feuer brannte jedenfalls schon eine Weile, ehe Wachmänner den Anschlag gegen 3 Uhr bemerkten. Behörden sprächen später vom größten Anschlag auf die Bundeswehr seit der Wiedervereinigung. Ein Schleppdach und Dutzende Fahrzeuge wurden zerstört. Mehrere Busse, Laster und Autos brannten aus, insgesamt waren 42 Fahrzeuge betroffen. Die Bundeswehr bezifferte den Schaden zunächst auf bis zu zwei Millionen Euro.

Für die Ermittler der Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes (LKA) waren trotz des Infernos Spuren geblieben: Ein Brandsatz hatte nicht gezündet. Die bis zu 30 Beamten der „Sonderkommission Albertstadt“ fanden neben DNA-Spuren etwa A4-Ablage-Kästen, die in einer Baumarktkette vertrieben wurden. Sie werteten 162.000 Kassenbelege aus. Mit einer Funkzellenabfrage bekamen die Beamten mehr als eine Million Verbindungsdaten vor allem von Telefonaten, die am Osterwochenende rund um die Kaserne geführt wurden.

Erst drei Jahre später durchsuchte die Polizei Wohnungen von Beschuldigten in Finsterwalde – angeblich einem Geschwisterpaar und dessen Eltern. Sie sollen mit dem Anschlag zu tun haben. Nach SZ-Informationen sollen sie auch Kontakte zu einer sogenannten Antifa-Sportgruppe unterhalten haben, die ebenfalls im Visier der LKA-Staatsschützer steht. Seit 2009 soll die Gruppe Neonazis gezielt überfallen haben und auch bei den Krawallen am 19. Februar 2011 in Dresden beteiligt gewesen sein. Gegen sie wird wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt, und auch hier ist eine Anklage offenbar noch nicht in Sicht.

Im Fall des Bundeswehr-Anschlags wird nur wegen Brandstiftung ermittelt. Noch fünf Jahre – und der Vorwurf ist verjährt.