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Wenig Schnee, viele Gäste

In dieser Saison reichte es im Osterzgebirge bisher noch fürs Skifahren. Doch wie geht es in den nächsten Jahrzehnten weiter?

© Archivfoto: Egbert Kamprath

Von Anja Ehrhartsmann

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Osterzgebirge. Ende Februar sind im Osterzgebirge viele Loipen und Skiwanderwege geschlossen. Auch einige Lifte stehen still. Der Grund: Es liegt zu wenig Schnee. Die Abfahrten in Altenberg und Geising sind aber – Kunstschnee sei dank – möglich. Mithilfe der Schneekanonen konnten hier bis zu 30 Zentimeter aufgeschichtet werden. Doch die Touristen lassen sich von der durchwachsenen Schneelage nicht beirren, im Gegenteil. Der Tourismusverband Erzgebirge verzeichnete in der eigenen Buchungszentrale „eine sehr gute Buchungslage für die Winterferien“, so Geschäftsführerin Veronika Hiebl. „Wir konnten teilweise die Anfragen für die traditionellen Wintersportorte nicht befriedigen, weil die Herbergen vielfach ausgebucht waren.“ Dazu gehöre neben Oberwiesenthal zum Beispiel auch Altenberg.

Ebenfalls gut ausgelastet ist das Landhotel Altes Zollhaus in Neuhermsdorf. „Wir haben gedacht, dass es einen Buchungseinbruch gibt, aber das ist nicht so gekommen“, sagt Elke Fromm vom Landhotel Altes Zollhaus. Zwar hätten Leute aufgrund der Wetterverhältnisse storniert, dafür kamen Neubuchungen dazu. Unterm Strich halte sich so die Waage. Was die Übernachtungszahlen betrifft, hätten sich die Winterferien in Brandenburg stärker im Haus bemerkbar gemacht als die Ferien in Sachsen. Dafür hat während der zwei schulfreien Wochen im Freistaat die Laufkundschaft im Gastronomiebereich zugenommen, wie Elke Fromm schildert. Von den Gästen des Landhotels, die Wintersport betreiben wollten, seien viele nach Altenberg gefahren. „Letzten Endes gibt es ja ein bisschen Schnee.“

Doch die Schneehöhen im Osterzgebirge beschäftigen aktuell nicht nur die Tourismusbranche, Wintersportler und Liftbetreiber, sondern auch das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Wie Frank Meyer, Pressesprecher des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, bestätigt, wird an einer bundesweiten Studie zur Schneeklimatologie gearbeitet. Ziel soll es sein, klimatologische Aussagen darüber zu erstellen, wie sich die natürliche Schneedecke in Sachsen entwickelt. Auch die meteorologischen Rahmenbedingungen für das Herstellen von Kunstschnee werden betrachtet. Die Einschätzungen sollen bis ins Jahr 2050 reichen. „Die Daten werden für Gesamtsachsen modelliert und insbesondere für die 20 Skigebiete in Sachsen bereitgestellt“, so Frank Meyer. Das Ergebnis soll nach derzeitigem Stand Ende September vorliegen.

„Nicht Gegenstand dieser Studie sind wirtschaftliche Betrachtungen darüber, ob, inwieweit und wo sich der Wintersport in Sachsen als touristisches Angebot auch künftig noch lohnt“, betont Frank Meyer. Nach Vorliegen der Ergebnisse könne die Studie aber durchaus Basis für weitere Überlegungen in diese Richtung sein, etwa für das Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Denn dieses setze sich unter anderem mit der Frage auseinander, welche touristischen Angebote künftig in Sachsen Schwerpunkt sein werden, auch in Bezug auf Förderung. „Für Entscheidungen in diesem Sinne kann die Studie, die derzeit erarbeitet wird, dort eine fachliche Grundlage sein“, so Frank Meyer.

Sich Gedanken über alternative Winterangebote zu machen, unabhängig von den Schneeverhältnissen, sei grundsätzlich für alle Orte im Erzgebirge gut und wichtig, erklärt Veronika Hiebl vom Tourismusverband Erzgebirge. „Nicht alle Gäste, die im Winter ins Erzgebirge reisen, wollen immer nur Skifahren.“ Auch abseits der Piste habe die Region sehr viele andere Freizeitmöglichkeiten zu bieten. Als Beispiel nennt sie die Winterwanderwoche, die im Januar rund 1 000 Teilnehmer verzeichnen konnte. „Winterwandern liegt im Trend, denn ob mit oder ohne Schnee kann man die winterliche Natur herrlich erleben.“ Auch das Thema Wellness werde immer wichtiger.

Touristische Anziehungspunkte wie Besucherbergwerke, Eisbahnen, Museen oder Schlösser ließen sich bereits viele Angebote einfallen, um den Gästen Alternativen fernab der Loipen und Pisten oder in schneearmen Zeiten zu bieten.

Veronika Hiebl: „Der Winter ist nach wie vor eine sehr wichtige Urlaubssaison für das Erzgebirge. Wir sind jedoch froh und dankbar, dass unsere Strategie, das Erzgebirge als Ganzjahresdestination zu positionieren, mittlerweile greift.“ Sommer- und Winterhalbjahr hielten sich von den Übernachtungen her mittlerweile fast die Waage. „Wir werden auch 2018 neue Sommerangebote schaffen, um so eine gleichmäßige Auslastung über das ganze Jahr zu erreichen und im Falle von schlechteren Wintern eine gute wirtschaftliche Grundlage zu haben.“